Neustart in Besigheim Leben umgekrempelt – Flugbegleiterin wird erfolgreiche Künstlerin
Erst im zweiten Anlauf hat Gigitha Kalliyath aus Besigheim (Kreis Ludwigsburg) ihre wahre Berufung gefunden. Ihr früherer Job wirkt aber sich noch immer aus.
Erst im zweiten Anlauf hat Gigitha Kalliyath aus Besigheim (Kreis Ludwigsburg) ihre wahre Berufung gefunden. Ihr früherer Job wirkt aber sich noch immer aus.
Sonnenaufgänge auf unterschiedlichen Kontinenten, Polarlichter, spektakuläre Gebirgsformationen und die Skyline von Metropolen: Während ihrer Zeit als Flugbegleiterin haben sich Gigitha Kalliyath immer wieder beeindruckende Ansichten geboten. „Ich habe verschiedenste Länder, Menschen und Kultur kennengelernt“, sagt die 38-Jährige aus Besigheim. Doch so gerne sie den Job in der Luft gemacht hat: Er war nicht ihre wahre Berufung.
Aufgewachsen ist Gigitha Kalliyath im Süden Indiens, in der Nähe von Seen, Bergen und Meer. Diese Landschaften haben sich in ihr eingebrannt und lassen sie bis heute nicht los.
Als sie im Jahr 2010 begann, als Flugbegleiterin zu arbeiten, konnte sie ihren Horizont erweitern. Zwar sei der Job einerseits anstrengend gewesen, andererseits aber sehr bereichernd. Sie bekam eine Menge von der Welt zu sehen. Vor allem die Landschaften hatten es ihr angetan: die Anden, der Himalaya, Wälder, idyllische Täler und Inselgruppen. Ihre Eindrücke hat sie in ein Skizzenbuch gezeichnet. „Ich wollte das, was ich gesehen habe, festhalten“, sagt sie.
Schon immer war sie ein kreativer Mensch, erklärt die 38-Jährige. Bereits als Kind hat sie viel gemalt, in ihrer Jugend Kurse belegt, um neue Techniken zu lernen. Gerne hätte sie in ihrem Heimatland ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. „Aber meine Familie hatte die Sorge, dass ich in Indien mit der Kunst kein Geld verdienen kann“, erklärt sie. Deshalb entschied sie sich gegen die Kunsthochschule, schlug einen anderen Weg ein und arbeitete schließlich bei einer Fluglinie.
Nachdem sie ihren heutigen Mann kennengelernt hatte, zog das Paar im Jahr 2014 in die Region Stuttgart, wo ihr Partner eine Anstellung bei einem großen Automobilhersteller bekommen hatte. Das neue kulturelle Umfeld machte Gigitha Kalliyath nicht zu schaffen. Aber die Zeit nach der Auswanderung war für sie dennoch schwierig. Sie beherrschte die deutsche Sprache nicht und fand deshalb nur schwer Anschluss. Zudem war sie nun ohne einen eigenen Job und verbrachte daher viel Zeit in der Wohnung.
In dieser Phase wurde die Malerei für sie eine wichtige Stütze. Sie verbrachte viele Stunden an der Staffelei und belegte Onlinekurse zum Thema Kunst. „Ich wollte meinen eigenen Stil finden“, sagt die 38-Jährige. Doch zunächst traute sie sich mit ihren Werken nicht vor ein Publikum.
Erst nach ihrer Schwangerschaft im Jahr 2018 und dem Umzug nach Besigheim im Jahr 2021 fasste sie den Entschluss, ihre Bilder öffentlich zu zeigen. Eine Freundin ermutigte sie dazu, im Besigheimer Rathaus nach einer Fläche für eine kleine Ausstellung zu bitten. Mit Erfolg. Ihre Arbeiten überzeugten. Weitere Ausstellungen folgten und es gelang der Künstlerin, ihre ersten Bilder zu verkaufen. Bald stellte sich heraus: Anders als in Indien kann sie in der Region Stuttgart sehr wohl Geld mit Kunstwerken verdienen und sich einen Namen machen.
Ihren einzigartigen, unverkennbaren Stil hat Gigitha Kalliyath mittlerweile gefunden. Ihre farbkräftigen, zumeist großformatigen Öl- und Acrylbilder auf Leinwand zeigen beeindruckende Natur- und Stadtansichten. „Ich setze auf Wow-Effekte“, sagt sie. Wichtig ist es ihr außerdem, mit ihren Arbeiten eine positive Energie auszustrahlen.
Vor allem ihre Serie zu Berggipfeln und ihre Reihe an New-York-Bilder kommen bei ihren Kunden sehr gut an. Zwar ähneln sich einige ihre Motive. „Aber jedes Bild ist etwas anders“, erklärt sie. Ein Unikat und keine bloße Kopie. Das hängt auch damit zusammen, dass sie in jedes Werk ihre eigene Interpretation legt, neue Ideen einbringt und sich Freiheiten lässt, ohne das Motiv zu stark zu verfremden. „Es soll erkennbar bleiben“, betont sie.
Dass ihre Werke die Betrachter zum Teil sehr stark berühren, begeistert die Künstlerin immer wieder aufs Neue. So denkt sie zum Beispiel gerne daran zurück, dass ein älterer Herr, der früher gerne gewandert, nun aber auf einen Rollator angewiesen ist, eine ihrer Berglandschaften erworben hat. Er erklärte ihr, dass ihm das Bild dabei hilft, besser mit seiner Sehnsucht nach den Bergen umzugehen. „Solche Rückmeldungen bleiben immer bei mir“, sagt die 38-Jährige strahlend. Sie habe schon häufiger gehört, dass ihre Werke schöne Erinnerungen hervorrufen. Das bedeute ihr viel.
Zwei bis drei Wochen benötigt die 38-Jährige mindestens für ein Werk, manchmal deutlich länger. „Wenn ich male, richte ich mich nach meiner eigenen Stimmung“, sagt sie. In einer aufgewühlten Laune widmet sich lieber der Darstellung von Metropolen, in ruhigen Momenten Landschaftsszenen. Aber es gibt auch Tage, an denen sie nicht die Zeit oder die Muse fürs Malen findet.