Neujahrsempfang der Freien Wähler OB fordert Zukunftskonzept fürs Krankenhaus

Von Thomas K. Slotwinski 

Bei den Freien Wählern kündigt Martin Kaufmann einen offensiven Kampf für die Klinik an. Die Wirtschaftsförderung und das Stadtmarketing will er ausbauen. Fraktionschef Röckle mahnt die Finanzen an.

In der Zielrichtung einig: Oberbürgermeister Martin Kaufmann, Wolfgang Schaal, Jutta Metz, Georg Pfeiffer, Ariane Metz und Axel Röckle. Foto: factum/Granville
In der Zielrichtung einig: Oberbürgermeister Martin Kaufmann, Wolfgang Schaal, Jutta Metz, Georg Pfeiffer, Ariane Metz und Axel Röckle. Foto: factum/Granville

Leonberg - Selbst wenn man sich in den großen Zielen einig ist: Die Frage, welche Wege dorthin die besten sind, können durchaus unterschiedlich beantwortet werden. Das wird beim Jahresauftakt der Freien Wähler deutlich, besonders wenn man sich die Ausführungen von Martin Kaufmann und Axel Röckle anhört.

Der neue Oberbürgermeister, Hauptredner im überfüllten großen Saal im Hotel Hirsch, hat viele Pläne. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler findet die Stoßrichtung des OB im Grunde gut, stellt aber immer die Frage der Finanzierbarkeit.

Einig sind sich Kaufmann und Röckle bei ihrer Skepsis hinsichtlich des Krankenhauses. Der Freie Wähler berichtet von der unfreiwilligen Versetzung einer Leon­berger Assistenzärztin nach Sindelfingen. Auch Pflegepersonal sei abgezogen worden. „Dadurch kann man ein funktionierendes Krankenhaus schädigen“, kritisiert Röckle. „Das ist ein wichtiges Betätigungsfeld für den Oberbürgermeister.“

Der nimmt den Ball auf. „Wir müssen jetzt darauf achten, dass die Bettenzahl nicht von 230 auf 168 reduziert wird, wenn die Flugfeldklinik in Betrieb geht“, sagt Kaufmann unter großem Applaus. „Sonst gehen bei uns die Lichter aus.“ Der OB sieht den Landrat in der Verantwortung: „Wir brauchen sehr schnell ein Konzept, wie unser Krankenhaus gesichert werden soll. Roland Bernhard muss uns klipp und klar sagen, was er vorhat.“

Mehr Klarheit gefordert

Auch in anderen Punkten möchte Kaufmann mehr Klarheit: Etwa bei der Vermarktung der Stadt allgemein und bei der Wirtschaftsförderung im besonderen: „Da passiert zu wenig.“ Der Rathaus-Chef will daher einen neuen Citymanager einstellen, der sich um das Zentrum und besonders um die Altstadt kümmern soll, aber nicht nur: „Auch die Stadtteile müssen gestärkt werden, denn wir sind alle Leonberg.“

Große Erwartungen setzt Kaufmann in eine Neugestaltung des Postareals, stellt aber klar, dass dortige Geschäfte dem Leo-Center und dem Marktplatz keine Konkurrenz machen dürfen. Doch nicht nur in einem gestärkten Handel sieht der OB Chancen. Kaufmann wünscht sich „einen sanften Tourismus.“ Gerade deshalb müsse das Stadtmarketing verbessert werden.

Zum optimierten Stadtbild gehört für ihn ein verschönerter Bahnhof. Hier widerspricht Martin Kaufmann Axel Röckle, der eine Sanierung der Leonberger Zentralstation als nicht unbedingt erforderlich gesehen hatte. Wichtiger sei die Pünktlichkeit der Züge.

Gas geben will der neue Verwaltungschef bei den Gewerbegebieten. In Anspielung auf die extrem zähe Diskussion um Leo West sagt er: „Es darf nicht wieder sieben Jahre dauern, bis ein Gewerbegebiet ausgewiesen ist.“ Die Standortfrage lässt er offen. Axel ­Röckle hatte zuvor Flächen in Höfingen und Gerbersheim ins Spiel gebracht.

Kaufmann will in bezahlbaren Wohnraum investieren

Kaufmann bekräftigt seine Haltung, dass die Stadt für bezahlbaren Wohnraum Geld in die Hand nehmen muss. Private Investoren seien am eigenen Profit interessiert. Der OB schließt eine kommunale Wohnbaugesellschaft nicht aus, um schneller und unbürokratischer neue Baugebiete zu ermöglichen. Bei den Freien Wählern stößt er damit allenfalls auf verhaltene Zustimmung.

Auch zum Thema Leobad hat der OB eine klare Meinung: Um der Attraktivität der Stadt willen ist die 12 Millionen Euro teure Sanierung unumgänglich. Zum Alleinstellungsmerkmal des Bades gehören für ihn die großen Liegeflächen. Deshalb lehnt er eine von der SPD befürwortete Teilbebauung ab.

Insgesamt kommt Kaufmann bei den Freien Wählern gut an. Und so reicht ihm der Stadtverbandschef Wolfgang Schaal, der im Wahlkampf offensiv die Gegenkandi­datin Inge Horn unterstützt hatte, demon­strativ die Hand zur Zusammenarbeit.

Einigkeit auch in einem anderen Punkt: Der Feststellung der 24-jährigen Beisitzerin Ariane Metz, dass der Gemeinderat überaltert ist, widerspricht niemand.




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