Neur Trend: Die Sirtfood-Diät Schlank von Wein und Schokolade?

Von Jörg Zittlau 

Die Schlagzeilen und Buchtitel klingen geradezu euphorisch: Die Sirtfood-Diät verspricht Abspecken ohne Verzicht – doch es gibt Zweifel, ob das wirklich so ist.

Es lohnt sich ein genauer  Blick auf  die Sirtfood-Diät – und das nicht nur, weil auch Schokolade und Rotwein dazu zählen Foto: www.deutscheweine.de
Es lohnt sich ein genauer Blick auf die Sirtfood-Diät – und das nicht nur, weil auch Schokolade und Rotwein dazu zählen Foto: www.deutscheweine.de

Berlin - „Jung und schlank mit Genuss“, „So essen Sie sich jünger“, „Die leckerste Diät der Welt!“. Wie bei anderen Diäten, so klingen auch die Schlagzeilen und Buchtitel zur Sirtfood geradezu euphorisch. Da ist vom Abspecken ohne Darben die Rede, vom Anti-Aging für die Körperzellen und von „Skinny-Genen“, die durch die neue Diät angeschaltet werden. Ernährungsexperten werden bei solchen Formulierungen skeptisch. Doch es lohnt sich ein genauer Blick auf Sirtfood – und das nicht nur, weil auch Schokolade und Rotwein dazu zählen.

Sirtuine sind Enzyme, die den Stoffwechsel steuern

Erfunden wurde die neue Diät durch die US-Ernährungsmediziner Aidan Goggins und Glen Matten. Den Begriff „Sirtfood“ haben sie von den Sirtuinen, die seit einigen Jahren zu den beliebtesten Forschungsobjekten der Medizin gehören. Denn als Enzyme steuern sie viele Stoffwechsel- und Alterungsprozesse. Insgesamt gibt es sieben von ihnen, die sich einerseits in ihren Wirkungen unterscheiden, andererseits aber auch gegenseitig beeinflussen.

So reduziert Sirt 1 den Aufbau von weißem Fettgewebe, doch es selbst wird wiederum von einem weiteren Sirtuin, nämlich Sirt 7 beeinflusst. So können Mäuse bis zu einem magersuchtähnlichen Zustand abspecken, wenn man bei ihnen Sirt 7 ausschaltet und dadurch Sirt 1 hochfährt. Für die Sirtuine 3 und 6 weiß man mittlerweile, dass sie am Stoffwechsel im Gehirn beteiligt sind. Die Sirtuine 1 und 2 gelten hingegen als Mobilmacher des Zuckerstoffwechsels, und sie verbessern die Insulinsensitivität der Fett-, Muskel- und Leberzellen. Dieser Sirtuinpegel lasse sich durch einen speziellen Speiseplan regeln, sagen die Ernährungsmediziner Goggins und Matten.

Erst gibt es nur Gemüsesäfte und Gemüse-Mahlzeiten – dann darf mehr gegessen werden

Die Sirtfood-Diät basiert vor allem auf Nahrungsmitteln mit einem hohen Anteil an Polyphenolen, die auch als Gerbstoffe bezeichnet werden. Zu Sirtfood gehört aber auch das klassische Diät-Prinzip „Weniger ist mehr“. So umfassen die ersten Tage der Diät Gemüsesäfte und Sirt-Mahlzeiten, die ebenfalls aus phenolhaltigen Nahrungsmitteln bestehen wie Walnuss, Olivenöl, Knoblauch, Rucola, Petersilie, Kapern und auch ein wenig Rotwein. Letztendlich ist also eine langfristige Nahrungsumstellung anvisiert – was auch große Fachgesellschaften empfehlen, wie etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Wichtig sind die typischen Bestandteile der Mittelmeerdiät, die von Ernährungsmedizinern als besonders gesund eingeschätzt wird. Andere Bestandteile der Sirt-Diät kennt man von asiatischen Tafeln, wie etwa Kurkuma, Tofu, rote Zwiebeln und Grüner Tee. Letzterer zeigte im Labor einen besonders engen Bezug zu den Sirtuinen. Genauso wie Kaffee und Schokolade, die Sirtfood sozusagen noch eine schmackhafte Krone aufsetzen. Solche Empfehlungen machen eine Diät natürlich ungleich attraktiver, als wenn man für sie darben und Kalorien zählen muss.

Forscher halten die Sirtfood-Diät für eine „vielversprechende Strategie“

Klinische Belege für die Sirt-Diät gibt es allerdings noch nicht. Weder für ihre Wirkungen aufs Körpergewicht noch für ihre Effekte auf Hirn, Zuckerstoffwechsel und Lebenserwartung. Aber ein Forscherteam der Christian-Albrecht-Universität in Kiel kommt in einer Studie immerhin zu dem Schluss, dass die Kombination aus Mittelmeer- und Asia-Kost in der Tat „eine vielversprechende Strategie“ sei, „um vor chronischen Erkrankungen zu schützen und zu einem gesunden Altern beizutragen“. Die norddeutschen Ernährungswissenschaftler sehen dabei auch den sirtuinanregenden Effekt, aber er sei eben auch nur einer von vielen Effekten, die von dieser überwiegend vegetarischen Speisenkombination ausgingen. Sie wollen daher statt Sirtfood lieber von einer „MediterrAsian-Diät“ sprechen. Bleibt abzuwarten, ob dieser Name sich in der für ihre schillernden Titel bekannten Diäten-Szene durchsetzen wird.