Präsentiert sich momentan treffsicher: Nick Woltemade Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn
Der Stuttgarter Stürmer befindet sich seit Wochen in starker Form. Es gibt aber noch weitere Faktoren, die ihn in den Fokus der deutschen Nationalmannschaft rücken.
Keine Frage, für Nick Woltemade sind es Wochen mit zwiespältigen Gefühlen. Einerseits holte der Stürmer mit dem VfB Stuttgart nur einen Sieg aus den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen, weshalb er auf einige verpasste Chancen im Kampf um die europäischen Startplätze zurückblicken muss. Andererseits präsentiert sich der 23-Jährige persönlich gerade sehr treffsicher, war am Sonntag bei der TSG Hoffenheim zum zweiten Mal in Folge einziger Torschütze seiner Mannschaft und befindet sich seit Wochen im Formhoch.
Das will Woltemade selbst auch gar nicht beiseite schieben: „Es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung. Ich bin sehr zufrieden mit dem Weg, den ich gegangen bin.“ Es ist ein steiler Aufstieg binnen Monaten für den Stürmer, der vor der Saison ablösefrei von Werder Bremen gekommen war und anfangs wenig auf dem Feld stand. Im August 2024 hatte er es nicht in den Kader für die Champions League geschafft, blieb aber beharrlich und belohnte sich. „Ich war geduldig am Anfang, habe viel mit dem Trainerteam gearbeitet und gesprochen“, sagt Woltemade, „das zahlt sich jetzt aus.“
Noch kein Kontakt zum Bundestrainer
Mit elf Pflichtspieltoren ist er – trotz seiner zu Beginn überschaubaren Einsatzzeiten – inzwischen der erfolgreichste Stuttgarter Saisontorschütze und bringt auch darüber hinaus Qualitäten ein. Eine Ballgewandtheit zum Beispiel, die ob seiner 1,98 Meter Körpergröße durchaus unüblich ist. Oder die Fähigkeit, Bälle mit dem Rücken zum Tor zu behaupten und dem VfB so Ballbesitz in des Gegners Hälfte zu verschaffen. Hierauf verwies auch Cheftrainer Sebastian Hoeneß nach dem 1:1 bei der TSG Hoffenheim explizit: „Nick hat uns immer wieder auch Entlastung gebracht über lange Bälle, wenn wir dann überspielt haben.“
Nick Woltemade im Trikot der deutschen U-21-Nationalelf Foto: imago//Marco Steinbrenner/DeFodi Images
Das alles hat ihn in den Fokus gerückt. Immer öfter fällt Woltemades Name inzwischen, wenn es um die deutsche Nationalmannschaft geht. Wenig überraschend bezeichnet er selbst eine Nominierung als einen seiner Karriereträume, Kontakt zu Bundestrainer Julian Nagelsmann gab es bislang noch nicht.
Das könnte sich zeitnah ändern. Zum einen, weil Nagelsmann seit seiner Amtsübernahme vor eineinhalb Jahren immer wieder dadurch aufgefallen ist, dem Momentum und der derzeitigen Form mehr Bedeutung bei der Nominierung beizumessen als vergangenen Verdiensten. Zum anderen, auch das gehört zum Gesamtbild, hat die deutsche Mannschaft auf Woltemades bevorzugten Positionen im Sturmzentrum oder als hängende Spitze mehrere verletzungsbedingte Ausfälle zu verzeichnen.
Für Kai Havertz vom FC Arsenal? Ist die Saison vorzeitig beendet aufgrund einer Oberschenkelverletzung. Niclas Füllkrug von West Ham United? Fiel in der Hinrunde erst monatelang wegen einer Achillessehnenverletzung aus und fehlt nun wegen Problemen im Oberschenkel. Julian Brandt von Borussia Dortmund? Ist momentan wegen einer Muskelverhärtung nicht einsatzbereit.
Die U-21-EM steht im Sommer an
Die nächsten Länderspiele sind fraglos bedeutsame, am 20. und 23. März geht es für Deutschland im Viertelfinale der Nations League im Hin- und Rückspiel gegen Italien um den Einzug ins Final Four. Sollte Woltemade hier nicht dabei sein, wird er aller Voraussicht nach in der Länderspielpause dennoch das deutsche Trikot tragen: In der U 21 war er zuletzt gesetzt, das Team testet gegen die Slowakei und Spanien seine Form vor der Europameisterschaft im Sommer.
Dort wäre Woltemade trotz seiner 23 Jahre noch spielberechtigt, da das Alter zu Beginn des Qualifikationszeitraums entscheidet. Bang blickt der Stuttgarter Stürmer hier nicht auf die Kader-Bekanntgabe, seine jüngsten Leistungen haben die Brust breit werden lassen. „Da brauche ich mir keine Sorgen zu machen, denke ich“, sagt Woltemade zu einer möglichen U-21-Nominierung – und will ohnehin nicht zu viele Gedanken an die Nationalmannschaften verschwenden: „Ich lasse mich überraschen. Ich freue mich auch genauso auf die U-21-Spiele. Wo ich dann spiele, werden wir sehen.“
Vorerst liegt der Fokus ohnehin voll auf dem VfB. Am Freitag (20.30 Uhr) wartet eine große Herausforderung mit dem Heimspiel gegen den FC Bayern. Und es bleibt ja das eine Ziel, dessen Erreichen die zwiespältigen Gefühle bei Woltemade auf einen Schlag auflösen würde: persönlich und mit der Mannschaft erfolgreich zu sein. „Natürlich würde ich auch mal ein Törchen von mir gegen Punkte tauschen“, sagt der Stürmer, „aber vielleicht kriegen wir bald ja beides zusammen hin.“