New-Fall-Festival in Stuttgart Durchwachsenes Finale mit Michael Kiwanuka

Von Christof Hammer 

Der englische Soul-Man Michael Kiwanuka hat sich zum Abschluss des New-Fall-Festivals vergeblich darum bemüht, die Carl-Benz-Arena in Stuttgart mit Atmosphäre zu füllen. An seiner Musik lag es nicht.

Die Musik des Briten mit ugandischen Wurzeln basiert auf den typischen Elementen des Motown- und Stax-Sounds. Foto: Lichtgut 8 Bilder
Die Musik des Briten mit ugandischen Wurzeln basiert auf den typischen Elementen des Motown- und Stax-Sounds. Foto: Lichtgut

Stuttgart - Als Trinkhalle für die Gäste des VfB Stuttgart wird die Carl-Benz-Arena alle vierzehn Tage in sachdienlicher Weise genutzt. Aus kultureller Sicht verkörpert sie Urbanität in ihrer überflüssigsten Form: eine Mehrzweckhalle an den Umgehungsstraßen kurz vor den Mauern unserer Stadt, in der auch Schuhverkaufsveranstaltungen oder Parteitage der FDP stattfinden könnten – aber wenigstens mit einer relativ ordentlichen Akustik ausgestattet. Den siebenhundert Besuchern, die diesen nüchternen Betonriegel am Sonntag zum Festivalabschluss befüllten, gebührt also ein gewisser Respekt für ihre Leidensfähigkeit, sich an einen Ort zu begeben, an dem man eigentlich nicht sein möchte.

Tönt jederzeit tief empfunden

Angelockt hat sie Michael Kiwanuka, einer der kompetentesten Soul-Men jüngerer Generation, der sein Genre erfolgreich davor bewahrt, zum musikalischen Vintage-Möbel, zum reinen klanglichen Einrichtungsgegenstand zu verkommen. Das bewies auch sein nach dem Gastspiel bei den Jazz-Open im Juli bereits zweiter Auftritt in der Gegend binnen vier Monaten. Zwar basiert die Musik des Briten mit ugandischen Wurzeln auf den typischen Elementen des Motown- und Stax-Sounds – schlanke Gitarrenfills, warmer Bass, fette Orgel sowie federnde Beats und scharf züngelnde Hi-Hats –, tönt aber jederzeit tief empfunden und klischeefrei. Mehr noch: Vom Soul und Funkrock der sechziger Jahre reicht der Bogen bis hin zum Psychedelic-Rock der Siebziger – in Songs wie „Cold Little Heart“ wabert gar der Geist von Pink Floyd durch die Halle.

Gespielt ist das höchst versiert, allerdings auch verstörend statisch: Auf der Bühne herrscht so gut wie keinerlei Bewegung, wie festgetackert verharrt jeder Musiker an seinem Platz. So legt Michael Kiwankua zwar einen klangfarbenfrohen Grenzgang zwischen Soul, Rock und Blues hin, der, nicht allzu üppig bemessen, mit seinem ersten Hit „Love & Hate“ nach neunzig Minuten relativ emotionslos endet. Aber die Carl-Benz-Arena mit Atmosphäre zu füllen, daran scheitern Band und Publikum an diesem Konzertabend gleichermaßen.




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