Neuwagen-Kauf Ein Auto auf Pump

Von Harald Czycholl 

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, einen Neuwagen mithilfe eines Kredits zu finanzieren. Die Stiftung Warentest hat Kreditvarianten und Konditionen unter die Lupe genommen. Was sollte man unbedingt beachten?

Wer einen Neuwagen kauft, sollte sich über die Finanzierung einige Gedanken machen. Foto: dpa
Wer einen Neuwagen kauft, sollte sich über die Finanzierung einige Gedanken machen. Foto: dpa

Frankfurt - Wie viel geben Autokäufer aus?

Ein neues Auto ist alles andere als eine billige Anschaffung: 32 850 Euro legen Käufer dafür laut Stiftung Warentest im Durchschnitt auf den Tisch, Tendenz steigend. So ist es kein Wunder, dass viele einen Neuwagen auf Kredit kaufen. Dem Marktforschungsinstitut GfK zufolge haben 2017 gut die Hälfte der Autokäufer ihren Wagen in bar bezahlt, was prinzipiell die günstigste Variante ist. Die andere Hälfte hat sich für eine Finanzierung entschieden. „Egal ob Sie zum Markenhändler oder zum freien Verkäufer gehen – Sie können den Wagen dort auch finanzieren“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt. Während Markenhändler oft auf konzerneigene Finanzinstitute zurückgreifen können, arbeiten freie Händler in der Regel mit verschiedenen Banken zusammen.
Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?
Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: den Ratenkredit, die sogenannte Drei-Wege-Finanzierung oder das Leasing. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ vergleicht die Stiftung Warentest die verschiedenen Finanzierungswege über den sogenannten Gegenwartswert miteinander, so dass am Ende die kostengünstigste Variante sichtbar wird. „Der Gegenwartswert gibt den Wert an, den künftige Zahlungen heute besitzen“, erläutert der „Finanztest“-Experte Bostjan Krisper.
Welche Variante lohnt sich?
Das hängt vor allem von den eigenen Wünschen ab. Ein Leasingvertrag ist für Privatkäufer meistens nicht so interessant – denn hier zählen vor allem die steuerlichen Vorteile, die für Gewerbetreibende ins Gewicht fallen. Privatkäufer sollten eher einen Ratenkredit oder die Drei-Wege-Finanzierung wählen. Und hier steht für den Autofahrer vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob er möchte, dass das Auto irgendwann in sein Eigentum übergeht. „Wer Eigentümer werden will und über ein ausreichendes Monatseinkommen verfügt, wählt einen Ratenkredit“, sagt „Finanztest“-Experte Krisper. „Wer sich noch nicht festlegen kann oder will, ob das Auto sein Eigentum werden soll, und wer auf die monatliche Rate achten muss, wählt die Drei-Wege-Finanzierung.“
Wie funktioniert die Drei-Wege-Finanzierung?
Bei der Drei-Wege-Finanzierung wird nur ein Teil des Kaufpreises finanziert. Am Ende der Laufzeit kann der Kunde entscheiden, ob er die – oft recht hohe – Schlussrate bezahlt, den Kredit weiterbedient oder den Wagen zurückgibt. Die Monatsraten werden dabei oft über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren beglichen. Verlockend im Vergleich zum Ratenkredit ist dabei eine nur fast halb so hohe Monatsrate. Das könne aber dazu führen, dass ein Kunde mit vergleichsweise niedrigem Budget meint, sich ein teureres Auto leisten zu können, als es tatsächlich der Fall ist, gibt Krisper zu bedenken. Das böse Erwachen folgt dann mit der hohen Schlussrate. Dennoch: Bei „Finanztest“ machten die Herstellerbanken bei der Drei-Wege-Finanzierung in den meisten Fällen die besten Angebote. Bei der Ford-Bank war diese Variante sogar besser als der günstigste Ratenkredit. Nicht zuletzt deshalb entscheiden sich viele Autokäufer für diese Art der Finanzierung.
Worauf sollte man bei der Berechnung der Monatsrate achten?
Bei der Berechnung der monatlichen Rate sollten Käufer vor allem realistisch bleiben, rät Finanzexperte Herbst. „Das Ganze muss ja auch über die vereinbarte Laufzeit bezahlbar bleiben.“ Daher sei es ratsam, einen Puffer einzubauen. Zumal es mit der Finanzierungsrate alleine nicht getan ist – hinzu kommen laufende Kosten für Sprit sowie Versicherung und Wartung. Wer zehn bis 15 Prozent des Nettoeinkommens für eine Autofinanzierung einkalkuliert, könne ein passendes Modell finden, ohne sich zu übernehmen. Bei einem Nettoeinkommen von 3000 Euro können demnach zwischen 300 und 450 Euro monatlich für die Finanzierung aufgebracht werden. Laut FMH kann damit ein Kredit von 15 000 Euro finanziert werden. Die monatliche Rate liegt bei einer Laufzeit von 48 Monaten hier bei rund 331 Euro, der Zinssatz bei 2,99 Prozent. Wird eine Anzahlung in Höhe von 5000 Euro berücksichtigt, kann der Kaufpreis bei 20 000 Euro liegen – eine Summe, für die man schon einen neuen VW Golf oder Opel Astra Sports Tourer bekommen kann.
Sind die Banken der Autohersteller besser als normale Banken?
Wer sich für die Drei-Wege-Finanzierung entscheidet, ist bei der Herstellerbank richtig. Und auch beim Ratenkredit bieten die Autobanken oftmals die besten Konditionen. Im Test war das bei Volkswagen und Toyota der Fall, bei anderen Marken machten entweder Kreditvermittler wie Accedo und Creditweb oder Universalbanken wie die PSD Bank Nord oder die Commerzbank das beste Angebot. Neben dem Zinssatz sollte man beim Vergleich der Angebote auch auf die Bedingungen schauen: Manche Banken lassen sich als Sicherheit den Fahrzeugbrief – offiziell Zulassungsbescheinigung II genannt – aushändigen. Soll das Auto während der laufenden Finanzierung weiterverkauft werden, kann das zum Problem werden. Denn manche Geldinstitute verlangen, dass der Kredit komplett abgelöst wird, bevor der Kunde seinen Fahrzeugbrief wieder zurückbekommt. Liegen zwei Angebote dicht beieinander, sollte man lieber das Angebot mit den kundenfreundlicheren Bedingungen wählen, empfehlen die Verbraucherschützer.