ExklusivNeuordnung des Zugverkehrs gefährdet Flüchtlinge sollen Lokführer werden

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Das Land steigt in die Ausbildung für Lokführer ein, um den Engpass im Regionalverkehr zu mindern.

Winfried Hermann wird nicht gerne zum Ausbilder für Lokführer. Foto: dpa
Winfried Hermann wird nicht gerne zum Ausbilder für Lokführer. Foto: dpa

Stuttgart - Das baden-württembergische Verkehrsministerium versucht mit einem Modellprojekt die Personalengpässe im Schienenverkehr zu bekämpfen. Zusammen mit der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Agentur für Arbeit initiiert sie eine spezielle Ausbildung von Flüchtlingen zu Lokomotivführern, die vor allem im Regionalverkehr eingesetzt werden sollen.

„Wir sind zwar formal nicht für die Ausbildung zuständig, wir handeln aber aus Verantwortung für einen gut funktionierenden Nahverkehr“, begründet dies Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Zugleich würden Asylbewerber und Flüchtlinge integriert. „Wir tun auch etwas Gutes für die Menschen und die Gesellschaft“, meint Hermann.

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Alle wollen mehr Lokführer

Damit reagiert der Verkehrsminister auf die anhaltenden Probleme im Regionalverkehr. Weil keine Lok- und Triebfahrzeugführer zur Verfügung stehen, fallen immer wieder Regionalzüge aus. Da im Südwesten quasi Vollbeschäftigung herrscht, haben die Verkehrsunternehmen große Schwierigkeiten, neues Personal zu finden.

Das betrifft sowohl die Bahntöchter DB Regio und S-Bahn Stuttgart als auch die neuen Anbieter Abellio und Go Ahead, die von Mitte des Jahres an Strecken von der DB Regio übernehmen. Sie hatten sich in der Ausschreibung des Landes gegen die DB Regio durchgesetzt, die wegen eines Formfehlers ausgeschlossen worden war. Allerdings setzen die beiden neuen Unternehmen auch auf ehemalige DB-Regio-Lokführer und wollen auf bestimmten Strecken sogar weiter die DB Regio per Werkvertrag als Dienstleister einsetzen.

Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass auch die Schweizer Bundesbahnen im Südwesten nach Personal Ausschau halten und in den nächsten Jahren rund 1000 Lokführer in Baden-Württemberg in den Ruhestand gehen. „Natürlich ist es Aufgabe jedes Verkehrsunternehmens selbst auszubilden“, sagt Hermann, „aber das Gesamtsystem liegt auch in der Verantwortung des Landes“. Schließlich würden sich die Reisenden auch bei ihm im Ministerium beschweren, wenn Züge ausfallen.

2100 Euro in der Ausbildungszeit

In dem Modellprojekt sollen an den Standorten Stuttgart, Mannheim/Karlsruhe und Hechingen/Zollernalb je 15 Flüchtlinge zum Lokführer ausgebildet werden. Das besondere ist, dass sie schon während der Qualifizierung angestellt sind und ein Gehalt in Höhe von 2100 Euro bekommen und sie durch vom Land finanzierte Coaches begleitet werden.

Christian Rauch, Chef der Agentur für Arbeit in Baden-Württemberg, rechnet damit, dass die Ausbildung in rund 15 Monaten abgeschlossen werden kann. Voraussetzung sei, dass die Flüchtlinge neben einem dauerhaften Aufenthaltstitel gute Deutschkenntnisse mitbrächten. Normalerweise dauert die Lehre drei Jahre, für Quereinsteiger mit anderer Berufsausbildung rund zehn Monate. „Das ist ein starkes Zeichen für Nahverkehr und Integration“, sagt Hermann.