Neun Jahre nach dem EnBW-Deal Zockerei mit gutem Ausgang

Der EnBW-Deal hat ihm viel Ärger eingebracht: Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus Foto: dpa

Die EnBW-Aktien sind wieder fast so viel wert, wie Stefan Mappus einst dafür bezahlte. Ist der Ex-Premier damit rehabilitiert? Er kann sich bei Management und Großaktionären bedanken, kommentiert StZ-Autor Andreas Müller.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Der Kurs der EnBW-Aktie gilt eigentlich als nicht besonders aussagekräftig. Nur ein kleiner Bruchteil der Papiere wird frei an der Börse gehandelt, die allermeisten sind fest in der Hand zweier Großaktionäre – des Landes Baden-Württemberg und eines Verbands oberschwäbischer Landkreise. Schon deshalb war der Anstieg, den die Anteilsscheine zuletzt verzeichneten, mit Vorsicht zu genießen. In der Spitze immerhin kamen sie nahe an jene 40 Euro heran, die Stefan Mappus einst zuzüglich Dividende für den Rückkauf von knapp der Hälfte des Karlsruher Energiekonzerns von den Franzosen bezahlt hatte.

 

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Nach Rekordtief stark zugelegt

Nun wird die positive Kursentwicklung von Experten eindrucksvoll untermauert. Bei der jährlichen Bewertung des Pakets für die Firma Neckarpri, welche die Aktien des Landes hält, kamen Wirtschaftsprüfer zu einem ganz ähnlichen Ergebnis: Auf gut fünf Milliarden Euro taxierten sie den Wert der Unternehmensanteile – nur noch knapp 230 Millionen Euro unter dem Einstandspreis des Ex-Ministerpräsidenten. Wenn man bedenkt, dass die EnBW-Papiere erst vor drei Jahren auf nur noch gut die Hälfte veranschlagt wurden – ein Buchverlust von zweieinhalb Milliarden Euro –, ist das eine beeindruckende Entwicklung. Und einiges spricht dafür, dass der Energiekonzern seinen erfolgreichen Weg fortsetzt.

Riskanter Milliardendeal auf Pump

Ist Mappus also bald rehabilitiert? Hat er eine bisher unterschätzte Weitsicht bewiesen, als er die Aktien 2011 aus Paris zurückkaufte? Fehlte es seinen Kritikern nur an der nötigen Geduld? In mancherlei Hinsicht profitiert das Land heute in der Tat davon, dass ihm der Energiekonzern wieder selbst gehört. Doch das ist am wenigsten das Verdienst des Ex-Premiers. Sein Deal am Landtag vorbei bleibt ein Verfassungsbruch, das Milliardengeschäft auf Pump pure Zockerei – und das mit Steuergeldern. Dass das Vabanquespiel am Ende gut ausgehen könnte, ist vor allem zwei Akteuren zu verdanken: dem Management unter Frank Mastiaux, das den Konzern konsequent und mit langem Atem umbaute, und den beiden Großaktionären, die ihm Zeit und Geld dafür gewährten. Ihnen – und damit den Steuerzahlern – kann auch Mappus dafür dankbar sein, dass sein „Coup“ nicht zu einem Rohrkrepierer wurde.

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