Neujahrsempfang in Holzgerlingen Delakos: „Kandidiere für zweite Amtszeit“

Will weitere acht Jahre die Richtung in Holzgerlingen vorgeben: Bürgermeister Ioannis Delakos auf dem diesjährigen Neujahrsempfang in der Stadthalle. Foto: Stefanie Schlecht

Der Holzgerlinger Bürgermeister nutzt den Neujahrsempfang für die Verkündung seines erneuten Antritts. Dafür erntet er kräftigen Applaus.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Bei seiner Ankündigung auf dem Neujahrsempfang in der Stadthalle machte der Holzgerlinger Bürgermeister Ioannis Delakos das Publikum für einen Moment stutzig. „Mit dem Ablauf dieses Jahres endet meine Zeit als Bürgermeister von Holzgerlingen“, sagte er. Kurzes Gemurmel, gespanntes Aufhorchen. Ein paar Absätze später löst er auf: „Es wäre mir eine große Ehre und Freude, weitere acht Jahre ihr Bürgermeister sein zu dürfen.“ Der nächste Satz geht im aufbrandenden Applaus unter. Das zeigt: Als Schultes sitzt Delakos fest im Sattel. Der Rahmen war passend gewählt, werden Neujahrsansprachen doch in der Regel zur lokalpolitischen Standortbestimmung genutzt.

 

Schwungvoller Start Den Grundton am Sonntagvormittag setzten allerdings erst einmal andere: Die Holzgerlinger Stadtkapelle läutete den Empfang mit schmissig-zarter Blasmusik ein und Freie-Wähler-Gemeinderat Eberhard Binder übernahm die Begrüßung des gut gefüllten Saals. „Man begrüßt ja immer die Prominenz zuerst, doch für mich sind Sie alle prominent“, sagte er und erntete den ersten Lacher. Er lobte das große bürgerschaftliche Engagement in der Stadt, die vielen Vereine und Jugendgruppen: „Ohne Sie wäre Holzgerlingen ein öder Wohn- und Schlafort.“ Die Trittsicherheit, die er auf einer Zu-Fuß-Überquerung der Alpen von Oberstdorf nach Meran jüngst erlebt habe, wolle er mitnehmen ins neue Jahr: „Unser Grundgesetz feierte im vergangenen Jahr 75-jähriges Bestehen. Machen wir uns auf dieser Grundlage gemeinsam auf den Weg und sehen die bevorstehende Bundestagswahl als Chance!“

Grußworte von Freie-Wähler-Gemeinderat Eberhard Binder Foto: Stefanie Schlecht

Blick zurück nach vorn Als Bürgermeister blickte Delakos etwas zerknirschter auf das vergangene Jahr: „Zu den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten kamen aufkeimender Populismus, die Wahl von Donald Trump als US-Präsident, die Krise der deutschen Wirtschaft und der Bruch der Ampelkoalition hinzu.“ Holzgerlingen hingegen habe immer wieder enormen Gemeinsinn bewiesen, der Zusammenhalt in der Bürgerschaft sei stark: „Sie packen mutig mit an!“ Das habe sich in der Coronakrise und dem innovativen Testkonzept des Apothekers Björn Schittenhelm ebenso gezeigt, wie auf dem Stadtfest, das in diesem Jahr wieder steigen wird. „Vielleicht gewinne ich ja 2025 im Silberpfeil mein erstes Rennen“, sagte er.

Investitionen in Infrastruktur An den Anfang seiner Rede setzt Delakos die Investitionen in Infrastruktur, die getätigt sind – und die noch anstehen. „Wir haben in meiner Amtszeit 50 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert, sie ist gut in Schuss.“ Das alles sei „ohne einen Euro Kreditaufnahme“ gelungen. 2024 habe man mit dem Stadtbuskonzept und „einem echten Ein-Euro-Ticket“ den Nahverkehr ausgebaut, digitale Parkplatz-Sensoren installiert und eine Künstliche Intelligenz helfe dabei, den Zustand der Straßen zu überprüfen. So soll es weitergehen: „Der Glasfaserausbau soll endlich voranschreiten und zu den 117 digital ausgestatteten Unterrichtsräumen kommen weitere hinzu.“ Außerdem sei das Bauamt nun voll digitalisiert. Künftig sollen sogar Feuchtigkeits-Sensoren in Baumscheiben anzeigen, welche Bäume in der Stadt am stärksten nach Wasser dürsten. Solarzellen und Windräder sollen vor Ort mehr grünen Strom liefern. „Der Gemeinderat hat sich hier nicht beirren lassen“, sagte er. Das alles koste viel Geld, weshalb die Haushaltssituation schwierig sei, „doch wir haben ausreichend Rücklagen“, sagt Delakos.

Gut gefüllte Stadthalle in Holzgerlingen Foto: Stefanie Schlecht

Brennpunkt Kinderbetreuung Nicht zufrieden zeigt sich der Bürgermeister mit der Situation bei der Kinderbetreuung: „Ich muss mich für die Einschränkungen entschuldigen. Die reduzierten Öffnungszeiten entsprechen nicht unserem Anspruch an Qualität.“ Insbesondere berufstätige Eltern schlugen Anfang 2024 Alarm, hielten die Zustände für „untragbar.“ Allen Bemühungen der Stadt zum Trotz konnte die Personalnot nur zum Teil gelindert werden. Die Gebäude sollen hingegen weiter ausgebaut werden, das Kinderhaus im Dörnach etwa. Delakos: „Für eine Verbesserung der Situation müssen alle Beteiligten und auch die Wirtschaft ihren Beitrag leisten, nicht nur die Verwaltung allein.“

Anstehende Entscheidungen Konkret wird es 2025 laut Delakos bei drei großen Projekten: „Es steht die Entscheidung zum Bau eines neuen Pflegeheims des Roten Kreuzes an.“ Außerdem stehe die Verpachtung von Flächen des interkommunalen Windparks an und Delakos hofft auf einen baldigen Start der neuen elektrifizierten Schönbuchbahn, der sich zu seinem großen Bedauern mehrfach verzögert habe.

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