Darum boomt Niederbayern Die versteckten Überflieger

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Doch wenn Heinrich die neuesten Zahlen auf den Tisch legt, traut man seinen Augen nicht: Die Arbeitslosigkeit in Freyung-Grafenau liegt aktuell bei 2,2 Prozent; um ein Viertel ist die Zahl der Industriebeschäftigten seit 2010 gestiegen. Mehr Vollbeschäftigung geht nicht. Es müssen im „Woid“ also einige Geheimnisse versteckt sein, ja eine ganze Wirtschafts-Revolution. „Hidden Champions“, sagt Heinrich denn auch – und schon steht man mit ihm, der im Landkreis für die Wirtschaftsförderung zuständig ist, in dem fast nagelneuen Gebäude der Firma Thomas-Krenn.

Sie nehmen’s mit jedem auf

Computer-Server bauen sie dort. Zu den Kunden, so sagt Geschäftsführer David Hoeflmayr, zählten „alle Dax-Konzerne“, und zu den Hauptkonkurrenten auch keine Geringen: Dell oder Lenovo. „Die sind zwölftausendmal größer als wir, aber wir jagen ihnen Marktanteile ab.“ Bei Thomas-Krenn stecken sie die Server nach den ganz eigenen Wünschen der einzelnen Kunden zusammen: ob es der Bauer ist, der – Landwirtschaft 4.0 – die Daten seines Viehbestands auswertet, oder der Autokonzern, der zur Produktionssteuerung weltweit gleich tausend Stück ordert. Sie liefern in 24 Stunden aus. Europaweit.

160 Beschäftigte, 100 Neukunden pro Monat, Jahresumsatz 33 Millionen Euro, „solides Wachstum“ von 10 bis 20 Prozent im Jahr. Woher kommt das? Hoeflmayr sagt: nicht nur von einer ganz persönlichen Kundenbetreuung im hauseigenen Call-Center, sondern auch von der kleinen Struktur. Die Beraterin am Telefon sitzt praktisch direkt neben dem Techniker, der den Server konfiguriert.

Ob der Standort Bayerischer Wald nicht zu entlegen ist? Hoeflmayr sagt: ganz im Gegenteil. „Hier kriegen wir die jungen Leute, die wir brauchen.“ In München wäre die Konkurrenzlage viel zu groß. Auch finanziell könnte man nicht mithalten: Das Geschäftsmodell von Thomas-Krenn und anderen beruht nicht zuletzt darauf, dass die Gehälter im Wald viel niedriger, teils nur halb so hoch sind wie in der Landeshauptstadt.

Klar, im Bayerischen Wald lebt sich’s billiger. Denkt man. Der Mann vom Landratsamt aber sagt, das Gehaltsgefälle zur Stadt sei „immer noch so hoch, dass den Münchnern trotz hoher Mieten am Monatsende mehr übrig bleibt als den Leuten bei uns.“ Da braucht es schon Bodenständigkeit oder Liebe zur Heimat, damit die Menschen zuhause bleiben. Oder jene über Jahrhunderte zwangsläufig erlernte Genügsamkeit, die man den „Waidlern“ nachsagt.

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