Christian Walter hat als Bürgermeister seiner Stadt auch 2026 mit einigen Problemen zu kämpfen: Zahlreiche Großprojekte, Versäumnisse in der Kämmerei und einer schlechten Haushaltslage etwa. Foto: Simon Granville
Schulden, Klagen, Megaprojekte: Beim Neujahrsempfang der Keplerstadt werden die vielen aktuellen Projekte präsentiert, aber auch manche Probleme, die 2026 angegangen werden sollen.
Brunhilde Arnold
20.01.2026 - 07:31 Uhr
Eine Preziose brachte Mathias Graner zum Neujahrsempfang mit: die älteste Urkunde aus dem Stadtarchiv zu Weil der Stadt aus dem Jahr 1360. In dieser überlässt Kaiser Karl IV. der Reichsstadt das Umgeld als indirekte Steuer. Das wertvolle, 666 Jahre alte Stück Stadtgeschichte verlässt nur selten das Archiv. Doch das 2025 begangene Festjahr zur Ersterwähnung von vier Weiler Ortsteilen im „Hirsauer Formular“ vor 950 Jahren war für den Stadtarchivar Anlass genug, noch einmal einen Blick zurück zu werfen. Nicht ganz so weit schauten der Bürgermeister Christian Walter und der Erste Beigeordnete Jürgen Katz zurück. „2025 war ein bewegtes Jahr“, so Walter. „Bei uns ist immer viel los, aber dieses Jahr war besonders“, sagte er zu den rund 400 Gästen in der Stadthalle.
Neubau von Schule bis Supermarkt
Jürgen Katz führte aktuelle Großprojekte der Stadt auf. Ein wichtiges ist der Startschuss für den ersten Bauabschnitt auf dem Schulcampus an der Jahnstraße. Baubeginn für die Grundschule ist im April, die Fertigstellung ist für Herbst 2027 anvisiert. Ebenso Ende 2027 soll der neue Baubetriebshof in Merklingen errichtet sein, mit den Arbeiten wird im Sommer begonnen. Ein ähnlicher Zeitrahmen gilt für das neue Kindergartenquartier an der Merklinger Kirchenburg sowie für die Erweiterung der Grundschule in Schafhausen. Im letztgenannten Stadtteil wird laut Jürgen Katz der Baubeginn für den seit langem im Gespräch stehenden Supermarkt noch für dieses Jahr angestrebt. „Und wenn alles gut läuft, können Sie die nächsten Osterhasen dort kaufen“, meinte er.
Zahlreiche „kleinere“ Projekte treibt die Stadt schon, noch oder demnächst um, etwa eine Unterkunft für 60 Geflüchtete im Blammental, die Realisierung eines Ärztehauses am Marktplatz, zahlreiche Straßenbauarbeiten, wie etwa die geplante Sanierung der Josef-Beyerle-Straße oder der Ortsdurchfahrt von Merklingen – beides Kreisstraßen. Nach der Sanierung der Stadtmauer sollen nun der Seiler- und der Rabenturm in den Blick genommen werden. „Das ist unser historisches Erbe, da sind wir aufgefordert, etwas zu tun“, so Jürgen Katz.
Kündigte beim Neujahrsempfang sein Bestreben an, 2026 noch einmal zum Ersten Beigreordneten gewählt zu werden: Jürgen Katz. Foto: Simon Granville
Getan wurde auch einiges in Sachen Brandschutz, etwa Fluchttreppen an öffentlichen Gebäuden angebracht. Zusammen mit der Feuerwehr wurden Notfalltreffpunkte als Anlaufstellen in Ausnahmesituationen, etwa bei Stromausfall, eingerichtet. Und schließlich soll 2026 ein neuer Stadtentwicklungsprozess starten, bei dem es darum gehe, einen roten Faden für die nächsten 15 Jahre in der Stadt zu entwickeln. Eingeladen seien dazu alle Bürgerinnen und Bürger.
Mehr Geld für Haushalt 2026
Bei dieser Vielfalt an Projekten wird klar, warum sich die Investitionen auf Rekordniveau bewegen. Für das Haushaltsjahr 2026 ist laut Christian Walter eine voraussichtliche Neuverschuldung von 12 Millionen Euro geplant. Ende 2025 betrug der Schuldenstand 15,26 Millionen. Zwar geht die Stadt angesichts deutlich steigender Gewerbesteuereinnahmen von einem „relativ guten Haushaltsjahr“ aus, so Walter, trotzdem müssten jetzt Maßnahmen zur Haushaltssicherung beschlossen werden, denn 2027 werde sich das hohe Steueraufkommen aus 2025 zeitverzögert negativ im Haushalt niederschlagen.
Viel aufzuarbeiten in Stadtkämmerei
Der Bürgermeister ging auch auf die schwierige Situation in der Stadtkämmerei ein, über die Ende 2025 öffentlich berichtet wurde und die viele unbearbeitete Aufgaben ans Licht brachte. So steht etwa die Eröffnungsbilanz zum 1. 1. 2020 auf Grundlage des neuen Kommunalen Haushaltsrechts noch aus, auf deren Grundlage dann die ebenfalls noch offenen folgenden Jahresabschlüsse gemacht werden. Weiter sind Steuererklärungen der Stadt und ihrer gewerblichen Betriebe seit 2020 sowie Neukalkulationen der Wasser- und Abwassergebühren offen.
Walter führte strukturelle Ursachen wie Krankheiten, Aufgabenfülle und unbesetzte Stellen dafür an, aber auch individuelle Ursachen. Nun soll im Februar ein neuer Kämmerer gewählt werden. Als neue Stelle wurde eine stellvertretende Leitung der Kämmerei bereits im November besetzt. Für die großen offenen Aufgaben wurden externe Dienstleister beauftragt.
Christian Walter nahm sich auch Zeit, um auf die andauernden Rechtsstreitigkeiten mit dem SWR rund um die Fällung von Obstbäumen auf dem Neubaugebiet Häugern einzugehen. „Das beschäftigt uns weiterhin“, sagte er mit Blick auf eine laufende Klage, die gerichtlich feststellen soll, dass der SWR gegen seine Programmgrundsätze verstoßen habe. Weiter präsentierte er den Gästen eine Sammlung von juristischen Entscheidungen, bei denen es etwa bei Beschädigungen von städtischem Eigentum keine strafrechtlichen Konsequenzen für die Verursacher gegeben und die Kosten die Allgemeinheit zu tragen habe.
Jürgen Katz wills nochmal wissen
Viel Beifall erntete Jürgen Katz für seine Ankündigung, noch einmal als Erster Beigeordneter zu kandidieren. Im September läuft die achtjährige Amtszeit des 64-Jährigen aus. Zu seinem Dezernat gehören das Stadtbauamt, das Bürger- und Ordnungsamt sowie die Stabsstellen Forst, Wirtschaftsförderung, Marketing und Tourismus.