Neustart Gastronomie Der doch etwas andere Wirtshausbesuch

Von Harald Beck 

Empfang mit Dokumentationszettel, Abstand und Service mit Maske – es fühlt sich etwas anders an, das Kneipenleben mit Corona. Und auch bei den Einschätzungen der Wirte zum Neustart wird klar: Nicht nur für die Gäste bleibt das eine Durststrecke.

Ungewohnter Kneipengang: Am Biergarteneingang gibt es eine Einführung in die neue gastronomische Regelkunde. Foto: Frank Eppler
Ungewohnter Kneipengang: Am Biergarteneingang gibt es eine Einführung in die neue gastronomische Regelkunde. Foto: Frank Eppler

Gastro - Biergarten wieder offen, klar ist da zum Feierabend nach Homeoffice ein erster Testbesuch in der anders-neuen Absack-Welt angesagt. Im bei strahlender Sonne natürlich sofort an den Start gegangenen Biergarten auf der Waiblinger Schwaneninsel zum Beispiel, wo sich die veränderte Gastro-Realität schon von ferne deutlich zeigt. Vis-à-vis des Brückles von Erlen- gen Schwaneninsel steht unübersehbar der neue Eingang ins leicht bajuwarisch angehauchte Bierparadies. Stehtisch, Sonnenschirm und persönlicher Empfang jedes einzelnen Gastes – nunmehr der einzige Biergartenzugang. Es folgt die freundliche Belehrung durchs regelkonform maskierte Personal über die neuen Biergarten-Prozeduren. Karte ausfüllen mit Name, Telefon- und Tischnummer. „Dien geben Sie dann bitte, wenn Sie den Biergarten verlassen, hier wieder ab. Und bei Bestellung und Abholen am Kiosk bitte die Maske nicht vergessen.“

Beim Start bleibt es noch recht ruhig

Es ist noch vergleichsweise ruhig am Montag im deutlich dezenter bestuhlten Biergarten. Sechs, sieben wohlmaskierte Besteller in der Schlange – alles easy. Das allerdings sollte sich in Richtung Vatertag etwas ändern.

Ganz wie sonst sei es allerdings nicht gewesen, sagt Michael Sprenger, einer der Geschäftsführer beim Schwanen-Betreiber Fidel Gastro, am Freitag. Keine Livemusik wie gewohnt und weniger Platzangebot für die Gäste. „Die Leute sind froh, dass wir da sind.“ Überwiegend würden auch Zumutungen wie Dokumentation, Abstand und Masken klaglos akzeptiert. „Klar, einzelne gibt es, die sagen, das ist wie im Krankenhaus.“

Mit dem bisherigen Ablauf der räumlichen Teilsaison sei man „einigermaßen zufrieden“, aber natürlich stelle eine Konstellation, in der weniger Plätze und weniger Umsatz mit höherem Personalaufwand für Dokumentation und Hygiene einhergehen, jedes Gastro-Unternehmen vor größere Herausforderungen. Aber eins sei auch klar: „Betriebe mit weniger Fläche haben es noch viel schwerer.“

Die Platzreduzierung wird wirtschaftlich problematisch

Etwas remsaufwärts, in Endersbach, ruft beim seit Dienstag wieder bewirtenden Stammitaliener Di Meglio Wirt Halim Ibishi – das wie immer untadelige weiße Hemd ergänzt durch eine ebenso blütenweiß strahlende Mund-Nasen-Maske – lautstark: „Schön, dass ihr wieder da seid“. Die Umstände des Neustarts lassen allerdings auch ihn etwas unsicher bleiben. „Ich bin ganz zufrieden“, sagt er über die ersten Tage unter den neuen Bedingungen. Die Gäste hätten sich erst an die Neuerungen gewöhnen müssen, aber ab dem zweiten Tag war abends komplett reserviert – zumindest im Außenbereich. Innen sieht es problematischer aus – auch perspektivisch. Jetzt sei gutes Wetter, aber wenn es mal regne, dann werde sich vor allem in der wirtschaftlichen Bilanz die Tatsache massiv bemerkbar machen, dass innen von gut 50 gerade mal 20 Plätze übrig blieben. Dies bei gleichbleibendem Personalaufwand. Bisher, sagt Ibishi, sei alles eigentlich nur machbar gewesen, weil mit dem ebenfalls gastronomisch aktiven Verpächter machbare Regelungen gefunden wurden. Bis Mitte der kommenden Woche auch der Muz’sche Biergarten öffnet, stehen noch Teilflächen dort mit zur Verfügung. Danach, ahnt der Wirt, wird es in mehrfacher Hinsicht eng.

„Das ist für alle eine komplett neue Situation“, sagt in Fellbach Martin Oettinger am ersten Öffnungstag seines Restaurants. Er hat das Personal aufgeteilt – eine Service-Kraft bringt die Bestellung, die andere räumt ab und desinfiziert. So komme der Kellner nur mit fertigen Speisen, nie mit benutztem Geschirr oder Gläsern in Berührung, erklärt Oettinger den Aufwand. Alle Mitarbeiter tragen Masken. Die Getränke werden auf Tabletts am Tisch gestellt, die Gäste bedienen sich selbst. Dieser Aufwand lohne sich, davon ist Oettinger überzeugt. Ob er sich am Ende auch finanziell rechnet, das wird im Hause Oettinger in etwa drei Wochen beziffert. Man wisse von Kollegen, die bei jedem Gedeck einen Hygieneaufschlag von 4,50 Euro berechnen. Andere sagten, dass es sie weniger koste, noch geschlossen zu haben.