Nico Blank von den Stuttgarter Kickers So blickt der neue Kapitän auf die kommende Saison

Nico Blank trägt seit 2011 den Dress der Stuttgarter Kickers – nun auch die Spielführerbinde. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Nico Blank ist ein Urgestein der Stuttgarter Kickers. Vor dem Regionalligastart spricht der 27-Jährige über seine neue Rolle als Kapitän, das Saisonziel und Dinge, die sich unter dem neuen Trainer verändert haben.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Neue Saison, neuer Kapitän: Mit Nico Blank als Spielführer starten die Stuttgarter Kickers an diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) gegen Eintracht Frankfurt II in die Regionalliga-Spielzeit 2024/25. Der Mittelfeldspieler schätzt die Lage ein.

 

Herr Blank, sind Sie der logische Kapitän der Kickers?

Ob ich das bin, weiß ich nicht. Ich war in den vergangenen Jahren einer der Führungsspieler und habe Verantwortung übernommen – wie viele meiner Mitspieler auch.

Keiner ist aber wie Sie schon seit 2011 im Verein und kann dazu noch auf so vielen unterschiedlichen Positionen eingesetzt werden.

Ich bin der dienstälteste Spieler bei den Blauen und habe bis auf Torwart und Linksaußen fast schon alles gespielt (lacht). Aber eine Einsatzgarantie bringt das nicht, das haben wir auch klar kommuniziert. Ich muss, wie jeder andere auch, Leistung bringen und würde auch gar keinen Freifahrtschein wollen. Es sollen die spielen, die die beste Leistung bringen.

David Braig und Lukas Kiefer sind Ihre Stellvertreter. Wurde das alles vom Chefcoach bestimmt?

Marco Wildersinn hat entschieden, aber sich nicht nur ein eigenes Bild gemacht, sondern mit sehr vielen im Verein gesprochen und sich viele Meinungen eingeholt.

Wie hat das der bisherige Kapitän Kevin Dicklhuber aufgenommen?

Gut und professionell, für ihn hat sich nicht viel verändert. Er ist weiterhin ein ganz wichtiger Spieler für uns, haut sich voll rein und wird sich auch weiter voll einbringen. Wenn ein neuer Trainer kommt, bringt das eben auch Änderungen mit sich und manche Dinge werden dann anders entschieden.

Sind die Kickers gewappnet für den Auftakt an diesem Samstag gegen Eintracht Frankfurt II?

Ich denke, ja. Wir haben richtig viel und sehr intensiv gearbeitet. Dass am Anfang noch nicht automatisch jedes Rädchen ins andere greift, ist zu Saisonbeginn normal. Insbesondere dann, wenn ein neuer Trainer kommt, der auch Dinge anders macht, als wir es in den vergangenen zwei Jahren gewohnt waren.

„Wir stehen auch mal tiefer“

Was speziell?

Wir haben im Spiel gegen den Ball ein, zwei Optionen mehr einstudiert. Wir stehen auch mal tiefer und kommen über Umschaltmomente. Es wird großen Wert darauf gelegt, dass wir lange am Ball bleiben, die Kugel nicht gleich wieder herschenken. Grundsätzlich arbeitet unser Coach sehr akribisch, er hat klare Vorstellungen und feilt an diesen, bis sie zu 100 Prozent passen.

Marco Wildersinn setzt auf ein 4-3-3-System. Wo liegen die Unterschiede zu bisher?

Wir haben früher öfter im 4-1-4-1 mit einem Sechser und zwei Zehnern, im 4-2-3-1 mit zwei Sechsern gespielt, oder manchmal auch im 4-4-2 mit einer Mittelfeld-Raute und zwei Stürmern. Jetzt haben wir in vorderster Reihe zwei klare Flügelspieler und einen klaren Centerstürmer. Wir haben keine eindeutige Zehn mehr, sondern zwei Achter im Halbraum des Mittelfeldes.

Sie scheinen im zentralen defensiven Mittelfeld derzeit die Nase vorne zu haben. Müssen Sie als alleinige Sechs noch mehr Laufarbeit verrichten?

Laufarbeit ist nicht unbedingt das zentrale Thema. Ich muss als einziger Sechser noch mehr für Stabilität sorgen, noch mehr die Position im Zentrum klar halten. Das liegt mir ganz gut.

Was läuft schon besonders gut?

Das Anlaufen, das vorne draufgehen, insgesamt das Spiel gegen den Ball, wir lassen relativ wenig zu.

Vermeidbare Gegentore

Immer wieder gab es aber auch leichte Gegentore. Gibt es in diesem Bereich am meisten Luft nach oben?

Viele Gegentore in der Vorbereitung hätten wir vermeiden können. Da fehlte es an der Feinabstimmung, was aber zu diesem Zeitpunkt normal ist. Aber ärgerlich ist es allemal, wenn man trotz des hohen Aufwands diese einfachen Gegentreffer kassiert.

Vorne lief aber auch nicht alles rund.

Wir haben spielerisch viele gute Ansätze, vorne fehlte ab und zu die letzte Konsequenz, die letzte Genauigkeit. Wenn wir mit dem Pflichtspielstart die Tore machen, kommt auch mehr Sicherheit in die Abläufe und damit auch in den Torabschluss.

Wie lautet eigentlich das Saisonziel?

Ich denke, die Ansprüche sind schon gestiegen, wenn ein Aufsteiger als Vizemeister aus der Saison rausgeht. Was nicht heißt, dass es ein Aufstiegs-Muss gibt. So ein zweites Jahre kann durchaus schwierig werden, die Gegner kennen uns. Von daher brauchen wir wieder einen guten Saisonstart, müssen Euphorie entfachen und diese gemeinsam mit unseren außergewöhnlichen Fans mitnehmen. Aber man muss auch bedenken, dass es eine gute Saison braucht und alles zusammenlaufen muss, damit wir gemeinsam erfolgreich sein können.

Welche Clubs sehen Sie vorne als Hauptkonkurrenten?

Kickers Offenbach hat viel Qualität. Die Frage ist, wie sie diese umsetzen. Den FC 08 Homburg muss man ebenfalls auf dem Schirm haben. Die zweiten Mannschaften kann ich schwer einschätzen. Das sind Wundertüten, wie wir vergangenes Jahr leidvoll am Beispiel VfB II erfahren mussten. Dies zeigt auch, dass man einen langen Atem braucht. Konstanz über die gesamte Saison ist wichtig.

Was wünschen Sie sich als Kapitän für die neue Saison?

Ich hoffe, dass es am Ende etwas zu feiern gibt. Dafür arbeiten wir das ganze Jahr hart. Platz sieben oder acht ist jedenfalls nicht unser Anspruch.

Was stimmt Sie optimistisch?

Dass wir einen sehr guten, breiten Kader haben mit sehr guten Charakteren, geilen Typen. Die Fans werden ein Team sehen, das unbedingt will.

Zur Person

Karriere
Nico Blank wurde am 13. April 1997 in Backnang geboren. Nach den Jugendstationen SV Unterweissach, FSV Waiblingen und VfB Stuttgart kam er 2011 in der C-Jugend zu den Stuttgarter Kickers und blieb den Blauen seitdem treu. Mit Beginn der Saison 2024/25 wurde er Kapitän der Mannschaft.

Persönliches
Blank ist in Weissach im Tal aufgewachsen, wohnt seit sechs Jahren in Stuttgart und hat ein Studium der Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen. Er ist sportbegeistert, fährt Rad und spielt auch gerne Tennis, Tischtennis, Basketball und Darts. Blank ist liiert mit Freundin Zahide. (jüf)

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