Neuöffnung in Gärtringen Gläserner Schlachthof wird Pflicht

Hier soll bald ein Vorzeige-Schlachthof entstehen. Foto: Stefanie Schlecht

Die lokale Politik muss sicherstellen und der Öffentlichkeit beweisen, dass das Tierwohl in Zukunft über allem steht.

Mit dem Zehn-Millionen-Paket für den Neustart des Schlachthofs macht der Kreistag einen großen und großzügigen Schritt in eine neue Ära: Weg von der Barbarei brutaler Tiertötungen hin zu einer Schlachtung, die zumindest hohe Standards eines tiergerechten Umgangs in der Tötungszentrale im Gärtringer Industriegebiet garantieren soll. Nicht weniger als ein „Vorzeigeschlachthof in Sachen Tierwohl und Fleischerzeugung“, soll dort laut Landratsamt entstehen.

 

Hehre Worte, denen Taten folgen müssen – nachvollziehbar und transparent für alle. Denn mit diesem Beschluss begeben sich die Bürgervertreter und die Landkreisverwaltung einer großen Verantwortung hin, der sie sich in Zukunft täglich stellen müssen. Drei Millionen Euro Zuschuss und drei Millionen Euro Darlehen, die die Kreisbürger den Betreibern spendieren, sind schließlich kein Pappenstiel.

Bevor nun das Schulterklopfen über die neuen Zeiten beginnt, müssen die politisch Verantwortlichen der Öffentlichkeit erklären, wie der Vorzeigebetrieb umgesetzt wird. Das beginnt bei der Verantwortlichkeit vor Ort und der Frage, wie und wie oft die Videoaufzeichnungen ausgewertet werden, und endet bei der Absicherung, dass mit dem neuen Schlachtpersonal nicht erneut Sadismus und Brutalität die letzten Stunden der Schlachttiere beherrschen.

Das alles kann nur mit einem gläsernen Schlachthof gelingen, der sich auch den Verbrauchern öffnet und deren Vertrauen vom ersten Tag an sucht. Nur so wird die Kundschaft auch bereit sein, einen höheren Preis für Fleischwaren zu bezahlen, an denen nicht das Leid langer Transportwege und gnadenloser Massenschlachtung klebt. Denn eines ist leider auch klar: Ein Vorzeigebetrieb in Gärtringen alleine wird die üblen Billigfleisch-Methoden und deren Angebote im Laden nicht zur Vergangenheit machen.

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