Neulich in Peking Der bedrängte Mann

Peking bei Nacht: Nicht überall ist es so harmlos wie auf diesem Imbissbuden-Markt. Foto: dpa
Peking bei Nacht: Nicht überall ist es so harmlos wie auf diesem Imbissbuden-Markt. Foto: dpa

In Peking ist Prostitution eigentlich verboten. Trotzdem wird man als potenzieller Kunde ständig genötigt. Manchmal mit Gewalt.

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Peking - Prostitution ist in China verboten. Und zwar strengstens, wie die Polizei in der chinesischen Hauptstadt neulich noch einmal betont hat. Da wundert es ein wenig, dass eine ganze Reihe von Bars in meiner Nachbarschaft in Peking genau das anbieten: „Lady bar!“, „Lady massage, feels very good!“, rufen die Anreißer jedem Mann zu, der dort vorbeigeht.

Ich wohne durchaus in einer guten Gegend: dem Botschaftsviertel der chinesischen Hauptstadt. In meinem Wohnblock leben vor allem Diplomaten, Firmenvertreter und Journalisten. Direkt gegenüber liegen ein vornehmes Einkaufszentrum und zwei Luxushotels, nebenan die Wohnanlage der bewaffneten Volkspolizei. Doch gleich davor verläuft auch die „Bar Street“, eine Kette von engen, überteuerten und schmutzigen Spelunken.

Er fragte: Lady? Ich lehnte höflich ab

Neulich bin ich mit einem der Anreißer unangenehm aneinandergeraten. Ich stand an der Ecke vor meiner Wohnanlage. Der Kundenfänger der nächsten Bar kam extra über die Straße zu mir herüber. „Lady?“, fragte der Mann Mitte 40. Ich lehnte höflich ab. Doch wenige Sekunden später war er wieder da. „Erotic Massage? Feels very good!“, behauptete er. Wieder lehnte ich ab.

Beim dritten Mal kam er mir ganz nahe, und legte mir nahe: „Du willst bestimmt eine Lady!“ – Was sollte das sein, Zwangsprostitution anders herum? Ich forderte ihn auf, mich nicht länger zu belästigen. Ob ich ihm etwa dumm kommen würde, fragte er da mit einer definitiv bedrohlichen Note in der Stimme. Der Typ pfiff dann plötzlich auf den Fingern, und aus dem Schatten zwischen den Bars kamen zwei Schläger in Trainingsanzügen hervor.

Ich war unverletzt, aber erstaunt

Einer hatte tatsächlich eine Narbe im Gesicht. Er stieg gleich mit einem hohen Kampfsport-Kick auf Brusthöhe in die Diskussion ein. Ich fiel auf den Bürgersteig. Daraufhin verschwanden die Typen so schnell, wie sie gekommen waren.

Ich war unverletzt, aber erstaunt, fühlte ich mich doch in Peking bisher vor unprovozierten Angriffen sicher. Der Level an Aggression in der Stadt nimmt derzeit anscheinend zu. Vielleicht hat das mit den schwierigeren Wirtschaftsverhältnissen zu tun. Klar ist aber auf jeden Fall, dass das Gesetz in China weiterhin nur auf dem Papier steht, und die Realität oft völlig anders aussieht. Vor allem, wenn sich damit offenbar so viel Geld verdienen lässt wie mit den „Lady“-Dienstleistungen.




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