Nicole Razavi in Altdorf Bauministerin auf Entdeckertour

Der Altdorfer Bürgermeister Erwin Hiller zeigte der Bauministerin Nicole Razavi das neu renovierte Rathaus. Foto:  

Ob das Geld der städtebaulichen Förderung in Altdorf gut angelegt ist, das wollte am Mittwoch die Landesbauministerin Nicole Razavi wissen.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Es war vielleicht ein Termin, der allen Seiten gut tat: Der Besuch der baden-württembergischen Bauministerin Nicole Razavi (CDU) in Altdorf beim Bürgermeister Erwin Heller. Die Ministerin wollte sich am Mittwoch davon überzeugen, dass die Gelder der städtebaulichen Förderung in Altdorf gut angelegt waren und Erwin Heller konnte der Ministerin und ihrer Entourage das neue Rathaus sowie das Sanierungsgebiet Ortsmitte III zeigen. Ideenreich geprägt war die Bauzeit allemal.

 

4,1 Millionen Euro hat das Rathaus gekostet, das zu den ortsbildprägenden Gebäuden gehört: „Wenn ich auf Reisen bin und danach in mein Heimatdorf komme, dann geben mir solche Gebäude das Gefühl, zuhause zu sein“, sagte die Bauministerin.

Das Altdorfer Rathaus, ein Gebäude, das Identität stiftet. Foto: Ulrich Stolte

Damit das Gebäude ein Zuhause für die Gemeindeverwaltung werden konnte, hatte der Bürgermeister weit mehr zu bewältigen als den Antrag auf die Fördergelder. Das Haus hatte eine bewegte Geschichte. Erbaut im Jahr 1628 war es beim verheerenden Fliegerangriff in der Nacht zum 8. Oktober 1943 bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

Schon 1951 wurde es wieder aufgebaut als stattliches Fachwerkhaus in gediegener Ausführung und mit Glasmalereien an den Fenstern. Rund 80 Jahre nach Kriegsende war auch dieses neu erbaute Rathaus wieder baufällig geworden. Das Fachwerk hatte handbreite Spalten, es gab keinen Aufzug und die Amtsstuben unter dem Dach wurden im Sommer zu Backöfen.

Während der 18 Monate Bauzeit fand die Verwaltung in einem benachbarten modernisierten Bauernhaus Zuflucht. „Das Bürgerbüro verlegten wir einfach in die Garage“, sagte Erwin Heller, „die war barrierefrei“.

Ministerialer Erlass half

Schwierigkeiten habe es mit dem Denkmalamt gegeben, berichtete Erwin Hiller, denn das Amt wollte weniger Solarpaneele auf dem Dach haben. Doch für Erwin Hiller war der Klimaschutz wichtiger als die Ästhetik, und er hatte sich in den Verhandlungen auf einen Erlass des Landesbauministeriums berufen, nach dem Solarzellen grundsätzlich mit dem Denkmalschutz vereinbar seien, und der während der Ägide von Nicole Razavi auf den Weg gebracht worden war. „Es kann sein, dass der Erlass noch nicht in alle Amtsstuben vorgedrungen ist“, scherzte die Ministerin und sagte den Kommunen und den Bauherren ihre Unterstützung zu.

Die Entwickler der Ortskernsanierung waren bei diesem dem Termin auch anwesend: Sindy Berger und Oliver Matzek von der Wüstenrot, Abteilung Städtebau, die für die Kommunen solche Sanierungen projektieren.

Förderungen müssen einfach sein

Für die Ministerin ging es auch darum, zu zeigen, dass solche Förderungen schnell, verlässlich und einfach sein müssten, damit sie genutzt würden. „Jeder Euro, den wir fördern, generiert acht weitere Euro an Investitionen“, sagte die Ministerin. So hat auch die Sanierung der Ortsmitte bisher auch 14 private Investoren ermutigt, ihre Häuser zu renovieren. Die Förderung für das Sanierungsgebiet Ortsmitte III umfasst eine Summe von rund 6,2 Millionen Euro, der Eigenanteil von Altdorf liegt bei 2,5 Millionen Euro.

Seit November 2024 ist das alte Altdorfer Rathaus wieder in Betrieb, sowieso ist es einen Besuch wert: Vor allem weil zur Zeit in den Fluren eine Ausstellung mit den bunten surrealen Werken des Altdorfer Malers Hans Bäuerle zu sehen ist.

Ohne Landesgeld läuft nichts

Förderung
In diesem Jahr stehen rund 247,5 Millionen Euro für 307 städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen in 275 Städten und Gemeinden Baden-Württembergs bereit. Davon stammen knapp 70 Prozent aus dem Haushalt des Landes.

Ministerin
Seit 2006 ist Nicole Razavi Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Geislingen. Bis zur Ernennung zur Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen im Mai 2021 war sie in der CDU-Landtagsfraktion unter anderem für Verkehr und Infrastruktur zuständig.

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