Rein rechnerisch geht dieses Modell ganz sauber auf. Und doch steckt deutlich mehr dahinter: Während dem stabilen Vielspieler Anthony Rouault, 23, der bis zu seinem Abgang auch aufgrund der dünnen Personaldecke in der Innenverteidigung in 28 von 32 VfB-Saisonpartien auf dem Platz gestanden war, der letzte Entwicklungsschritt hin zu einem Führungsspieler nicht zugetraut wurde, sieht man in Jeltsch, 18, und Jaquez, 21, mehr Zukunftspotenzial. „Der VfB ist der perfekte Verein für meine Entwicklung, um den nächsten Schritt zu gehen“, sagt Jeltsch, der 2023 mit der U 17 Weltmeister wurde.
Im Pokal gegen Augsburg sowie in der Liga gegen Dortmund ist das Duo bereits kurz nach seiner Ankunft beim VfB für den Fall der Fälle, nämlich eine Verletzung der einzig verbliebenen zentralen Stammkräfte, Jeff Chabot und Ramon Hendriks, auf der Stuttgarter Bank gesessen. Nach dem Ende der englischen Wochen blieb nun erstmals ausgiebig Zeit fürs Training.
„Für die beiden war die Woche wichtig“, sagt der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß: „Da konnten sie endlich mal zeigen, wie gut sie drauf sind.“ Neben dem guten Defensivverhalten und der körperlichen Präsenz hat es dem Chefcoach vor allem die Schnelligkeit der beiden neben dem Außenstürmer Jacob Bruun Larsen einzigen Winter-Neuzugänge beim Vizemeister angetan.
Neues Team, neue Stadt, neues Tempo
„Beide haben in der Trainingswoche gezeigt, warum wir sie unbedingt haben wollten. Sie haben einen guten Eindruck hinterlassen“, sagt Hoeneß, der im ersten Training der Woche am Dienstag auf dem Platz auch gleich physisch an das Duo herangerückt war. Schließlich ist vieles neu für Finn Jeltsch und Luca Jaquez. Neben den neuen Teamkollegen und der neuen Stadt betrifft dies auch das Spieltempo. Jeltsch war beim Club Stammkraft in der zweiten Liga. Jaquez fungierte zuletzt gar als Kapitän beim Schweizer Super-League-Team FC Luzern, bei dem der VfB-Sportdirektor Christian Gentner im Dezember 2022 seine Karriere beendet hatte. Nun kommt auf die Neuen in der Bundesliga eine noch mal höhere Schlagzahl zu.
„Ich habe gleich gemerkt, dass es hier etwas anderes ist. Es ist eine größere Energie und ein größerer Fußball, der gespielt wird. Davon träumt jeder kleine Junge – und ich freue mich auf die neue Aufgabe“, sagt Jaquez, der in der U 21 der Schweiz spielt.
Unterm Strich stehen die Chancen nicht schlecht, Jeltsch oder Jaquez – oder vielleicht gar beide – im Heimspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg bei ihrem Debüt im VfB-Trikot zu sehen. Klar ist, dass Chabot und der eigentlich als Außenverteidiger geholte Hendriks, der in dieser Saison lange auf seine Chance hat warten müssen, in Abwesenheit des weiter verletzten Ameen Al-Dakhil in der Innenverteidigung gesetzt sind.
Andererseits möchte Hoeneß seine neuen Kräfte bereits bei nächstbester Gelegenheit ins kalte Wasser werfen. Zum einen, um Jeltsch und Jaquez, die in ihren alten Teams immer gespielt haben, nicht allzu sehr aus dem Rhythmus zu bringen. Und zum anderen, um zu sehen, wie gut die beiden in der Bundesliga schwimmen können.