„Bleiben Sie uns, dem schönsten Landkreis Deutschlands, gewogen“, mit diesen Worten beendete Landrat Dietmar Allgaier am Freitag gegen 21 Uhr den Neujahrsempfang des Landkreises. Vorausgegangen war ein Programm, das sich deutlich von den trockenen Veranstaltungen der Vergangenheit abhob. Die rund 500 Gäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport trafen sich diesmal nicht im Ludwigsburger Kreishaus, sondern im 250 Meter entfernten Reithaus. Damit, so Allgaier, sei der Rahmen für ein „Makeover“, also eine Art Verjüngungskur, gesetzt.
Statt im Sitzungssaal und einer langen Schlange, um dem Landrat die Hand zu schütteln, wurden die ankommenden Gäste nun im Außenbereich von Schülerinnen und Schülern des Robert-Bosch-Gymnasiums Gerlingen mit einer Feuerjonglage-Show empfangen. Wer wollte, konnte an einer Fotowand ein Erinnerungsfoto machen lassen und im Foyer wurden erste Gespräche geführt. Allgaier machte einen Rundgang und begrüßte die meisten Gäste persönlich.
Kommt ein zentrales Klinikum?
Der offizielle Teil wurde kurzweilig gehalten. Allgaier ging in seiner Rede auf einige aktuelle Themen ein, die den Landkreis bewegen. Zunächst kam er auf die Kliniken zu sprechen. Ob es bald ein zentrales Klinikum geben werde, könne er noch nicht sagen. Er sei in letzter Zeit oft danach gefragt worden. Allgaier verwies auf den Herbst, wenn das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vorliege. Er appellierte an den Gesetzgeber, 2024 eine „auskömmliche Finanzierung“ auf den Weg zu bringen.
„Klare politische Signale“ wünscht sich Allgaier auch beim Thema Migration. 2300 Geflüchtete seien 2023 in den Landkreis gekommen und in diesem Jahr rechne man mit weiteren 2000. Zudem seien bis Ende 2023 fast 9000 ukrainische Flüchtlinge in den Landkreis gekommen. „Wir stehen vor einer Überforderung unserer Gesellschaft“, so Allgaier. Er sprach sich zudem erneut für Asylverfahren in Drittstaaten aus.
Seit 60 Jahren im Einsatz
Auch auf den ÖPNV ging der Landrat ein und erwähnte die nächsten Schritte bei der Bottwartalbahn und Lucie – der geplanten Stadtbahn. Thematisch drehte sich an diesem Abend passend zum Jahresschwerpunkt des Landkreises das meiste um Klimaschutz. Claus König, Ornithologe und langjähriger Leiter des Naturkundemuseums in Stuttgart,wurde für sein großes ehrenamtliches Engagement für die heimische Natur mit der Eberhard-Ludwig-Verdienstmedaille des Landkreises ausgezeichnet. Gemeinsam mit seiner Frau Ingrid setzte und setzt sich der heute 90-Jährige seit den 1960er Jahren für den Schutz der Pleidelsheimer Baggerseen, für den Wanderfalkenschutz, für Uhu-Brutplätze und als Naturschutzwart für die Wasserbüffelweide im Bottwartal ein.
Hauptredner des Abends war Polarforscher Arved Fuchs. Mit einem lebendigen Vortrag und eindrucksvollen Bildern von seinen Expeditionen zum Nordpol verdeutlichte er die Bedeutung des Naturschutzes. „Alles hängt mit allem zusammen“, sagte er und zeigte auf, wie die Eisdecke am Nordpol immer mehr schwindet. Die Folgen: Höhere Temperaturen und ein Anstieg des Meeresspiegels. Fuchs zeigte die deutliche Entwicklung zwischen 1989, dem Jahr seiner großen Nordpol-Expedition, und heute auf. Bilder, die vielen Gästen lange im Gedächtnis bleiben werden, und die im Nachgang zu Gesprächen anregten. Fuchs lobte den Landkreis für Leuchtturmprojekte beim Klimaschutz – zwischen den Reden wurden Bilder von Projekten aus dem Landkreis gezeigt, untermalt von Querflötenklängen der Musikschule Korntal-Münchingen. So gelang es, den Neustart der Veranstaltung zugleich mit einem Startschuss für das Klimaschutzjahr zu verbinden.