Nichtraucherschutz in Italien Ungewohnt gesetzestreu

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Seit zehn Jahren gilt in Italien ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Die Bevölkerung findet es gut. Dabei hätte damals keiner geglaubt, dass die „Südländer“ einmal so gesetzestreu würden.

Immer weniger Italiener greifen zum Glimmstängel Foto: dpa
Immer weniger Italiener greifen zum Glimmstängel Foto: dpa

Stuttgart - Gesetze, sofern sie mit Zwang einhergehen, haben in Italien einen schweren Stand, die Verpflichtung zum Steuerzahlen zum Beispiel oder das Respektieren roter Verkehrsampeln. Eine Vorschrift aber gibt’s, an die sich praktisch alle halten: das Rauchverbot in geschlossenen öffentlichen Räumen, in Gaststätten ebenso wie in Behörden und Kliniken. Seit exakt zehn Jahren ist das Gesetz in Kraft, und das Gesundheitsministerium zieht eine zufriedenstellende Bilanz: Nur in zwei Prozent aller 38 500 Polizeikontrollen habe man Rauch am falschen Ort gerochen, und beinahe einstimmig, zu 95 Prozent, hielten die Italiener die Norm für nützlich.

Woran das liegt, darüber ist viel gerätselt worden. Schon bevor das Gesetz in Kraft trat, hatten immer mehr Restaurantbesucher freiwillig auf das Qualmen verzichtet. Es kam also „von unten“, aus einer Bevölkerung, in der die Zahl der Raucher ohnedies zurückgeht. Zwischen 2005 und 2014 ist die Quote von 25,6 auf 22 Prozent gesunken, die Menge der verkauften Zigaretten um ein Fünftel geschrumpft. Trotzdem zählt das Gesundheitsministerium immer noch 80 000 tabakbedingte Todesfälle pro Jahr. Immerhin tausend Italiener, so heißt es, sterben weiterhin an den Folgen des Passivrauchens.

Bei den ganz Jungen wird rauchen wieder beliebter

Im Jahr 2013 wurde das Verbot ausgeweitet. Auf dem Areal von Schulen gilt es nicht mehr nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Gebäude – was sich weit schwerer durchsetzen lässt als die Generalnorm von 2005. Denn, so sagt das Ministerium: Während Rauchen bei den Teenagern früher kaum in Mode war, greifen heute immer mehr junge Leute zur „Blonden“, zunehmend schon mit elf Jahren – trotz eines Verkaufsverbots an Minderjährige.

Zwar ist Ministerin Beatrice Lorenzin mit ihrem Versuch gescheitert, das Paffen in der Öffentlichkeit generell zu verbieten. Aber auch bei ihrem nächsten geplanten Schritt wird sie von den Umfrageergebnissen getragen: Selbst 83 Prozent der Raucher unterstützen Lorenzins Vorstoß, Zigaretten in Autos dann zu untersagen, wenn Minderjährige an Bord sind. Bleibt nur noch die Frage, wie moralisch-vorbildlich Kino und Fernsehen sein müssen. „Wir lassen uns die Glimmstängel nicht nehmen“, protestieren derzeit zahlreiche Regisseure. „Sie gehören zur Freiheit der Kunst.“