Neustadt an der Donau Aus für Mahle-Werk: 98 Prozent für unbefristeten Streik

Mahle-Mitarbeiter haben bereits am Warnstreiktag vor dem Werk in Neustadt protestiert. Foto: Andreas Schmal/IG Metall/dpa

Bei Mahle verschärft sich der Konflikt um das Werk im bayerischen Neustadt. Bei einer Urabstimmung spricht sich eine enorme Mehrheit für einen Erzwingungsstreik aus, der bald beginnt.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Der Mahle-Standort im bayerischen Neustadt an der Donau ist einer von 49 Werken des Konzerns in Europa. Etwa 360 Beschäftigte fertigen dort Klimageräte. Doch weil sie bis zum ersten Halbjahr 2027 den Job verlieren sollen, hat der Standort für den Betriebsrat und die IG Metall eine hohe symbolische Bedeutung. „Greift man einen Standort an, greift man alle an“, sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Mahle, Boris Schwürz. „Wir sehen große Gefahren, dass es mit Neustadt nicht aufhört, sondern dass es weitergeht.“ Daher wird jetzt eskaliert.

 

Bei einer Urabstimmung bis Donnerstagabend votierte eine überwältigende Mehrheit von 98,4 Prozent der stimmberechtigten IG Metall-Mitglieder für einen sogenannten unbefristeten Erzwingungsstreik, der nun am kommenden Dienstag beginnen soll.

Arbeitnehmerseite wurde von Schließungsplänen überrascht

Am 12. Mai hatte das Unternehmen die schrittweise Schließung von Ende dieses Jahres an verkündet. Noch bis zum 31. Dezember sind die Beschäftigten über den Zukunftstarifvertrag vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Für die Arbeitnehmerseite kam der Schließungsbeschluss „sehr überraschend“, wie Schwürz sagt. In Verhandlungen über einen neuen Zukunftstarifvertrag „wollten wir genau über die neuen Aufträge reden, die man nach Neustadt bringen könnte“. Aber „wir wollten mit Sicherheit nicht hören, dass man den Standort schließt“. So etwas koste auch Geld – „das hätten wir lieber in Zukunft investiert“.

„Ich habe noch nicht aufgegeben“, sagt Schwürz. „Ich sehe Möglichkeiten, über das Weiterbestehen des Standorts ins Gespräch zu kommen.“ Bisher sei er profitabel; und es gebe Vorschläge, wie sich Aufträge in das Werk bringen lassen – die Belegschaft sei bereit, ihren Beitrag zu leisten, um mit einem positiven Betriebsergebnis zu fertigen.

Die Gegenseite dämpft jede Hoffnung: „Um Optionen für den Weiterbetrieb des Standorts zu prüfen, haben wir detaillierte interne Bewertungen vorgenommen“, sagt eine Sprecherin. Nachdem es trotz aller Anstrengungen nicht gelungen sei, neue Aufträge für bald auslaufende Kundenprojekte zu gewinnen, stehe das Werk vor einer erheblichen Unterauslastung. „Damit ist die Schließung nach eingehender Prüfung aller Optionen leider unumgänglich – wir können die Marktrealitäten und deren Auswirkungen auf den Standort nicht negieren.“

Mit Sonderschichten für einen Puffer gesorgt?

Vorige Woche Dienstag hatte es bereits einen Warnstreiktag gegeben. Der unbefristete Streik soll nun einen Sozialtarifvertrag bewirken. „Aber das ist nicht mein Ziel“, betont der Gesamtbetriebsratsvorsitzende, der die Interessen von 9200 Beschäftigten an 22 Standorten in Deutschland vertritt.

In dem Werk werden Klimaanlagen für Autos von BMW, Porsche, Volvo und Jaguar-Landrover gefertigt. Schwürz erwartet durchaus Lieferprobleme in Folge des Streiks. Aus internen Quellen weiß der Betriebsrat aber von Vorsorgemaßnahmen des Managements durch mehrere Sonderschichten. Der Arbeitgeber verneine dies zwar, doch sei offenbar versucht worden, „einen gewissen Puffer aufzubauen, um dem entgegenzuwirken, dass beim Kunden Bänder still stehen“.

Management lehnt Streik als „kontraproduktiv“ ab

Das Unternehmen will kurzfristig Gespräche über einen Sozialplan aufnehmen. „Wir wollen die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern im konstruktiven und dialogorientierten Rahmen führen, um tragfähige und sozialverträgliche Lösungen für die Beschäftigten zu erarbeiten“, so die Sprecherin. „Ein unbefristeter Streik wäre kontraproduktiv.“ Am Donnerstag hatten sich Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Landrat und Bürgermeister im Werk angesagt, um mit Management und Betriebsrat mögliche Auswege zu erörtern. Es könnte dafür schon zu spät sein.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Mahle Streik Automobile IG Metall