Neuzugänge des VfB Stuttgart Doppelschlag auf dem Transfermarkt

Der Japaner Genki Haraguchi im Duell mit seinem neuen Teamkollegen Wataru Endo vom VfB. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Der VfB Stuttgart verpflichtet Genki Haraguchi und Gil Dias als Soforthilfe für den Abstiegskampf. Doch ein weiterer Spieler ist auf dem Absprung – aus finanziellen Gründen?

Sport: Carlos Ubina (cu)

Fabian Wohlgemuth ist zuletzt kaum von seinem Mobiltelefon weggekommen. Alle Hände voll hatte der Sportdirektor des VfB Stuttgart zu tun, um auf dem berühmt-berüchtigten Winter-Transfermarkt agieren zu können. Kaufen und verkaufen. Alles unter Zeitdruck, da die Personalgeschäfte bis diesen Dienstag, 18 Uhr, abgeschlossen sein müssen. Nun vermeldet der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist Vollzug: Genki Haraguchi (Union Berlin) und Gil Dias (Benfica Lissabon) wurden beim Abschlusstraining vor dem DFB-Pokalspiel an diesem Dienstag (18 Uhr) beim SC Paderborn auf dem Vereinsgelände begrüßt.

 

Zwei Spieler, die den VfB-Kader verstärken sollen und schon für die Begegnung in Ostwestfalen eine Option darstellen. Zugleich sollen Haraguchi und Dias helfen, einen Abgang zu kompensieren. Naouirou Ahamada ist auf dem Sprung nach England. Crystal Palace lockt den 20-jährigen Franzosen. Noch ist der Wechsel in die Premier League nicht perfekt, aber Bruno Labbadia hat den Mittelfeldspieler bereits abgehakt. „Es war nicht der Plan, ihn abzugeben. Aber der Zwang ist größer als das, was wir gerne hätten. Der Verein steht über allem – und wenn der Verein sagt, dass die finanzielle Situation so ist, dass wir ihn abgeben müssen, müssen wir auch Dinge akzeptieren, die für die sportliche Situation nicht optimal sind“, sagt der Trainer.

Die finanzielle Lage bleibt herausfordernd

Eine Herausforderung bleibt die finanzielle Lage des VfB. Durch den Corona-Umsatzverlust von 90 Millionen Euro, durch die Kosten des Stadionumbaus von insgesamt 130 Millionen Euro, durch zurückgehende Sponsorengelder und die kurzfristige Aufstockung des Gehaltsbudgets aufgrund der Trainertrennung. Das alles belastet die Stuttgarter.

Zwölf Millionen Euro beträgt nach Informationen unserer Redaktion die Ablösesumme für Ahamada. Geld, das die Stuttgarter in Abwägung der sportlichen Bedeutung des Talents jetzt nehmen. Nicht, um ein neues Loch zu stopfen, sondern weil die Verantwortlichen der Überzeugung sind, dass Ahamada zwar über reichlich Potenzial verfügt, er sich aber noch nicht als Unterschiedsspieler entpuppt hat.

Genki Haraguchi soll schnell in eine solche Rolle beim VfB hineinwachsen. „Er bringt hervorragende fußballerische Qualitäten und einen enormen Erfahrungsschatz in unsere Mannschaft ein. Er kennt Deutschland und die Bundesliga aus seinen vorherigen Stationen und wird deshalb keine lange Anlaufzeit in der neuen Umgebung benötigen“, sagt Wohlgemuth über den 31-jährigen Japaner. Unter einer Million Euro bezahlen die Stuttgarter an die Eisernen aus Berlin-Köpenick für den Techniker. Beim VfB erhält Haraguchi einen Vertrag bis 2024.

Ein Jahr länger ist das Arbeitspapier von Gil Dias datiert. Der Portugiese ist ein Wandervogel und Deutschland seine siebte Länderstation. Der 26-Jährige war außer in seiner Heimat zuvor schon in Frankreich, Italien, England, Griechenland und Spanien aktiv. Neun Clubs in acht Jahren stehen auf der Liste, meist waren es Leihen. Nun kassiert Benfica etwa eine Million Euro plus eventuelle Boni an Ablöse, und beim VfB kommt der neue Mann für gleich mehrere Stellen infrage.

Was ist mit Borna Sosa und Konstantinos Mavropanos?

„Mit Gil Dias verpflichten wir einen auf den Außenpositionen flexibel einsetzbaren Spieler, mit dem wir kurzfristig auf die Verletzung von Tiago Tomas reagieren, der aber auch längerfristig eine wertvolle Ergänzung unseres Kaders darstellt“, sagt Wohlgemuth. Der Winterzugang kann jedoch nicht nur den offensiven Flügelpart einnehmen, sondern ebenso einen defensiveren – falls es Borna Sosa weiter zu ersetzen gilt.

Dass der kroatische WM-Teilnehmer den VfB jetzt noch verlässt, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Ebenso dass der Abwehrspieler Konstantinos Mavropanos geht. Es sei denn, es käme bis zum Transferschluss (in England, Spanien und Italien geht dieser ein paar Stunden länger als in Deutschland) ein unmoralisches Angebot für die Profis herein.

Zu rechnen ist damit nicht – sollte es doch geschehen, dann würde Labbadia aus rein sportlichen Gründen ein starkes Veto einlegen. Zudem hat Wohlgemuth nicht vor, die Mannschaft zu schwächen. Es geht darum, sie im Abstiegskampf zu stabilisieren. Mit Haraguchi und Dias sind dafür zwei Spieler geholt worden. Eventuell kommt noch Luca Waldschmidt vom VfL Wolfsburg auf Leihbasis dazu.

Die große Linie des Sportdirektors lässt sich aus den Verpflichtungen aber noch nicht ableiten. Zumal Wohlgemuth bisher immer betont hat, dass er kurzfristig das aus seiner Sicht Notwendige tut, ohne die mittelfristige Perspektive aus den Augen zu verlieren. Zuvor unterschrieb der erst 17-jährige Stürmer Jovan Milosevic aus Serbien einen Vertrag bis 2027 – ein Zukunftsprojekt.

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