Neulinge an der Börse So gelingt der Einstieg am Aktienmarkt

Was verbirgt sich hinter ETFs, Sparplänen und Neobrokern? Foto: imago/Zoonar//ironjohn

Die Kurse an den Aktienmärkten können kräftig schwanken, langfristig locken aber attraktivere Renditen als bei Zinsanlagen. Dabei gibt es für angehende Aktionäre jedoch einiges zu beachten.

Die Kurse können kräftig schwanken, doch langfristig locken Aktien mit attraktiveren Renditen als Zinsanlagen. Trotzdem gibt es für Anleger an der Börse einiges zu beachten. Welche Anfängerfehler gilt es zu vermeiden? Was hat es mit ETFs, Sparplänen oder Neobrokern auf sich? Welche Steuern fallen an? Fragen und Antworten:

 

Was spricht dafür, Aktien zu kaufen?

Die Renditechancen sind wesentlich höher als bei festverzinslichen Anlagen wie Anleihen, Tages- oder Festgeld. Das gilt zumindest im historischen Vergleich. Studien zeigen, dass die Aktienmärkte langfristig im Schnitt mindestens acht bis neun Prozent Rendite pro Jahr schaffen, in guten Börsenjahren sind zweistellige Wertzuwächse drin. Zinspapiere werfen weniger ab, dafür sind die Verlustrisiken aber auch geringer.

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, warnt Aktienanleger: „Man muss bereit sein, zwischenzeitlich Verluste von 50 Prozent hinzunehmen“. Das Börsengewitter vor rund drei Wochen zeigte mal wieder, dass die Aktienmärkte nichts für schwache Nerven sind. Zudem sind die beeindruckenden historischen Renditen lediglich Durchschnittswerte und keine Garantie für künftige Erträge. Finanzkrisen oder längere Durststrecken können Investitionen auch für längere Zeit tief ins Minus drücken.

Welche Fallstricke und Risiken müssen Anleger kennen?

Ein Klassiker unter den Börsenweisheiten lautet: „Lege niemals alle Eier in einen Korb.“ Damit ist gemeint, dass eine dauerhaft solide Anlagestrategie auf ein ausgewogenes Portfolio mit einer breiten Auswahl an Aktien vieler Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Ländern setzen sollte. Steckt man sein ganzes Geld in eine einzelne Firma, so ist bei einer Pleite womöglich alles weg. Solche sogenannten Klumpenrisiken gilt es zu vermeiden.

Außerdem ist zwischen Spekulation und Investition zu unterscheiden. Wer beim Aktienkauf auf kurzfristige Kursanstiege und schnelle Gewinne schielt, betreibt eher Glücksspiel als seriöse Finanzanlage. Auf Dauer gehen solche Wetten selten auf, zudem können hohe Handelsgebühren entstehen. Auch hier gibt es eine Börsenregel: „Hin und her macht Taschen leer“. Fachleute raten stattdessen zur „Kaufen und halten“-Strategie. Sie empfehlen, langfristig und kontinuierlich anzulegen, ohne sich von Kursturbulenzen verunsichern zu lassen.

Machen Aktienfonds mehr Sinn als Einzelaktien?

Das kommt darauf an, wie groß die Risikofreude und die Bereitschaft ist, sich intensiv um seine Aktien zu kümmern. Geht es darum, in Ruhe nach und nach ein Vermögen fürs Alter aufzubauen, so sind Einzelaktien eher nicht ratsam. Wer viel Geld in ausgewählte Unternehmen steckt, sollte es gut im Auge behalten oder direkt durch sogenannte Stop-Loss-Orders absichern, um Verluste zu begrenzen. Dabei handelt es sich um Handelsaufträge, die dazu dienen, ein Wertpapier beim Erreichen bestimmter Preisschwellen automatisch zu verkaufen.

Bei Aktienfonds hingegen wird von vornherein in ein größeres Portfolio investiert, bei dem sich Verlustrisiken einzelner Titel ausgleichen sollen. Hier können aber hohe Gebühren für Fondsverwaltung und Ausgabeaufschläge anfallen, die die Renditen empfindlich schmälern. Zudem gelingt es aktiven Fondsmanagern auf Dauer kaum, mit ihrer Aktienauswahl eine überdurchschnittliche Wertentwicklung zu erzielen. Das belegen Analysen regelmäßig. Deshalb erfreuen sich passive Indexfonds, sogenannte ETFs, immer größerer Beliebtheit.

Was macht den Reiz von ETFs aus?

Bei herkömmlichen Aktienfonds wenden Investmentmanager ausgeklügelte Strategien an, um schnell auf Marktlagen reagieren zu können und besonders hohe Renditen zu erreichen. Im Gegensatz dazu folgen ETFs einfach der Wertentwicklung von marktbreiten Indizes wie dem Dax oder dem MSCI World. Die Indexfonds kosten mit jährlichen Verwaltungsgebühren von im Schnitt 0 bis 0,8 Prozent des Fondsvermögens deutlich weniger als aktiv gemanagte Fonds. Dabei sind die Fondsmanager den Aufpreis meist gar nicht wert: Laut einer Studie des Finanzkonzerns S&P liegen ihre Renditen in der Regel deutlich unter denen der Vergleichsindizes.

Um einfach und günstig in Aktien zu investieren, empfehlen Geldratgeber von Finanztip oder den Verbraucherzentralen breit aufgestellte ETFs etwa auf Weltaktienindizes wie den MSCI All Country World oder den FTSE All-World, mit denen man auf einen Schlag an der Wertentwicklung von 3000 bis 4000 Einzeltiteln teilnimmt. Dafür bieten sich Sparpläne an, mit denen in regelmäßigen Abständen geringe Beträge ab 25 Euro pro Monat in ETFs eingezahlt werden. Das hat auch den psychologischen Vorteil, dass sich Anleger keinen Stress wegen des vermeintlich perfekten Kaufzeitpunkts machen müssen. Bei fallenden Kursen erhält man mehr Anteile für sein Geld, bei steigenden weniger – letztlich gleicht es sich ohnehin aus.

Was wird zum Aktieneinstieg benötigt?

Anleger brauchen ein Wertpapierdepot, um Aktien- oder Fondsanteile zu kaufen. Das kann direkt bei der Hausbank eröffnet werden, doch in der Filiale vor Ort sind die Kosten meist höher. Günstiger geht es bei Direktbanken oder Onlinebrokern im Netz. Aber Achtung: Nicht nur auf die Depotführungsgebühren schauen, sondern auch die Kosten vergleichen, die beim Handel der Wertpapiere oder für mögliche Sparpläne anfallen. Das kann sich richtig lohnen – beim Wertpapierdepot lassen sich laut Stiftung Warentest oft ein paar Hundert Euro im Jahr sparen. Für Preisdruck sorgen sogenannte Neobroker, die den Markt seit einigen Jahren aufmischen.

Dabei handelt es sich um Onlineanbieter wie Scalable Capital oder Trade Republic, die mit niedrigen Gebühren und einfacher Bedienung werben. Sie richten sich vor allem an Kunden, die übers Handy handeln wollen, und sind besonders bei jüngeren Menschen beliebt. Allerdings sollten Anleger bei allen Angeboten das Spektrum an verfügbaren Handelsplätzen und Wertpapieren prüfen, hier kann es erhebliche Unterschiede geben. Ob ein Handel an den klassischen Finanzplätzen Xetra oder der Börse Frankfurt möglich ist, steht im Kleingedruckten, also den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).

Fallen auf Kursgewinne und Dividenden Steuern an?

Ja. Kursgewinne und Dividenden, die Unternehmen als Gewinnbeteiligung an Aktionäre ausschütten, sind grundsätzlich steuerpflichtig. Und zwar mit einer pauschalen Abgeltungsteuer, die von Depotbanken oder Brokern einbehalten und ans Finanzamt abgeführt wird. Es gelten aber Freibeträge: Für Alleinstehende sind Stand 2024 bis zu 1000 Euro Gewinn mit Aktien steuerfrei, für Ehepaare 2000 Euro. Anleger müssen einen Freistellungsauftrag beantragen, damit der Freibetrag für den Aktienverkauf gilt.

Was bedeutet das Kürzel WKN bei Aktien?

WKN ist die Abkürzung für Wertpapierkennnummer. Sie besteht aus einem sechsstelligen Code und ist wichtig, um eine Aktie oder einen ETF an der Börse eindeutig zu identifizieren. Denn hier kann es leicht Verwechslungen geben. So werden bei der Suche nach dem Wertpapiernamen mitunter gleich mehrere Ergebnisse angezeigt. Der internationale Standard ist die ISIN (Internationale Kennnummer), die WKN wird in Deutschland aber nach wie vor parallel verwendet.

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