Neustart nach Abfindung Hörsaal statt Hiobsbotschaften: Von Bosch nochmal an die Uni

Marius Manz arbeitet noch bis August am Bosch-Standort in Schwieberdingen. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Der 25-jährige Marius Manz verlässt Bosch mit einer Abfindung und beginnt ein neues Studium – auch wegen der schlechten Nachrichten im Konzern.

Digital Desk: Chiara Sterk (chi)

Marius Manz arbeitet noch bis August bei Bosch in Schwieberdingen. Dann verlässt der 25-Jährige mit einer Abfindung seinen Arbeitgeber, bei dem er zuletzt als Testingenieur gearbeitet hat – und will noch einmal studieren. Damit dürfte er einer der Jüngsten sein, von denen bekannt ist, dass er mit einem Aufhebungsvertrag das Unternehmen verlässt.

 

Bosch hatte im vergangenen Jahr angekündigt, konzernweit mehrere Tausend Arbeitsplätze abzubauen. Am Standort Schwieberdingen, westlich von Ludwigsburg, ist von einem Abbau von 700 Stellen die Rede. Neben dem Stellenabbau soll dort auch durch kürzere Arbeitszeiten und damit entsprechend weniger Gehalt eingespart werden. Der Stellenabbau erfolgt zum Teil über Abfindungsangebote. Wie auch bei Mercedes-Benz variiert die Höhe der Abfindungen und richtet sich nach dem Alter der Mitarbeiter, der Betriebszugehörigkeit und der Position – meist wurden aber auch hier sechsstellige Beträge ausgezahlt.

Dass Manz nochmal studieren möchte und sich berufsbegleitend weiterbilden möchte, habe er schon immer im Hinterkopf behalten. Lange Zeit gab es bei Bosch interne Förderprogramme zum Master, die jedoch eine Wiedereinstellungsgarantie beinhalteten. Als er sich Ende vergangenen Jahres dafür entschieden hat, waren diese wegen der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens „nicht mehr erwünscht“, wie er sagt. Weil er seinen Master-Abschluss aber trotzdem machen möchte und auch, weil er „nicht mit allem ganz zufrieden“ sei im Unternehmen, hat er im April seine Abfindung unterschrieben.

„Zu gehen schafft Gelassenheit – trotz der schlechten Nachrichten“

Einen seiner Kollegen hat er bereits verabschieden müssen, weil er wegen Urlaub und Elternzeit längere Zeit weg ist. „Das war schon bisschen komisch“, sagt Manz. „Aber ich freue mich auf alles, das jetzt auf mich zukommt.“ Gerade angesichts der „einprasselnden Hiobsbotschaften“ im Konzern gebe ihm das eine gewisse Lockerheit, „man weiß, dass man das nicht mehr lange mitmachen muss“.

Mitte Oktober wird Manz sein Master-Studium an der Universität in Ulm beginnen. Quanten-Engineering heißt sein Studiengang, der komplett auf Englisch stattfindet und der ein Mix aus Elektrotechnik und Physik ist. Die Abfindung will er fürs Studium nutzen, „gerade auch für den Umzug und, dass ich mich erst einmal auf die Kurse konzentrieren kann“. Was er danach machen will, weiß er noch nicht – schließt aber auch nicht aus, eine akademische Karriere an der Uni anzustreben.

Das Werk in der 11 000-Einwohner-Gemeinde im Kreis Ludwigsburg ist ein großes Forschungs- und Entwicklungszentrum. Dort werden vor allem Komponenten und Systeme für die Elektromobilität entwickelt, darunter die Achse für batterieelektrische Fahrzeuge. Auch Marius Manz hat in der Entwicklung gearbeitet – als Ingenieur im Testing der Wechselrichter für E-Autos, eine Komponente zwischen E-Maschine und Batterie, die Gleichspannung aus der Batterie in Wechselspannung umwandelt, die für den Elektromotor benötigt wird. In einem früheren Schritt wird bestimmt, wie das Bauteil konstruiert sein muss, welche elektrischen und mechanischen Anforderungen es erfüllen soll und welche Materialien und Technologien zum Einsatz kommen, erklärt er. „Wir prüfen dann später, ob zum Beispiel die Wechselrichter so arbeiten, wie sie sollen – bevor sie in die Serienproduktion gehen.“

Das Bosch-Werk befindet sich im Schwieberdinger Industriegebiet. Foto: Werner Kuhnle

Vor sieben Jahren hat Manz in Schwieberdingen angefangen. Nach seinem Abitur hat er sich entschieden, bei Bosch eine Kombination aus Ausbildung und Studium zu beginnen. Seine Fachrichtung: Elektrotechnik mit Schwerpunkt Antriebstechnik. Fünf Jahre ging die kombinierte Ausbildung, für die er regelmäßig nach Göppingen an den Campus der Hochschule Esslingen pendelte – dann hielt er seinen Bachelor-Abschluss in der Hand und begann als Testingenieur in Schwieberdingen.

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