Neujahrsempfang in Hemmingen Von globalen Krisen bis zum Wunsch, Bürgermeister zu bleiben

Im Alter von 28 Jahren wurde Thomas Schäfer zum Bürgermeister gewählt. Foto: Simon Granville

Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer spricht beim Neujahrsempfang über kommunale Vorhaben und Krisen in Deutschland sowie jenseits des Atlantiks. Zudem lässt er seine Kandidatur für eine dritte Amtszeit durchblicken.

Die Ankündigung steckte zwar recht verklausuliert in den Worten von Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU). Doch wer am Schluss seiner Rede beim Neujahrsempfang genau hinhörte, verstand, was gemeint war: Der seitherige Bürgermeister möchte nach der Bürgermeisterwahl im Dezember auch der künftige sein, sprich, Thomas Schäfer will für eine dritte Amtszeit kandidieren. Offensichtlich haben das auch viele der gut 200 Gäste des Neujahrsempfangs in der Gemeinschaftshalle verstanden, denn dafür gab es reichlich Beifall.

 

Zuvor hatte der Schultes der gut 8000 Einwohner zählenden Strohgäu-Gemeinde einen Blick aufs Weltgeschehen geworfen, wie es bei solchen Veranstaltungen üblich ist, aber auch die Entwicklungen vor Ort beleuchtet. Bei der Begrüßung des Frauenchors „con spirito“ der Singgemeinschaft, die die Veranstaltung begleitete, meinte er, dass dessen Musik sicherlich für den Dur-Part sorgen werde. Seine Ausführungen würden leider eher in Moll daherkommen. Denn „wir befinden uns aktuell in einer derart konfusen globalen Gesamtsituation, in der man gar nicht genau weiß, wo man eigentlich ansetzen möchte und wie man all das, was auf unserem Erdball um uns herum passiert, noch in eine aufmunternde und zugewandte Ansprache kleiden soll“, so der Bürgermeister.

Von Trump bis zum Bau von Urnengrabfelder

Er schlug einen großen Bogen beginnend beim neuen US-Präsidenten Donald Trump, auf dessen Taten, die seinen Worten folgen werden, man gespannt sein könne. „Diplomatie und Trump habe ich bisher noch nicht in einem Satz gehört“, so Schäfer. Auch die Entwicklung Europas sei derzeit nicht absehbar und Errungenschaften wie Freizügigkeit mit offenen Grenzen scheinen nicht mehr opportun zu sein. Für Deutschland zeichneten die Wirtschaftsinstitute ein düsteres Bild, die weitere Entwicklung sei ungewiss. Der Lokalpolitiker kritisierte, dass die Politik des Gehörtwerdens auf Bundes- und Landesebene nicht sehr ausgeprägt zu sein scheint und dass die Politik, ob sie in Brüssel, Berlin oder Stuttgart gemacht werde, oft sehr fern der Realität sei. „Allerdings, und dies ist der Kritikpunkt, den ich wie ein Mantra wiederhole, ist es die kommunale Ebene, die die Suppe auslöffeln kann“ und den Bürgern Rede und Antwort stehen müsse.

Auch der Blick auf die kommunalen Finanzen wurde von einem Moll-Akkord, also eher eingetrübt, begleitet. Thomas Schäfer wies auf den Gemeindehaushalt hin, der zwar im Jahr 2023 mit 9,3 Millionen Euro deutlich im Plus lag, was sich aber in der Folge mit hohen Umlagen, die die Gemeinde abführen muss, bemerkbar macht. Für dieses Jahr wird mit einem Defizit von 6,8 Millionen Euro gerechnet. Allerdings stemmt die Gemeinde eine Reihe von Investitionen. So wird jetzt mit der Erweiterung des bestehenden Horts begonnen, damit der ab 2026 bestehende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder erfüllt werden kann. Für die Verpflegung der Hortkinder muss durch einen Anbau an die Gemeinschaftshalle ebenfalls mehr Platz geschaffen werden. Ein Förderbescheid des Landes liege „natürlich“ noch nicht vor, sagt Schäfer.

Die Fertigstellung der Urnengrabfelder, die Anlage eines Wasserspielplatzes im Schlosspark sowie die Einweihung des fertiggestellten Rasenplatzes führte der Bürgermeister als Projekte an, welche die Hemminger in diesem Jahr erleben können. Abgeschlossen werden soll die Sanierung und Erweiterung der Glemstalschule Schwieberdingen-Hemmingen, das finanziell größte Projekt der beiden Gemeinden. Kostenpunkt: rund 30 Millionen Euro. Bereits seit November steht der Bebauungsplan für das neue Wohngebiet Schöckinger Weg, die Erschließung soll noch dieses Jahr starten. Und die Gemeinde hofft darauf, dass das zwei Hektar große Bahnhofsareal jetzt ins Landessanierungsprogramm aufgenommen wird, damit dieser innerörtliche Bereich entwickelt werden kann.

Alles in allem eine umfangreiche Agenda, die der Bürgermeister zum Jahresbeginn vorlegte und die er noch um die Flüchtlingsunterbringung ergänzte. Ebenfalls 2025 wird das Thema Wärmeleitplanung immer wieder in der Öffentlichkeit aufschlagen, bis hin zu Informationsveranstaltungen. Zwar kann die Gemeinde, die jetzt mit dem Slogan „Hemmingen hat Energie“ auftritt, dreiviertel des vor Ort verbrauchten Stroms selbst produzieren, dank zweier Biogas-Anlagen und des zunehmenden Einsatzes von Photovoltaik. Doch der Stromhunger steige weiter. „Ein halbes Windrad würde rechnerisch reichen, um das verbleibende Delta zwischen Stromverbrauch und Stromerzeugung in Hemmingen zu decken“, sagte Thomas Schäfer. Aber die Entscheidungsfindung beim Verband Region Stuttgart in Sachen Windvorranggebiete lasse auf sich warten.

Ein Kind des Strohgäus

Mit Blick auf die Bundestagswahl und die Bürgermeisterwahl meinte er, dass man sich für diese und andere Fragen die biblische Jahreslosung aus dem 1. Thessalonicher 5, Vers 21 zu Herzen nehmen könne, die da lautet: Prüft alles und behaltet das Gute. Bei Thomas Schäfer nachgefragt bestätigte er, dass er auch für eine dritte Amtszeit kandidieren will. „Die letzten 15, 16 Jahre waren so schlecht nicht und wir haben uns gut zusammengefunden, die Hemminger und ich“, sagte der 42-jährige Heimerdinger, der sich selbst ein als ein „Kind des Strohgäus“ bezeichnete. Er wurde im Alter von 28 Jahren zum ersten Mal zum Bürgermeister von Hemmingen gewählt.

Der DRK-Ortsverein ehrte im Anschluss mehrere Blutspender, unter ihnen Reinhold Mücke für 50 Spenden. Matthias Braun und Eric Raasch, die das Projekt Sortenerhalt Hemmingen voranbringen, bekamen ebenfalls eine Bühne, um ihr Engagement für den Erhalt alter Sorten, allen voran des Luiken als einst meistangebauter Apfel in Württemberg, mit viel Begeisterung darzustellen.

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