OB Nico Reith ruft in Herrenberg zu mehr Optimismus auf – und geht mit gutem Beispiel voran: Er blickt positiv auf das noch fast neue Jahr.

„Lamentieren baut keine Kitas. Meckern saniert keine Schulen. Pessimismus schafft keinen Wohnraum“. Für diese Feststellung erntet Herrenbergs Oberbürgermeister Nico Reith (parteilos) beim Neujahrsempfang am späten Sonntagvormittag viel Applaus von den Herrenbergern, die zahlreich zum zweiten Teil des offiziellen Jahresauftakts in die Stadthalle geströmt waren. Zuvor hatten die Kirchen bereits zu einem ökumenischen Gottesdienst in die benachbarte Alte Turnhalle geladen.

 

Große Pläne

„Lassen sie uns gemeinsam mehr Optimismus wagen“, lautet daher die Botschaft des Rathauschefs – und zwar nicht, um die Augen vor den Herausforderungen wie der strukturellen Finanzkrise der Kommunen oder den zahlreichen politischen Verwerfungen in der Welt zu verschließen. Stattdessen zeigt das Stadtoberhaupt in seiner knapp einstündigen Rede, die musikalisch vom Trompetenensemble und einer Pop-Band der Musikschule umrahmt wird, auf, dass in Herrenberg trotz der schwierigen Rahmenbedingungen mit überschaubaren Ressourcen „nach wie vor so einiges gelinge“.

Dass Herrenberg als finanzschwache Kommune laut Reith schon immer gut darin war, „aus wenig viel zu machen“, zeigt sich darin, dass die Stadt aktuell mit insgesamt über 23 Millionen Euro an Fördermitteln arbeitet, die die Stadtverwaltung für verschiedene Bereiche an Land ziehen konnte. So werde allein der Neubau der gemeinsamen Grundschule am Grafenberg für die Kinder in Kayh und Mönchberg mit 4,5 Millionen Euro bezuschusst. Auf dieses Projekt entfallen geschätzt gut 14 der über 31 Millionen Euro, die die Gäustadt in den nächsten Jahren in ihre Schulen investieren.

Neben dem Bereich Bildung und Betreuung sowie zahlreichen weiteren Themen wirft das Stadtoberhaupt auch ein Schlaglicht auf die Schaffung von Wohnraum. „Wir stemmen uns mit voller Kraft gegen den Wohnungsmangel in unserer Stadt und der Region“, unterstreicht Nico Reith mit Blick auf „Hunderte Wohneinheiten“, die insbesondere in der Kernstadt aktuell im Bau oder zumindst in Planung sind.

Herrenberg-Süd auf der Agenda

Zudem, informiert Reith, hätte der Gemeinderat in einer Klausur das weitere Vorgehen hinsichtlich des geplanten neuen Stadtquartiers Herrenberg-Süd abgestimmt: Demnach sollen die Eigentümer nochmals gefragt werden, ob sie bereit sind, bei einem Ankaufsmodell mit verbesserten Konditionen mitzumachen. Wenn voraussichtlich bis Jahresende deren Rückmeldungen vorliegen, werde der Gemeinderat drüber entscheiden, ob sich anhand der Verkaufsbereitschaft ein Gebiet und falls ja, in welcher Größe, entwickeln lässt, ob eine Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme eingeleitet wird – oder ob die Flächen aus dem Flächennutzungsplan gestrichen werden.

Auch beim BayWa-Areal in Bahnhofsnähe könnten die Dinge wieder in Bewegung kommen. Nico Reith berichtet von guten Gesprächen mit der Volksbank in der Region, die sich vorstellen könne, dort auf einer Teilfläche „einen Neubau im Rahmen einer Standortverlagerung zu verwirklichen“.

Energische Pläne

Einen Schritt weiter sind Stadtverwaltung und Gemeinderat beim Transformationsprozess der Herrenberger Stadtwerke gekommen: Mit der Energie Calw sei ein strategischer Partner gefunden worden, berichtet Nico Reith. Noch in diesem Jahr solle nun eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft, die Energie Herrenberg gegründet werden.

Sowohl für die Stadtwerke als auch insbesondere für die Innenstadt könnten Verwaltung und Gemeinderat aber nur die Rahmenbedingungen setzen. Mit Blick auf die Altstadt appelliert Reith an die Anwesenden, dass „wir alle als Stadtgesellschaft auch unsere Kaufkraft hierlassen“, damit es ein attraktives Angebot bei Einkaufsmöglichkeiten und gastronomischen Betrieben gibt.