New York Urteil für Drogenboss „El Chapo“ erwartet

Von red/dpa 

Der Prozess hatte Touristen angelockt und die Beteiligten auf eine harte Probe gestellt. Nun steht das Urteil für den mexikanischen Drogenboss „El Chapo“ bevor. Joaquín Guzmán droht lebenslange Haft. Beendet wäre der Drogenkrieg der USA in Mexiko damit lange nicht.

Joaquín Guzmán droht lebenslange Haft. Foto: AP
Joaquín Guzmán droht lebenslange Haft. Foto: AP

New York - Nach teils spektakulären Gerichtsverhandlungen über zweieinhalb Monate geht der Strafprozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán seinem Ende entgegen. Zwölf Geschworene beraten ab Montag darüber, in welchen der zehn Anklagepunkte Guzmán schuldig ist. Richter Brian Cogan könnte bei einer Verurteilung unmittelbar oder erst Tage oder gar Wochen später das Strafmaß für den 61-Jährigen verkünden.

Kokain, Heroin, Methamphetamin und Marihuana

Am schwersten wiegt der erste Anklagepunkt zur „Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung“. In diesem Punkt droht Guzmán lebenslange Haft mit der Möglichkeit, erst nach 20 Jahren einen Antrag auf Bewährung zu stellen. Die weiteren Anklaepunkte drehen sich um die Herstellung und internationale Verbreitung von Kokain, Heroin, Methamphetamin und Marihuana sowie den Gebrauch von Schusswaffen und Geldwäsche. Auf die Punkte zur Herstellung der genannten Drogen stehen Mindeststrafen von zehn Jahren Gefängnis.

Guzmáns Verteidiger Jeffrey Lichtman hatte die Jury in seinem Schlussplädoyer dazu gedrängt, nicht an den „Mythos“ des Drogenbosses zu glauben und Guzmán freizusprechen. Staatsanwältin Andrea Goldbarg hatte dagegen eine Verurteilung in allen Punkten gefordert. Sie und ihre Kollegen hatten über elf Wochen 56 Zeugen in den Zeugenstand gerufen und massenhaft Beweismaterial vorgelegt.

Todesstrafe ausgeschlossen

Guzmáns 29 Jahre alte Frau Emma Coronel, eine ehemalige Schönheitskönigin, war immer wieder zum Prozess erschienen. Auch die Zwillingstöchter der beiden hatte sie zu Anhörungen mitgebracht. Am Donnerstag war Guzmán im blauen Sakko mit Krawatte im Saal erschienen und war aufgestanden, um lächelnd ins Publikum zu winken.

Der frühere Chef des berüchtigten Sinaloa-Kartells war in Mexiko verhaftet und Anfang 2017 an die USA ausgeliefert worden, wo er seitdem in einem Hochsicherheitsgefängnis in New York sitzt. Eine Todesstrafe ist nach einer Absprache beider Länder ausgeschlossen.