München bleibt für die Elftal ein gutes Pflaster. 36 Jahre nach dem Erfolg der Nationalmannschaft bei der Euro 1988 an selber Stelle haben sich die Niederlande eindrucksvoll zurückgemeldet. Gegen Rumänien gelang nach Toren von Cody Gakpo (20.) und Donyell Malen (83./90.) ein ungefährdeter 3:0-Sieg.
„Das war ein gutes Spiel von uns“, sagte der zum Spieler des Spiels gekürte Gakpo. „Es war wichtig, dass wir nach dem Österreich-Spiel eine Reaktion gezeigt haben. Wir haben viel über Angriffsaggressivität gesprochen und wie wir gemeinsam als Team verteidigen. Beides hat gut funktioniert.“ Ein Sonderlob für den Stürmer vom FC Liverpool hatte auch Nationaltrainer Ronald Koeman parat. „Es gibt nicht viele Spieler mit seinen Qualitäten. Er hat heute den Unterschied gemacht.“ Über die Leistung seines Teams zeigte sich der Bondscoach erleichtert. „Heute haben wir unser wahres Gesicht gezeigt.“
Eines der besten Achtelfinals dieser EM
Und das über fast 90 Minuten. Bislang hatten die Achtelfinals dieser Europameisterschaft ja eher fußballerische Magerkost bereitgehalten. Am Dienstag in München sah das anders aus. Von Beginn an entwickelte sich das, was sich Fußballfans unter einem K.O.-Spiel auf der großen Bühne auch erwarten durften. Ein Duell voller Tempo, Klasse und mit vielen Torraumszenen.
Daran hatte zunächst vor allem der Außenseiter seinen Anteil. Die Rumänen legten los wie die Feuerwehr. Angefeuert von frenetischen Fans mit furchteinflößend lauten „Romania“-Sprechchören ging es anfangs nur in Richtung des Tors von Bart Verbruggen. Mit geschickten Spielverlagerungen und mutigen Vertikalangriffen suchte die Tricolorii ihr Heil in der Offensive. Der 47. der Fifa-Weltrangliste bot damit das Kontrastprogramm zu anderen osteuropäischen Außenseitern wie Slowenien oder der Slowakei, die sich im Konzert mit den Großen – am Ende ebenso erfolglos – fast ausschließlich auf Laufarbeit und Toreverhinderung konzentrierten.
Die zuletzt so wankelmütige Elftal musste sich erst einmal schütteln. Kam dann aber schnell auf Touren – dank Cody Gakpo. Dem Angreifer reichte eine Körpertäuschung, um per Einzelaktion die Führung zu erzielen (20.). Es war der Auftakt für eine wilde Phase Marke Voetbal Totaal. Holland stürmte wie ein Nordsee-Orkan, Rumänien wankte. Xavi Simons vergab nur eine von zahlreichen Gelegenheiten zum 2:0 (44.).
Bondscoach Koeman kontert seine Kritiker
Koeman konnte in der Pause erst einmal durchatmen. Nach der 2:3-Niederlage gegen Österreich war der Bondscoach gefragt worden, ob er noch der Richtige sei. Seine Antwort: „Lassen sie uns die Frage nach dem Turnier beantworten.“ Jetzt, wo es darauf ankommt, scheint er seine Mannschaft auf Trapp gebracht zu haben. Gegen Rumänien funktionierten die vielen Einzelkönner, die in Summe einen Marktwert von 834 Millionen Euro aufweisen (Rumänien: 92 Millionen), als homogenes und spielstarkes Team. Vor allem das traditionell starke Flügelspiel im 4-3-3-System beeindruckte. Einziges Manko: Das Toreschießen. Teilweise slapstickartig ließ Oranje seine Chancen liegen, etwa durch Memphis Depay (52.).
Mit zunehmender Spieldauer wurde der Unterschied zwischen dem Europameister von 1988 und dem aktuellen Weltranglisten-47. dann aber immer deutlicher. Der 21. (!) Torschuss saß dann endlich. Dortmund Donyell Malen traf nach 83 Minuten zum 2:0. Gakpo hatte zuvor einem fast schon ins Seitenaus getrudelten Ball stark nachgesetzt. „Das zeigt, dass wir heute nie aufgegeben haben und immer dranbleiben wollten.“ Malen besorgte in der Nachspielzeit dann den 3:0-Endstand.
Fazit: Mit einem starken Auftritt haben sich die Niederlande in den Kreis der Titelfavoriten zurückgespielt. Am Samstag (21 Uhr) in Berlin gilt es die Leistung im Viertelfinale zu bestätigen. Und die Rumänen? Hatten bei dieser EM unterm Strich eine gute Zeit. Die Mannschaft – und ihre Fans genauso.