Erstmals blickt ein Beigeordneter in die Zukunft der Stadt.

Weil der Stadt - Wenn die Weiler Stadtverwaltung und die Keppler-Stiftung zum Neujahrsempfang einladen, ist immer viel los. Im Foyer der Stadthalle ist es voll, die Besucher kommen aus dem Händeschütteln gar nicht mehr heraus. Bürgermeister Thilo Schreiber begrüßt jeden Gast persönlich, auch die Nachtwächter, die Türmer und der Kepler sind da. Der Erste Beigeordnete Jürgen Katz schüttelt am Eingang ebenfalls viele Hände.

Dass die Weiler Rathausspitze bei diesem inzwischen doch traditionellen Termin zu Jahresbeginn gemeinsam auftritt und Zusammenhalt wie Einigkeit demonstriert, ist ein Novum. Katz’ Vorgängerin Susanne Widmaier hatte dieses Feld in den vergangenen Jahren stets ihrem Chef überlassen. Dabei ist der Neujahrsempfang bei den Besuchern durchaus beliebt, die Plätze in der Stadthalle sind schnell gefüllt. Viele Bürger, Gemeinderäte, politische Vertreter aus Kreis, Land und Bund sind in die Keplerstadt gekommen.

Mögliche Pläne fürs neue Seniorenzentrum

Das Programm läuft an diesem Sonntag ungewohnt unpolitisch ab. Ingrid Müller, die Regionalleiterin der Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung berichtet über den aktuellen Stand des geplanten Seniorenzentrums in den Brühlwiesen. Seit Jahren ist bekannt, dass die Stiftung neben dem Einkaufszentrum bauen möchte, das Bürgerzentrum oben auf dem Heinrichsberg hat seine besten Jahre längst hinter sich.

Ingrid Müller präsentiert Ideen und Ansichten, wie die neue Anlage in der Innenstadt aussehen könnte. Ein Ort der Begegnungen soll es werden, zur Kontaktpflege zwischen den Bewohnern und der Öffentlichkeit. Mit hoher Lebensqualität für die Menschen, die dort leben: „Wir wollen nicht einfach einen Platz, sondern ein Zuhause im Pflegeheim schaffen“, erklärt Müller. Modern und schön sehen die Gebäude auf den Modellansichten aus, umgeben von einem neu angelegten, grünen Bürgerpark. Doch die Regionalleiterin macht sogleich klar: „Das ist ein Planungsstand, so könnte es aussehen“, betont sie. „Aber noch ist nichts genehmigt.“ Sie freut sich auf den Spatenstich. Doch der Termin hierfür ist noch Zukunftsmusik.

Völlig real ist hingegen der Auftritt von Thomas Schreckenberger. Mit Wortwitz und absoluter Treffsicherheit nimmt der Kabarettist die Politik aufs Korn. Am meisten lachen da im Übrigen die anwesenden Politiker selbst. Auch das Weiler Publikum amüsiert sich ganz offensichtlich köstlich, einige haben ihn schon am Abend zuvor im Klösterle gesehen. „Macht nichts“, findet der Wahl-Schwabe Schreckenberger. „Es kostet nichts, und zu essen gibt es nachher auch noch was.“ Die Lacher sind ihm sicher. Thilo Schreiber war auch im Klösterle, er hat noch Muskelkater vom vielen Lachen am Vorabend.

2018 ist viel passiert

Nicht ohne Stolz blickt der Schultes umfassend auf das vergangene Jahr zurück. Mit dem städtebaulichen Planungswettbewerb für das größte Neubaugebiet der Stadt, Häugern in Merklingen, sei man ein gutes Stück vorangekommen. „Das ist ein gewaltiges Stück Zukunft, das sehr viel Arbeit bedeutet“, erklärt der Bürgermeister. Und bittet die Bürger: „Helfen Sie alle mit, unterstützen Sie dieses wichtige Infrastrukturprojekt.“

Die Neueröffnung der Kuppelzenhütte in Merklingen, der Besuch des russischen Kosmonauten Nikolai Budarin, die Wiedereröffnung des Jugendhauses Kloster oder die Fertigstellung des neuen Kindergartens und des Feuerwehrmagazins in Schafhausen, die Sanierung des Merklinger Rathauses, der Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft in der Benzstraße 3 und der langersehnte Spatenstich auf dem Linde-Areal, wo der Verein Atrio aus Leonberg einen Wohnkomplex für Menschen mit und ohne Behinderung baut – die Liste ist noch länger. Einen kräftigen Applaus gibt es für den Erfolg des Weiler Strandsommers. „Es gab ja im Vorfeld mehr Skepsis als Freude“, sagt Schreiber. „Aber es war wirklich toll, und es wird auch 2019 wieder einen Weiler Strandsommer geben.“

Und dann präsentiert Thilo Schreiber seinen ganz persönlichen Höhepunkt des vergangenen Jahres: Die Wahl des Ersten Beigeordneten Jürgen Katz. Ein „bärenstarker Bewerber, der Visionen“ habe. „Der richtige Mann zur richtigen Zeit.“ Mit diesen Worten holt Schreiber den neuen Mann an seiner Seite auf die Bühne.

40 Millionen Euro für die Schulen

Jürgen Katz blickt nach vorne. Einen großen Stellenwert hat bekanntermaßen die Sanierung des Schulzentrums in der Jahnstraße. „Das wird das größte organisatorische und planungsintensivste Vorhaben der nächsten Jahre“, sagt Katz.

Mindestens 40 Millionen Euro muss die Stadt in die Schulen stecken, was „mit Blick auf den Haushalt nicht leicht“ werde. Ein erster Förderantrag fürs Gymnasium ist gestellt, weitere sollen folgen. Mit Blick auf das Schulzentrum sagt Katz ganz klar: „Es ist immer wieder repariert worden, jetzt müssen wir sanieren. Anders haben wir keine Chance.“

Doch Katz blickt positiv in die Zukunft seiner Stadt. In Merklingen entsteht ein Hotel mit 35 Zimmern und hohem Standard. Wenn alles gut laufe, könne man das Bebauungsplanverfahren für Häugern noch 2019 abschließen. Die erste Ausschreibungsrunde für den neuen katholischen Kindergarten am Festplatz ist abgeschlossen, am Carlo-Schmidt-Platz entstehen neue Parkplätze. Das sei Teil der geplanten Marktplatzgestaltung. Wann da Bewegung in die Sache kommt, der Erste Beigeordnete kann und will nichts versprechen. „Aber wir machen das“, ist er überzeugt. Der Applaus ist auf seiner Seite.

Und zum Schluss hat er noch was aus der Kategorie „und täglich grüßt das Murmeltier“: Das mit der Krone Post sei wie das Bohren eines (nachwachsenden) Brettes, sagt Katz. „Aber wir sind dran und versuchen, einen besseren Zugriff auf das Projekt zu bekommen.“ Und auch beim seit Jahren angedachten Baumarkt in Merklingen sei man in intensiven Gesprächen. „Ich hoffe, dass wir 2019 vorankommen.“