Herr Blank, wie nehmen Sie als altgedienter Blauer die aktuelle Lage wahr?
Puh, ich habe schon einiges mitgemacht bei den Kickers, aber ich muss sagen, die ersten ein, zwei Tage nach der 2:3-Niederlage in Walldorf waren schon echt hart. Wir waren alle megaenttäuscht, weil wir genau wissen, welche Chance wir haben liegen lassen. Das ist schwer zu akzeptieren, aber es hilft nicht, dem nachzutrauern. Das Positive ist, dass wir immer noch alles in der eigenen Hand haben. Und wir werden alles nur Erdenkliche dafür tun, diese Wahnsinnssaison zu krönen.
Warum kommt Ihr Team seit der Winterpause nicht mehr regelmäßig ans Leistungslimit?
Schwierig zu sagen. Wir machen uns Gedanken, reden viel untereinander in der Mannschaft. Auffallend ist, dass wir in letzter Zeit viel zu leicht Gegentore bekommen und zu oft in Rückstand geraten. Nicht nur 0:1, sondern gleich 0:2 oder gar 0:3. Dann wird’s natürlich richtig schwer, das Ding noch zu drehen.
Immer wieder unterlaufen auch erfahrenen Spielern Patzer. Warum?
Natürlich ist diese entscheidende Phase immer auch eine Nervensache. Ich denke schon, dass wir mental alle stark sind, doch solch ein Herzschlagfinale lässt den einen oder anderen dann vielleicht doch nicht völlig kalt. Ich bin ganz sicher: Jeder gibt hier sein Bestes, und alle wollen zu 100 Prozent diesen Schritt gehen. Vielleicht hemmt das, aber es müsste eigentlich beflügeln. Wer weiß, wann sich wieder die Chance ergibt, dritte Liga zu spielen.
Braucht es jetzt irgendeinen außergewöhnlichen Impuls?
Grundsätzlich sollten wir alles ausblenden und einfach die letzten beiden Spiele erfolgreich ziehen. Wir werden uns aber bei einem gemeinsamen Essen noch einschwören, inhaltliche Dinge ansprechen, Lösungen diskutieren.
Sie sind als gelernter Mittelfeldspieler die Lösung als Innenverteidiger in Vertretung des verletzten Niklas Kolbe. Wie schwer fällt Ihnen die Umstellung?
Das ist für mich in Ordnung. Natürlich muss ich mein Spiel umstellen. Als letzter Mann muss ich klare Sachen spielen und sollte keine Fehler machen. Auf der Zehnerposition konnte ich auch mal riskantere Bälle spielen. Von daher ist das Ganze schon neu für mich.
Neu ist die Situation auch für das Trainerteam um Mustafa Ünal, da es eigentlich immer nur nach oben ging. Wie geht es mit der Situation um?
Wir sind alle erfolgsverwöhnt, ja. Aber es gab auch Rückschläge wie in Dorfmerkingen oder Trier, aus denen wir gestärkt hervorgegangen sind. Der Trainer analysiert gut, bleibt sachlich und bereitet uns optimal vor.
Was macht Sie optimistisch?
Keine andere Mannschaft in der Liga hat schon so viel durchgemacht wie wir. Das schweißt uns als Einheit zusammen. Wir können als Freunde in die dritte Liga aufsteigen. Das macht uns stärker. Das ist ein Riesentraum, so etwas nimmt man fürs Leben mit.
Das wird sich die Konkurrenz auch sagen.
Mag vielleicht schon sein, aber bei uns ist sich jeder einzelne Spieler bewusst, was das für eine Riesenchance für ihn selbst bedeutet. Die Jungs aus den zweiten Mannschaften können es auch über andere Wege nach oben schaffen, sie haben zum größten Teil auch viel höhere Ansprüche.
Zur Person
Karriere
Nico Blank wurde am 13. April 1997 in Backnang geboren. Nach den Jugendstationen SV Unterweissach, FSV Waiblingen und VfB Stuttgart kam er 2011 in der C-Jugend zu den Stuttgarter Kickers und blieb den Blauen seitdem treu. Er ist Mitglied des Mannschaftsrats neben Kapitän Kevin Dicklhuber, Niklas Kolbe, Luigi Campagna, Felix Dornebusch und David Braig.
Persönliches
Blank ist in Weissach im Tal aufgewachsen, wohnt seit sechs Jahren in Stuttgart. Er hat ein Studium der Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen. Er ist sportbegeistert, fährt Rad und spielt auch gerne Tennis, Tischtennis, Basketball und Darts.