Neujahrsempfänge im Kreis Böblingen Optimistisch für die Zeit nach Corona

Dieses Mal in einem neuen Medium:  Die Oberbürgermeister Bernd Vöhringer und Stefan Belz setzen die Neujahrsansprache filmisch in Szene. Foto: Simon Granville
Dieses Mal in einem neuen Medium: Die Oberbürgermeister Bernd Vöhringer und Stefan Belz setzen die Neujahrsansprache filmisch in Szene. Foto: Simon Granville

Die Oberbürgermeister von Sindelfingen, Böblingen und Herrenberg filmen ihre Neujahrsansprache. Bernd Vöhringer fasst sich am kürzesten, alle drei Kollegen haben sehr ähnliche Botschaften.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Böblingen - Die Neujahrsempfänge sind in diesem Jahr wesentlich kürzer ausgefallen: Der Sindelfinger OB Bernd Vöhringer benötigte nur 13 Minuten für seinen Rückblick auf das vergangene Jahr und die Aussicht auf 2021. Statt in der Stadthalle eine Rede zu halten, machte er mit einem Filmteam einen Spaziergang durch die Stadt. Auch seine Kollegen aus Böblingen und Herrenberg, Stefan Belz und Thomas Sprißler, wählten dieses Format und veröffentlichten die Videos am Sonntag im Internet. Ihre Botschaften fielen ebenfalls ähnlich aus: „Die Corona-Pandemie hat uns nach wie vor fest im Griff“, sagten sowohl Bernd Vöhringer als auch Stefan Belz fast wortgleich. Optimismus kam auch in allen drei Reden vor.

Weiterhin tapfer Abstand halten

„Wir müssen weiterhin tapfer Distanz und Abstand wahren“, erklärte Stefan Belz. Das Leitmotiv sei der Schutz des Gesundheitssystems, damit alle Erkrankten eine Intensivbehandlung bekommen könnten. Er lobte den solidarischen Zusammenhalt in der Stadt, die Pflegekräfte in Altenheimen und Krankenhäusern, Polizei und Feuerwehr, die Mitarbeiter von Supermärkten. Die Stadtverwaltung habe einen Digitalisierungsschub erlebt, erklärte er: Waren vor der Pandemie rund zehn Prozent der Mitarbeiter technisch fähig fürs Homeoffice, ist dieser Anteil nun auf rund 80 Prozent gestiegen. Trotz Stillstand habe auch die Kommunalpolitik weiterhin stattgefunden.

„Wirtschaftlich sind die Einschnitte gravierend“, warnte er. Die Auswirkungen auf den Haushalt durch die wegbrechenden Steuereinnahmen seien von historischem Ausmaß. Eine nachhaltige Ausgabenpolitik will er deshalb mit dem Gemeinderat umsetzen. Sorgen macht sich Stefan Belz außerdem über gesellschaftliche Entwicklungen wie die Querdenker-Bewegung oder andere Verschwörungstheorien. Dabei seien rund 80 Prozent der Deutschen mit den Corona-Maßnahmen einverstanden. „Die Pandemie stellt uns auf den Prüfstand“, findet Böblingens OB. Sie zeige wie stabil Geschäftsmodelle, die Demokratie und das persönliche Umfeld seien. Und sie sei eine Herausforderung, weil die Menschen Verzicht üben und sich gleichzeitig solidarisch verhalten müssten.

Innovativ und klimafreundlich in die Zukunft

In diesem Jahr will Stefan Belz ein Stadtentwicklungskonzept mit den Bürgern voranbringen und nannte das Postareal als Beispiel für Bürgerbeteiligung. Der Lärmschutz ist für ihn weiterhin ein Thema – bei der Schießanlage der US-Soldaten und der B 464 in Dagersheim. Kita-Ausbau und Schulhaussanierung sowie Schaffung von Wohnraum stehen unter anderem auf seiner Agenda. „Für Böblingen geht es innovativ, digital, gesundheitsorientiert und klimafreundlich in die Zukunft“, sagte er. Aufgrund des Impfstoffs sieht Stefan Belz Licht am Ende des Tunnels – obwohl das Coronavirus die Gesellschaft noch lange beschäftigen werde.

Auch für Sindelfingen ist die einbrechende Gewerbesteuer „eine große Herausforderung“, erklärte Bernd Vöhringer. Dennoch will der OB in den Strukturwandel und die Zukunft investieren. Er zählte die Tiefgaragensanierung, die Gestaltung des grünen Platzes und der Mercedesstraße als Projekte auf. Mit den Bürgern will er die Diskussion über das Zielbild der Stadt fortsetzen. Das Badezentrum soll 2021 neue Technik bekommen, und es soll am Konzept für den Ausbau zum Familienbad gearbeitet werden. Bernd Vöhringer spazierte beim Thema Schaffung von Wohnraum am Baugebiet Allmendäcker vorbei. Er sprach über den Kita-Ausbau und den Masterplan für die Schulen: „Wir werden noch ein schwieriges Jahr vor uns haben.“ Aber die Menschen werden sich den Alltag wieder zurückerobern.

Solidarität gibt Zuversicht

Die Solidarität in der Corona-Pandemie ist für Thomas Sprißler ein Grund für Zuversicht – auch wenn weniger Geld zur Verfügung steht. Trotz Corona habe sich im vergangenen Jahr in Herrenberg einiges getan wie die Eröffnung des Seeländers oder die Umgestaltung der Hauptverkehrsachsen. Im neuen Jahr beschäftigen den OB die gleichen Themen wie seine Kollegen. Mit der Verabschiedung des Klimafahrplans und der Fortschreibung des städtischen Leitbildes stünden wichtige langfristig wirkende Entscheidungen an. Ein für ihn positiver Nebeneffekt von Corona: die durch die Digitalisierung ausgebaute Bürgerbeteiligung. „Diese Innovationskraft, die in der Krise steckt, ist einer der Punkte, die mich optimistisch in die Zukunft blicken lassen“, sagte Thomas Sprißler.




Unsere Empfehlung für Sie