Nicht nur Pia Kästner verlässt die Stuttgarter Volleyballerinnen Wie das MTV-Team sein Gesicht verändert

Pia Kästner (li.) wechselt nach Mulhouse, Michaela Mlejnkova zieht es wohl nach Italien. Foto: Baumann

Zuspielerin Pia Kästner verlässt die Stuttgarter Volleyballerinnen in Richtung Frankreich, und auch einige andere wichtige Spielerinnen werden nächste Saison wohl nicht mehr zum Kader des Vizemeisters gehören. Kehrt dafür Simone Lee zurück?

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Stuttgart - Das letzte Spiel einer Saison ist immer eine Zäsur. Das gilt in jeder Sportart, ganz besonders aber im Volleyball – weil Ein-Jahres-Verträge immer noch die Regel sind, ein Kommen und Gehen folglich völlig normal ist. Den halben Kader auszutauschen läuft bei vielen Vereinen unter dem Label: „Kein größerer Umbruch“. Allianz MTV Stuttgart bildet da keine Ausnahme.

 

Von den Fans gab es nach der bitteren 0:3-Niederlage am Samstag im fünften Spiel der Finalserie beim Dresdner SC in den sozialen Medien ausnahmslos Lob, Anerkennung und aufbauende Worte für die enttäuschten Spielerinnen des Vizemeisters. Und zugleich wurde immer wieder die Hoffnung geäußert, möglichst viele von ihnen im Herbst in der Scharrena wiederzusehen. Was Kim Renkema dazu sagt? Nicht viel. „Unser Team für die nächste Saison steht“, erklärt die Sportdirektorin, „es gibt keinen Riesenumbruch.“

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Bereits vor Beginn der Finalserie stand fest, dass Tore Aleksandersen der Trainer bleiben wird. Zudem verlängerten auch Diagonalangreiferin Krystal Rivers sowie Libera Roosa Koskelo um ein Jahr. Und bei zwei Spielerinnen läuft der Vertrag ohnehin bis Mai 2022: Von der 19-jährigen Außenangreiferin Hester Jasper erwartet Renkema noch sehr viel („Sie ist ein Megatalent“), Lara Berger soll künftig als Nummer zwei im Diagonalangriff hinter Krystal Rivers Einsatzzeiten erhalten. „Das war bisher im Außenangriff nicht möglich, weil sie noch an ihrer Annahme arbeiten muss“, sagt die Sportdirektorin über die 19-Jährige, „doch sie muss jetzt endlich Spielpraxis bekommen.“

Renkema ist nicht mit allen Spielerinnen zufrieden

Schon länger klar ist, dass die MTV-Verantwortlichen zwei Säulen ihres Teams unbedingt halten wollen: Außenangreiferin Maria Segura Palléres und Mittelblockerin Juliet Lohuis. Ob dies gelungen ist, dazu will sich Renkema nicht äußern. Wie auch zu den Abgängen. Durchblicken lässt sie allerdings, nicht mit allen Spielerinnen vollauf zufrieden gewesen zu sein: „Wir hatten auch in die Breite des Kaders investiert, doch einige haben ihr Leistungsniveau sicherlich nicht zu 100 Prozent abrufen können.“ Namen? Nennt die Sportchefin nicht.

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Nach Informationen unserer Zeitung wird Michaela Mlejnkova die Bundesliga nach nur einer Saison wieder verlassen. Die tschechische Außenangreiferin hatte das große Ziel, nach den drei Vizemeisterschaften 2016, 2017, 2018 mit Allianz MTV Stuttgart endlich den Titel zu holen, das ging schief. Was auch ein bisschen daran lag, dass sie selbst nie die dominante Rolle spielte, die sie noch bei ihrem ersten Engagement in Stuttgart hatte. Angeblich sondiert ihr Berater den Markt in Italien. Mit einem Wechsel dorthin liebäugelt offenbar auch Zuspielerin Athina Papafotiou, Mittelblockerin Jenna Rosenthal soll es nach Frankreich ziehen.

Sicher ist, dass neben Co-Trainer Erik Reitsma, der am Montag offiziell verabschiedet wurde, auch Pia Kästner gehen wird. Die Zuspielerin wechselt zu ASPTT Mulhouse ins Elsaß. „Meinen Start in die Profikarriere hätte ich mir wirklich nicht besser vorstellen können, die Fankultur in Stuttgart und das Umfeld des Vereins haben es mir superleicht gemacht“, sagt die deutsche Nationalspielerin, die vier Jahre beim MTV war und in dieser Zeit auch dank ihrer hohen Präsenz in den sozialen Medien und zuletzt als Markenbotschafterin des Hauptsponsors zu einem Gesicht der Mannschaft wurde. „Ich hatte hier eine erfolgreiche Zeit, doch manchmal lassen es die Umstände nicht zu, den gemeinsamen Weg fortzuführen.“

Geht Lena Große Scharmann nach Wiesbaden?

Während Pia Kästner (22) in den Play-offs zumeist in der Anfangsformation stand, haben zwei andere junge Deutsche in dieser Saison nicht die Rolle gespielt, die sie sich erhofft hatten. Dora Grozer (25) war am Ende nur noch die Nummer vier im Außenangriff, sie wird nach Informationen unserer Zeitung ebenso eine neue Herausforderung suchen wie Lena Große Scharmann (23). Die Diagonalangreiferin, die aus Stuttgart stammt und nach ihrer Rückkehr von NawaRo Straubing den Plan, sich hinter Krystal Rivers weiterzuentwickeln, nicht in die Tat umsetzen konnte, soll beste Kontakte zum VC Wiesbaden haben.

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In der Summe könnte dies bedeuten, dass der nächste MTV-Kader zur Hälfte aus neuen Spielerinnen besteht. Schon länger bekannt ist, dass die niederländische Mittelblockerin Eline Timmerman (Ladies in Black Aachen) auf dem Einkaufszettel von Renkema weit oben stand. Dort soll ein Name dick rot unterstrichen sein, der in Stuttgart Erinnerungen an große Schlagfertigkeit weckt: Angeblich hat die Sportdirektorin daran gearbeitet, Außenangreiferin Simone Lee (USA) nach Stuttgart zurückzuholen. Im Zuspiel sollen die Belgierin Ilka van de Vyver (früher Rote Raben Vilsbiburg) und die Polin Julia Nowicka, die Tore Aleksandersen aus gemeinsamen Zeiten bei BKS Stal Bielsko-Biala kennt, erste Wahl sein. „Wir werden nächste Saison einen Kader haben, mit dem wir auf noch höherem Niveau spielen können“, sagt der MTV-Trainer. Und Kim Renkema meint: „Der SSC Schwerin und der Dresdner SC sind die Favoriten. Wir versuchen, den Anschluss nicht zu verlieren.“

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