InterviewNiederlage im Losentscheid „Für irgendetwas wird es gut sein“

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In Donaueschingen ist die Wahl des neuen beigeordneten Bürgermeisters im Gemeinderat erst im Losentscheid entschieden worden. Der unterlegene Bewerber Jürgen Maas erzählt, wie sehr so eine etwas schmerzt.

Lospech kann ganz schön schmerzen, sagt Jürgen Maas. Foto: Christian Kaufels
Lospech kann ganz schön schmerzen, sagt Jürgen Maas. Foto: Christian Kaufels

Donaueschingen - Patt bei der Stichwahl im Donaueschinger Gemeinderat: Der neue beigeordnete Bürgermeister der Stadt Severin Graf verdankt seinen neuen Posten einem Losentscheid. Während er jubelt, ist der unterlegene Bewerber Jürgen Maas (54) aus Krefeld schwer geknickt. Wie kommt man mit so einer Niederlage zurecht?

Herr Maas, Sie sind erst beim Losen unterlegen. Haben Sie sonst ein bisschen mehr Glück im Spiel?

Nein, ich spiele normalerweise überhaupt nicht, jedenfalls keine Glücksspiele. Ich habe eher Glück in der Liebe. Das war ja auch der Grund dafür, mich in der Region umzusehen. Meine Lebensgefährtin wohnt in Hilzingen im Kreis Konstanz, ich bin Fachbereichsleiter Schule bei der Stadt Krefeld. Da kam diese interessante Stelle, und ich habe mich beworben.

Hat es Sie überrascht, als plötzlich die Lostrommel gerührt wurde?

Das steht so in der baden-württembergischen Gemeindeordnung, und die hatte ich mir zuvor natürlich angeschaut. Aber ich hatte nicht ernsthaft damit gerechnet, dass es dazu wirklich kommt, zumal die Mehrheitsverhältnisse ja etwas anderes nahegelegt hatten. Als es dann nach der Stimmengleichheit im zweiten Wahlgang ans Losen ging, fing das große Zittern an.

Im ersten Wahlgang lagen Sie noch vorne. Wie bitter ist eine solche Niederlage im Losentscheid?

Ich musste schon sehr schlucken. Ich hätte das sehr gerne gemacht und habe in Donaueschingen viele nette Menschen kennengelernt. Aber ich bin ein gläubiger Mensch und denke mir: Für irgendetwas wird es schon gut gewesen sein. Ich sitze hier in Krefeld ja fest im Sattel. Jetzt führt der Weg eben meine Partnerin eher hierher.

Im Fußball gibt es bei Unentschieden die Möglichkeit zum Elfmeterschießen, in der Kommunalpolitik bleibt nur der Losentscheid. Oder hätten Sie eine bessere Idee?

Nach meiner Rückkehr habe ich erst einmal in die Gemeindeordnung von Nordrhein-Westfalen geschaut und erstaunt festgestellt: Da steht das mit dem Losentscheid ja genauso drin. Vielleicht wäre es eine bessere Idee, bei Stimmengleichheit in der Stichwahl den Führenden der ersten Runde zum Sieger zu erklären. Aber das ist natürlich klar, dass ich das im Nachhinein lieber gehabt hätte. Gewiss hätte man auch noch einen weiteren Wahlgang machen können. Aber ob das etwas geholfen hätte, wenn die Fronten verhärtet sind, weiß ich natürlich auch nicht.