Neuwahlen in Bolivien Späte Quittung für Wortbruch

Von Tobias Käufer 

Boliviens Präsident lässt Neuwahlen zu. Ihm blieb keine andere Wahl, meint Tobias Käufer

Evo Morales muss sich dem Druck beugen. Foto: dpa/Juan Karita
Evo Morales muss sich dem Druck beugen. Foto: dpa/Juan Karita

Stuttgart - Evo Morales erweist seinem Land einen letzten Dienst. Am Sonntagmorgen verkündete der sozialistische Präsident Boliviens Neuwahlen. Zuvor hatte die Kommission der Organisation Amerikanischer Staaten Unregelmäßigkeiten bei den Präsidentschaftswahlen vom 20. Oktober festgestellt. Morales hatte im Vorfeld erklärt, er werde das Ergebnis der Untersuchungen der OAS akzeptieren. Am Ende blieb ihm keine Wahl mehr: Die Demonstrationen, die Meuterei in den Sicherheitskräften, die Rücktritte von Mitarbeitern in den regionalen Wahlbehörden sorgten für einen ungeheuren Druck auf Morales. Er hätte das Land nur noch mit brutaler Gewalt und Repression regieren können.

Morales hätte es wissen können

Einen Rücktritt schloss er aus. Trotzdem ist seine politische Karriere zu Ende. Es ist praktisch ausgeschlossen, dass Morales bei den Neuwahlen noch einmal als Kandidat für die Regierungspartei MAS antritt. Sein Kardinalfehler liegt drei Jahre zurück: Damals hatte eine Mehrheit des bolivianischen Volkes bei einer von der MAS initiierten Abstimmung über die Aufhebung der Amtszeitbegrenzung Nein zum „ewigen Evo“ gesagt, doch Morales ignorierte das Wählervotum. Jetzt hat er seine ultimative Quittung für den Verfassungsbruch bekommen.