Nicola Tiggeler kommt nach Fellbach „Ich bin dreimal wiederauferstanden“

Nicola Tiggeler (links) gastiert mit ihrem Ehemann Timothy Peach (hinter ihr), der auch im Stück ihren Gatten gibt, gemeinsam mit Martin Armknecht und Mia Geese in der Komödie „Die Kehrseite der Medaille“ am 6. und 7. Mai in der Schwabenlandhalle. Foto: Dietrich Dettmann

Die bundesweit bekannte Schauspielerin Nicola Tiggeler spricht vor ihrem Gastspiel in Fellbach über ihren mehrfachen Serientod in „Sturm der Liebe“, über ihre Anfänge als Fernsehansagerin beim SDR in Stuttgart und über ihre gemeinsamen Bühnenauftritte mit Ehemann Timothy Peach.

Sie gehört zu den profiliertesten Schauspielerinnen in Deutschland, hat Hauptrollen in diversen Fernsehserien vorzuweisen. Mit der Komödie „Die Kehrseite der Medaille“ ist die 64-jährige Nicola Tiggeler am Montag und Dienstag, 6. und 7. Mai, um 20 Uhr in der Fellbacher Schwabenlandhalle zu erleben. Im Gespräch mit unserer Redaktion äußert sie sich über das Stück, über ihre Karriere und über die Geheimnisse einer 31-jährigen Schauspielerehe.

 

Frau Tiggeler, Millionen Fans haben Sie von 2006 an rund acht Jahre lang als das Biest Barbara von Heidenberg im Ersten in „Sturm der Liebe“ erlebt – da konnten Sie sich ausleben als die Böse, Fiese, Gemeine, oder?

Das war in meinem ganzen Schauspielerleben wirklich ein Highlight. Schon als ich die frühen tschechischen Märchenfilme geschaut habe, wollte ich lieber die böse Hexe sein als die langweilige Prinzessin. Ich spiele vor allem gerne temperamentvolle Frauen und habe nie damit gehadert, dass ich als Dunkelhaarige eher in diesen taffen Rollen gesehen werde. Als Barbara von Heidenberg hatte ich ja viele Facetten, war auch mütterlich, immer wieder ehrlich verliebt und ehrlich enttäuscht – also keine eindimensionale Rolle, ganz im Gegenteil.

Bei Ihnen gilt das James-Bond-Motto: „Man lebt nur zweimal.“ Oder wie bei Bobby Ewing in „Dallas“, der kam überraschend auch wieder zurück – und Sie ebenfalls.

Ich bin beim „Sturm“ drei Serientode gestorben. Damit halte ich zumindest im deutschsprachigen Raum den absoluten Rekord. Aber vielleicht gibt’s international noch mehr Wiederauferstehungen.

Hat das Publikum so nach Ihnen gelechzt, oder war’s der Kniff der Drehbuchautoren?

Beim ersten Mal war’s tatsächlich der Wunsch des Publikums. Ich war geplanter Weise eigentlich mausetot, und dann hat sich herausgestellt, dass das Publikum doch diese Rolle wieder möchte. Also war der tödliche Absturz in den Gebirgsbach doch nicht ganz so ganz tödlich. Danach bin ich ertrunken, aber da haben wir die Rettung gleich mit gedreht. Es war klar, dass es eine Wiederauferstehen geben sollte, das wurde nur nicht gleich gezeigt. Und dann gab’s noch einen Tod in Südamerika, ich bin also insgesamt drei Mal wiedergekommen.

Vor elf Jahren war Schluss mit der permanenten Wiederbelebung, und Sie sind endgültig ausgestiegen – und doch erinnern sich viele daran?

Ich werde tatsächlich immer wieder noch darauf angesprochen, nach dem Motto: Ich kenn Sie doch von dieser oder jener Serie. Und das ist entweder „Sturm der Liebe“ oder „Unser Charly“. Das sind schon sehr präsente Rollen gewesen, obwohl ich acht durchgehende Serienhauptrollen gespielt habe.

Ganz am Anfang Ihrer Karriere waren Sie in Stuttgart – als Fernsehansagerinnen beim Süddeutschen Rundfunk.

Das ist aber ewig her. Da war ich noch in Augsburg fest engagiert, und ehrlicherweise verdient man als Anfängerin oder in den ersten Jahren sehr, sehr wenig Geld am Theater. Ich wollte mich weiterentwickeln, habe für den Rundfunk und auch Werbung gesprochen. Und dann dachte ich, ich sehe auch ganz passabel aus, habe mich als Ansagerin beworben und wurde genommen. Ich habe das immer sonntags gemacht, da war in Augsburg probenfrei und ich konnte nach Stuttgart fahren.

Sind sind 35 Jahre mit Ihrem Kollegen Timothy Peach als Paar zusammen, 31 Jahre verheiratet – das scheint mir bei Schauspielerehen eher die Ausnahme zu sein, oder?

Absolut. Das ist schon im normalen Leben ungewöhnlich, wenn man auch beruflich zusammenarbeitet. Und in unserer Branche sind wir wirklich Dinosaurier. Wir waren schon in fünf Produktionen zusammen auf Tournee. Wir sind es nicht nur gewohnt, wir können es auch gut, weil wir sehr kollegial miteinander umgehen. Der große Vorteil ist, dass wir in der Vorbereitung am heimatlichen Küchentisch gemeinsam Text lernen und für das Stück viele Ideen entwickeln können. Bisher hat’s super funktioniert und unsere Ehe nicht gefährdet.

Jeden Abend auf der Bühne, tags drauf im Bus stundenlang durch die Lande und ab ins nächste Hotel wie jetzt in Fellbach?

Na, dieses „Geheimnis unserer Ehe“ habe ich öfter erwähnt: Wenn wir auf Tournee unterwegs sind, haben wir getrennte Hotelzimmer. Als wir zuletzt fast neun Wochen in Stuttgart an der Komödie im Marquardt gastiert haben, da hatten wir auch zwei getrennte Theaterwohnungen. Wir achten schon sehr drauf, dass jeder seinen Rhythmus hat und wir nicht zu sehr aufeinander hängen.

Nun sind Sie mit der „Kehrseite der Medaille“ unterwegs, angekündigt als Beziehungskomödie mit Esprit.

Wir haben das Stück schon über 340 Mal gespielt. Ich hätte nie gedacht, dass sich das so erfolgreich durchsetzen wird. Aber wir freuen uns natürlich wahnsinnig. Es ist nicht der typische Boulevard, so mit aus dem Schrank klettern oder zur falschen Tür reinkommen. Es hat viele Ebenen, die wir zum Teil noch zusätzlich reingenommen haben.

Ein Ehepaar und der Freund, der plötzlich mit der ganz jungen neuen Freundin auftaucht.

Das ist der Klassiker, das ist Klischee hoch 25, wenn man ehrlich ist. Der Mann verlässt seine Frau für eine viel jüngere. Und in diesem Fall ist es so, dass er uns als gestandenes Ehepaar in die Zwickmühle bringt, denn die von ihm verlassene Frau, die im Stück allerdings nicht auftaucht, ist meine beste Freundin. Die junge Frau ist natürlich erst mal Konkurrenz und meine Feindin, weil sie meine Freundin vertrieben hat.

Und der Ehemann kommt plötzlich auf ähnlich dumme Gedanken?

Tja, auch bei ihm sprießen auf einmal die Hormone. Und er überlegt sich, was wäre, wenn er auch noch mal ganz von vorne anfangen könnte, mit einer jungen Frau an seiner Seite. Doch die Ehefrau durchschaut das Ganze, hat die Strippen in der Hand und lenkt das Geschehen so, dass ihr Mann zur Besinnung kommt.

Sie sind außerdem ausgebildete Stimm- und Sprechtrainerin mit eigenem Unternehmen und eigener Homepage – wie kommt’s dazu?

Ja, zu mir kommen Manager, Vorstände, Spitzensportler und Unternehmensberater, wirklich aus allen Bereichen. Es geht dabei nicht nur um die Stimme, sondern auch immer in Verbindung mit der Körpersprache um die gesamte Präsenz, um die nonverbale Kommunikation. Wie wirkt jemand, wie kommt er rüber, wie tritt sie auf, was sind die Merkmale, die die Wirkung verstärken oder vielleicht verringern. Das ist ja ganz oft nicht der Inhalt, sondern die Art und Weise, wie jemand auf andere Menschen wirkt. Ich hätte es mir nicht träumen lassen, dass die Trainings und Coachings so gut funktionieren, aber es klappt sehr gut.

Deshalb sieht man Sie so seit 2018 auch nicht mehr so häufig in TV-Produktionen?

Ich habe schon noch kleinere Sachen gemacht, aber ehrlicherweise: So stark wie meine Coachings nachgefragt sind, kann ich oft gar nicht mehr auf kurzfristige Anfragen reagieren. Ein Engagement fürs „Traumschiff“ zum Jahresende – es wäre für mich die Premiere gewesen – musste ich beispielsweise absagen, weil ich schon für Stuttgart unterschrieben hatte. Da muss man ja vier Wochen frei haben, um auf dem Schiff über den Ozean zu schippern. Vermutlich wäre es wieder irgendwo in die Karibik gegangen . . . Das habe ich schon bedauert!

Vom „Fahnder“ zu „Unser Charlie“ und „Sturm der Liebe“

Herkunft
Am 1. April 1960 in Hannover als Tochter eines Opernregisseurs und einer Geigerin geboren, absolviert Nicola Tiggeler ihr Abitur im Internat Salem am Bodensee. Anschließend studiert sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Hamburg und wird diplomierte Opernsängerin.

Karriere
Nach sechs Jahren am Theater Augsburg gibt sie 1993 in der Krimireihe „Der Fahnder“ die Freundin der von Jörg Schüttauf dargestellten Hauptfigur. In vielen TV-Filmen und Serien ist sie zu sehen, etwa in „Unser Charlie“. 800 Folgen lang spielte sie in der Telenovela „Sturm der Liebe“.

Privates
Seit 35 Jahren ist Nicola Tiggeler mit ihrem Kollegen Timothy Peach (Jahrgang 1963), den sie am Theater in Augsburg kennenlernte, liiert, seit 31 Jahren sind die beiden verheiratet. Das Paar, das zwei Kinder (ein Sohn, eine Tochter) hat und in München lebt, engagiert sich für die José-Carreras-Leukämie-Stiftung und die SOS-Kinderdörfer.

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