Neuheiten auf der Spielwarenmesse Lernende Stifte und kleine Ingenieurinnen

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Hersteller aus Baden-Württemberg wie Ravensburger, Kosmos oder Fischertechnik präsentieren ihre Neuheiten auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Dabei sind vor allem Kreativität und Geschick gefragt.

Kinder präsentieren auf der Neuheitenschau der Spielwarenmesse in Nürnberg die Innovationen von Ravensburger.  Foto: Erol Gurian 3 Bilder
Kinder präsentieren auf der Neuheitenschau der Spielwarenmesse in Nürnberg die Innovationen von Ravensburger. Foto: Erol Gurian

Nürnberg - Werde kreativ! Die Aufforderung nehmen sich Anna, Katharina, Tim und Leonard am Neuheitenstand von Ravensburger auf der Spielwarenmesse in Nürnberg zu Herzen. Die vier Kinder im Alter zwischen sieben und zehn Jahren dürfen am Dienstag schon einmal ausprobieren, worauf die meisten Altersgenossen noch ein paar Monate warten müssen: den neuen Tiptoi-Stift.

Mit dem audiodigitalen Lesestift ist das Familienunternehmen vom Bodensee seit 2010 erfolgreich am Markt. Die nächste Generation der „sprechenden Stifte“ kann nicht nur Audiodateien abspielen, sondern auch speichern. „Über ein Mikrofon besprechen die Kinder selbst die Stifte“, erklärt Ravensburger-Chef Clemens Maier. Sie könnten Geschichten fortsetzen, ­Fragen beantworten, Rätsel lösen oder ­kurze Botschaften für ihre Eltern hinterlassen – „alles offline, es ist uns wichtig, dass es in einem geschützten Umfeld bleibt“, sagt der 46-jährige Urenkel des Firmengründers.

Ähnlich eingeschlagen wie seinerzeit Tiptoi ist im vergangenen Jahr das neue Kugelbahnsystem „Gravitrax“. Schon vier Wochen vor Weihnachten seien die Spiele im Handel knapp geworden und waren kurz darauf vielerorts ausverkauft. In diesem Jahr will Ravensburger die Bahnen in mehrere europäische Märkte bringen. Die Produktion im tschechischen Werk laufe auf Hochtouren, sagt Maier. Auch vom jüngsten Zukauf, dem US-Entwickler für Denk- und Logikspiele Thinkfun, verspricht er sich einen Schub für das laufende Jahr, in dem am Ende wieder ein Wachstum stehen soll. 2017 haben die Geschäfte zwar im Ausland zugelegt, weil sie aber in Deutschland zurückgegangen sind, stand unter dem Strich ein kleines Umsatzminus von 0,4 Prozent auf 472 Millionen Euro. Grund für den Rückgang in Deutschland sei eine Verkaufsaktion bei einem großen Handelspartner aus dem Vorjahr, die 2017 nicht wiederholt wurde.

Zum ersten Mal die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro hat der Stuttgarter Kosmos-Verlag im vergangenen Jahr geknackt, verrät eine Sprecherin des Spezialisten für Experimentierkästen, Spiele („Siedler von Catan“), Bücher („Die drei ???“) und neuerdings auch Globen (Columbus). Kosmos will in Nürnberg vor allem die Kreativität von Mädchen wecken: Die Heldin der neuen Experimentierkasten-Reihe heißt Pepper Mint. Das Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Dass diese gerade für Mädchen nicht immer attraktiven Themen auch spannend verpackt sein können, erfahren die siebenjährige Lena und die achtjährige Pauline beim Probespielen mit den beiden Baukästen „Baumhaus“ und „Tiefsee“. Die Abenteurerin Pepper Mint erzählt im Begleitheft eine Geschichte und führt so durch das Spiel, bei dem die kleinen Ingenieurinnen das Holzbaumhaus mit mechanischen Geräten wie Flaschenzug, Strickleiter, Seilbahn oder Lichterkette oder das Schiff mit Hydraulikschraube und Kran ausstatten und dabei spielerisch physikalische Gesetze kennenlernen.

Kosmos knackt die 100-Millionen-Euro-Umsatzschwelle

In Nürnberg präsentiert Kosmos auch eine neue Variante des Brettspielklassikers „Catan“, „Der Aufstieg der Inka“, sowie weitere Versionen einer Spiele-Reihe, die mit fast anderthalb Millionen verkauften Exemplaren im Vorjahr schon beinahe an die Dimensionen der Experimentierkästen (zwei Millionen) heranreicht: die sogenannten Exit- oder Live-Escape-Games. Bei einer der neuen Versionen, „Das mysteriöse Museum“, müssen die Mitspieler Rätsel des naturhistorischen Museums in Florenz lösen und den Weg hinaus finden. Auch dabei sind Kreativität und Logik gefragt.

Fischer entwickelt das Smart Home im Kleinen

Dasselbe gilt auch für die Neuheiten von Fischertechnik. „Wir haben den Anspruch, Technik des Alltags begreifbar zu machen“, sagt Geschäftsführer Marcus Keller und präsentiert den Baukasten „Robotics Smart Home“. Alles, womit sich die Erwachsenen das eigene Heim digital aufrüsten können, bietet Fischertechnik dabei im Kleinen: Sensoren messen Luftdruck, -feuchtigkeit und -qualität sowie den Geräuschpegel und lassen sich per App von der Ferne abfragen. Nimmt eine Kamera Bewegungen im Raum wahr, schickt sie eine Nachricht oder gleich ein Bild an den Besitzer. „Damit lässt sich zum Beispiel im Rahmen eines Schulprojektes das Pflanzenwachstum beobachten“, sagt Keller. Baukästen des Unternehmens aus Waldachtal seien immer stärker auch im Schulunterricht gefragt. Mit digitalen Fabriken 4.0 im Miniformat will Fischertechnik im nächsten Schritt auch an die Industrie herantreten, etwa um Auszubildenden das abstrakte Thema ganz praktisch näherzubringen.

In diesem Jahr nicht auf der Neuheitenschau, wohl aber auf der Messe, die von Mittwoch bis Sonntag für das Fachpublikum geöffnet ist, ist der Modellbahnbauer Märklin. Firmenchef und Miteigentümer Florian Sieber erzählt beim Rundgang über die Neuheitenschau, wie die Göppinger nach Jahren der Stagnation wieder auf Wachstumskurs kommen wollen: mit Lizenzwaren des Kinofilms „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und Produkten und Aktionen rund um das 50-Jahr-Jubiläum der LGB-Bahnen für den Garten.