Nicolas Maduro gestürzt Trump spielt ein riskantes Spiel

In Miami feiern Exil-Venezuelaner den Sturz Maduros. Foto: AFP/Giorgio Viera

Donald Trump will Venezuela nach dem Sturz Maduros als Protektorat führen. Die Frage bleibt, wie der US-Präsident das ohne Besatzungstruppen bewerkstelligen will.

George W. Bush ließ 42 Tage verstreichen, bevor er am 1. Mai 2003 auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln unter dem Banner „Mission accomplished“ den Sturz Saddam Husseins und das erfolgreiche Ende des Einsatzes im Irak verkündete. Donald Trump feierte nach nicht einmal 24 Stunden in Mar-a-Lago einen „historischen“ Sieg, wie ihn Amerika seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt habe.

 

Parallel postete die US-Regierung ein Foto des bei einem Militärkommando in Caracas entführten Maduro an Bord der USS Iwo Jima. Zu sehen ist er in Jogginghose, mit Augenmaske, Kopfhörern und Wasserflasche, auf dem Weg ins berüchtigte Metropolitan Detention Center in New York.

Wie will Donald Trump Venezuela regieren?

„Wir werden das Land regieren, bis wir einen sicheren, angemessenen und vernünftigen Übergang schaffen können“, verkündete der Präsident bei der denkwürdigen Pressekonferenz in Mar-A-Lago. Zusammen mit den Venezolanern würden die USA von dem Ölreichtum des Landes profitieren. „Wir werden es ordentlich führen. Wir werden es professionell führen.“

Auf die Frage, wie er das Land regieren wolle, fielen die Antworten eher bescheiden aus. Denn anders als Bush, der den Irak mit 300 000 amerikanischen Soldaten besetzt hatte, verfügt Trump über kaum mehr als 15 000 Soldaten vor der Küste eines bis an die Zähne bewaffneten Landes, das fast dreimal so groß ist wie der Irak.

Der Präsident verwies auf eine „Gruppe“ von Leuten, die Venezuela verwalten sollten. Dazu zählen Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth, die zusammen mit Generalstabschef Dan Caine vor die Reporter getreten waren. Zu der „Gruppe“ gehört laut Trump wohl auch Vizepräsidentin Delcy Rodriguez, die mit Rubio gesprochen habe und allen Forderungen der USA nachgegeben habe. „Ich denke, sie war sehr entgegenkommend“, beschreibt Trump das Gespräch. „Aber sie hatte wirklich keine große Wahl.“

Die 56-jährige Rodriguez ist nicht nur Vizepräsidentin, sondern auch Ölministerin. In Geschäftskreisen in Caracas gilt sie als pragmatisch und wirtschaftlich kompetenter als die meisten in der Führungsriege. Teilweise in Frankreich ausgebildet, hatte sie 2019 marktwirtschaftliche Reformen in Venezuela mitgestaltet.

Venezuelas Vizepräsidentin: Delcy Rodriguez Foto: AFP

Ihr Vater war ein linker Revolutionär, der 1976 von venezolanischen Sicherheitskräften gefoltert und vermutlich ermordet worden war. Obwohl sie in Wirtschaftskreisen geschätzt wird, bezeichnet sie sich selbst als orthodox links. Ihr älterer Bruder Jorge Rodriguez ist Parlamentspräsident und war Maduros wichtigster Unterhändler mit Washington.

Trumps Pressekonferenz war kaum vorüber, als Delcy Rodriguez in Venezuela vor die Kameras trat und genau das Gegenteil dessen verkündete, was Trump erklärt hatte. Flankiert wurde sie von Innenminister Cabello und Verteidigungsminister Lopez, zwei Hardlinern des Regimes. Sie bestand darauf, dass Maduro noch immer „der einzige Präsident der Nation“ sei, und forderte seine sofortige Freilassung: „Das venezolanische Volk leidet. Es ist empört über die Entführung Maduros und der First Lady. Was Venezuela angetan wird, ist eine Barbarei.“ Ihr Land werde nie wieder „die Kolonie eines Anderen“ sein.

Trump diskreditiert Oppositionspolitikerin Machado

Während Rodriguez dem US-Präsidenten eine öffentliche Absage erteilte, wunderten sich die Anhänger von Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado, warum Trump die Oppositionspolitikerin bei seinem Auftritt öffentlich diskreditiert hatte. Tatsächlich hatte der Oppositionskandidat Edmundo Gonzalez, der an ihrer Stelle 2024 kandidierte, weil das Regime sie von den Wahlen verbannt hatte, die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Viele Regierungen, einschließlich die der USA, hatten ihn daraufhin als Sieger anerkannt.

Exil-Venezolaner, die den Sturz Maduros in Miami und an anderen Orten feierten, hatten ebenfalls keine plausible Erklärung für die Distanzierung Trumps von der konservativen Machado. Andere, wie Oppositionspolitiker Pedro Burelli, sprachen von einem „bizarren politischen Plan“ des Weißen Hauses. „Venezuela ist pleite und bedürftig, aber es ist nicht bereit, sich absurden Launen zu ergeben“, schrieb Burelli auf X. Und weiter: „Der Begriff ,bizarr’ beschreibt nicht einmal ansatzweise das, was wir gerade gehört haben.“

Experten in den USA wie Phil Gunson von der International Crisis Group befürchten ein Chaos im Land. „Das Worst-Case-Szenario wäre, dass Teile des Militärs dem US-Plan folgen, während andere Widerstand leisten, und sich die Situation zu einer Art bewaffneten Konflikt entwickelt“, so Gunson.

Der US-Präsident, der mit dem Versprechen an seine Basis angetreten war, die USA aus sinnlosen Kriegen im Ausland herauszuhalten, vollzieht in Mar-a-Lago eine erstaunliche Kehrtwende. „Wir haben keine Angst, Soldaten vor Ort zu schicken, wenn wir sie haben müssen“, erklärte Trump – und benannte die sogenannte Monroe-Doktrin, die eine Vorherrschaft der USA in ihrem Hinterhof beansprucht, nach sich selbst in „Donroe-Doktrin“ um: „Wir übertreffen die Monroe-Doktrin bei weitem.“

Demokraten: Trump bricht das Völkerrecht

Doch die Aussicht auf eine längere US-Präsenz in Venezuela stößt in der amerikanischen Öffentlichkeit auf Skepsis. Entsprechend harsch fiel die Kritik bei den Demokraten aus, die Trump einen Bruch des Völkerrechts vorwarfen. Der Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, meinte, es sei rücksichtslos, „militärische Aktionen ohne Genehmigung des Kongresses und ohne glaubwürdigen Plan für das, was danach kommt, zu starten“.

Aber auch bei den Republikanern kommt die Idee nicht überall gut an, Venezuela als Protektorat zu führen. „Das einzige Land, das die Vereinigten Staaten von Amerika führen sollten, sind die Vereinigten Staaten von Amerika,“ sagte der Abgeordnete Brian Fitzpatrick.

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