Niederlande Matjes in Not

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Starker Geruch, fettige Finger: Bei jungen Niederländern steht der Hering nicht mehr hoch im Kurs. Das soll sich ändern – dank eines neuen Images und neuer Rezepte.

Eine junge Niederländerin lässt sich einen Matjes schmecken. Foto: dpa
Eine junge Niederländerin lässt sich einen Matjes schmecken. Foto: dpa

Amsterdam - Der Hering ist das niederländische Nationalgericht. Als „Hollandse Nieuwe“ kommt er jedes Jahr ­Anfang Juni fangfrisch ans Land. Das erste Heringsfass wird im Hafen von Scheveningen versteigert – zu horrenden Preisen. Der stolze Käufer schenkt es dann König ­Willem-Alexander. Jetzt ist es wieder so weit. Die Heringssaison beginnt.   Überall im Oranjestaat finden ­wieder Herings­partys statt.

Als Matjeshering ist der niederländische Fisch, der in der Regel weit außerhalb der zu den Niederlanden gehörenden Nordseegewässer gefangen wird, auch im Ausland sehr beliebt. Vorausgesetzt, die Qualität stimmt und der Hering ist fett und zart. Es gibt auch eine typisch niederländische Art, den meist mit gehackten Zwiebeln und einer sauren Gurke garnierten Hering zu essen: Man packt den Hering mit den Fingern am Schwanz, hebt ihn hoch, lässt ihn kurz über dem Mund kreisen und schnappt dann herzhaft zu.

Es ist eine Zeremonie, den Hering in Holland so zu essen. Es ist Kult – aber anscheinend nicht mehr bei den jungen Niederländern. Die lassen den leckeren Hering nämlich immer öfter links liegen. Sie verzichten auf den Genuss des feinen Fisches, weil sie dessen Geruch nicht mögen, sich nach dem zeremoniellen Verzehr mit den Händen dringend irgendwo die Hände gründlich waschen müssen oder weil man einfach die feinen Gräten, die oft noch im frischen Hering sind, nicht mag.

Ein neues Image und neue Rezepte sollen den Hering wieder populär machen

Darum will das niederländische Fischbüro, Nederlands Visbureau, dem Hering jetzt ein neues Image und neue Zubereitungsweisen verpassen, damit der Fisch auch den Jugendlichen wieder schmeckt. „Denn 83 Prozent der Heringe werden von Menschen konsumiert, die älter als 50 Jahre sind. Bei Jugendlichen, den sogenannten Millennials, die also um das Jahr 2000 herum geboren sind, ist das Wort Hering sogar negativ besetzt“, weiß Agnes Leewis, Direktorin des Nederlands Visbureaus. „Deshalb nennen wir den ­Hering jetzt nur noch Hollandse Nieuwe, das umgangssprachliche Synonym für den Hering.“  

So startet das niederländische Fischbüro zum Auftakt der neuen Heringssaison jetzt eine große PR-Kampagne für den Silberling aus der Nordsee. Hering als Sashimi heißt das Motto, dazu ein passendes Plakat. Es zeigt eine elegant gekleidete Dame im Abendkleid mit Pelz auf einer Bank im Hafen, die mit einem Fischnetz drapiert ist. Die Dame isst   genüsslich mit Stäbchen Heringsröllchen, die als Sashimi zubereitet sind. Um sie herum stehen drei Männer im Fischer-Outfit, die ihr neugierig beim Heringessen zusehen.

So soll der niederländischen Jugend der Hollandse Nieuwe wieder schmackhaft gemacht werden: nicht als Matjes, sondern als leckerer Hering im japanischen Stil; und nicht mit den Händen, sondern mit Stäbchen konsumiert.

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