Anlaufstelle: Die Wasenboje auf dem Frühlingsfest in Stuttgart. Foto: Rafael Kroetz LHS
Das Stuttgarter Frühlingsfest ist in vollem Gange. Wir waren dort und wollten wissen, wie sicher sich die Besucher:innen fühlen und ob sie im Bierzelt schon mal belästigt wurden.
Jessica Morlock
07.05.2025 - 12:00 Uhr
Bunte Fahrgeschäfte, fettige Leckereien, schöne Dirndl und Feierlichkeiten im Bierzelt – das Stuttgarter Frühlingsfest will ein Ort der Freude sein. Aber wie sicher fühlen sich die Stuttgarter:innen beim Feiern im Zelt? Und wohin wenden, wenn es zu Belästigungen oder sexuellen Übergriffen kommt? Wir haben uns unter den Wasen-Besucher:innen mal umgehört und uns die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen genauer angeschaut.
Franzi (34)
Franzi (rechts) Foto: Jessica Morlock
Franzi: „Mehrere Leute haben mir bereits unters Dirndl gefasst und ich habe mir dann gesagt: Nie wieder Wasen. Deswegen bin ich zehn Jahre lang nicht mehr auf den Wasen gegangen. Jetzt, glaube ich, bin ich mental stark genug, um zu sagen: ‚Fuck you’. Ich habe es erlebt, lasse es aber nicht mehr zu. Das Frühlingsfest macht so viel Spaß und ich habe mir das zehn Jahre lang nicht gegeben, weil mir jemand mit seinem übergriffigen Verhalten den Spaß verdorben hat.“
Maren (23) und Ruben (24)
Maren (links) und Ruben (rechts) Foto: Jessica Morlock
Maren: „Ich selbst war bisher nicht betroffen, wahrscheinlich, weil ich oft mit meinem Partner hier war. Ich glaube, wenn man mit Männern unterwegs ist, hat man das Glück, dass einem so etwas eher nicht passiert. Als ich früher nur mit meinen Mädels unterwegs war, ist mir zum Glück auch nie etwas passiert. Allerdings hat man es hin und wieder beobachtet: übergriffige Kommentare, Hinterherrufe oder auch Berührungen, die nicht erwünscht waren.“
Ruben: „Mehr Personal im Sinne von Security wäre sinnvoll. Es bringt nichts, wenn sie nur am Eingang stehen. Aber wie sollen sie das umsetzen? Wenn es hier richtig voll ist, können sie ja nicht einfach durch die Menge laufen und in solchen Menschenmassen passieren eben Dinge. Was soll man da großartig machen? Man bekommt ja jedes Jahr mit, dass solche Vorfälle passieren. Hin und wieder werden Leute auch hochkant rausgeworfen, gerade wegen solcher Geschichten. Trotzdem denke ich, dass die Dunkelziffer solcher Ereignisse wahrscheinlich deutlich höher ist, als bekannt ist.“
Julia (22) und Vincent (21)
Julia (links) und Vincent (rechts) Foto: Jessica Morlock
Julia: „Ich glaube, alleine durch den Alkohol wird die Hemmschwelle runtergesetzt. Ich habe schon mal mitbekommen, dass jemand begrapscht wurde.“
Vincent: „Ich persönlich habe so etwas noch nicht erlebt, vermutlich, weil ich ein Mann bin. Von außen ist es jedoch nicht immer leicht zu erkennen, was wirklich mit Zustimmung passiert und was nicht. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass gerade in den Zelten, besonders am Abend, die Grenzen verschwimmen.“
Jimmy (21)
Jimmy Foto: Jessica Morlock
Jimmy: „Ich fühle mich sicher, aber auch nur, weil ich mit meiner Gruppe unterwegs bin. Wäre ich allein, würde ich mich unsicher fühlen. Für Frauen ist es in solchen Situationen schon etwas gefährlicher, vor allem in Großstädten. Beim Feiern habe ich erlebt, dass jemand gegen den Willen der Person mit ihr gesprochen hat. Dann bin ich dazwischen gegangen und habe gesagt: Die Person hat keine Lust auf dich, sprich nicht mit ihr. Wenn jemand nicht will, sollte man das lassen.“
Lou (24)
Lou Foto: Marie Part
Lou: „Es gab ein paar Blicke von Typen. Einer hat mich etwas belächelt aber der Typ neben ihm meinte dann: „Nein, du siehst toll aus.“ Das war dann ganz lustig. Besonders für Frauen wäre es hilfreich, wenn es die Möglichkeit gäbe, eine Begleitung zu organisieren, wenn man selbst keine hat, oder wenn es konkrete Hinweise gäbe, wo man eine Anlaufstelle finden kann. Auch Tipps, wie man sicher nach Hause kommt, wenn öffentliche Verkehrsmittel keine Option sind, wären sinnvoll“
Ice (19)
Ice Foto: Jessica Morlock
Ice: „Ich habe bis jetzt noch nichts mitbekommen. Wenn jemand so was macht, unterstütze ich das auf jeden Fall nicht und gehe zur Not dazwischen. Man sollte den Leuten, die andere belästigen, sagen: Das geht einfach nicht.“
Hilfe bei (sexueller) Belästigung auf dem Frühlingsfest
Die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen bestehen aus Einlasskontrollen beim Betreten des Festplatzes und Security, die an den Eingängen der Zelte platziert sind. Vor Ort sind außerdem Polizei, das Deutsches Rotes Kreuz, die Berufsfeuerwehr Stuttgart, das Platzordnungsdienst und das Amt für öffentliche Ordnung vertreten. Mehr über die Sicherheitsvorkehrungen am Wasen findet ihr hier >>>
Dieses Jahr ist auch wieder die Anlaufstelle Wasenboje vertreten. Ein Safe Space für Frauen, Mädchen und alle, die sich entsprechend identifizieren. Dort gibt es Unterstützung bei Belästigung, Krisen oder Orientierungslosigkeit. Der dunkelblaue Container mit grünem Logo liegt direkt bei der Wasenwache und dem Deutschen Roten Kreuz und ist täglich ab 13 Uhr während des gesamten Festes geöffnet.