Niederlande – Ruinerwold und berühmte Vermisstenfälle Warten auf das Ende der Welt – Gruppe haust jahrelang im Keller

Von /dpa 

Ein verwirrter Mittzwanziger bittet in einer niederländischen Kneipe um Hilfe. Er habe neun Jahre in einem Keller gelebt. Die Polizei entdeckt sechs verwahrloste Menschen auf einem isolierten Bauernhof. Der Älteste von ihnen ist ein Österreicher.

Im Keller dieses abgelegenen Bauernhofes im Buitenhuizerweg 14 im niederländischen Ruinerwold hauste die seibebeköpfige Gruppe über Jahre völlig isoliert von der Außenwelt. Foto: AFP/Wilbert Bijzitter 8 Bilder
Im Keller dieses abgelegenen Bauernhofes im Buitenhuizerweg 14 im niederländischen Ruinerwold hauste die seibebeköpfige Gruppe über Jahre völlig isoliert von der Außenwelt. Foto: AFP/Wilbert Bijzitter

Ruinerwold - Total isoliert von der Außenwelt haben ein 58-Jähriger und sechs junge Leute gut neun Jahre lang im Keller eines Bauernhofes in den Niederlanden gehaust. Die Polizei entdeckte die Gruppe auf einem abgelegenen Bauernhof im Buitenhuizerweg 14 im 4000-Ort Ruinerwold, nordöstlich der Stadt Meppel in der Provinz Drenthe.

Bürgermeister von Ruinerwold: „So etwas habe ich noch nie erlebt“

Die Gruppe „lebte in sehr provisorischen Räumen“, sagt der Bürgermeister von Ruinerwold, Roger de Groot. Er nennt genauso wie die niederländische Polizei keine Details der Wohnung.

„So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Warum die Menschen dort so isoliert wohnten, ist unbekannt. Sie sollen auf „das Ende der Zeiten“ gewartet haben, berichten niederländische Medien.

Polizei entdeckt hinter Wohnzimmerschrank eine Kellertreppe

Niederländische Medien berichten, dass die Polizei hinter einem Schrank im Wohnzimmer eine Treppe entdeckt hatte, die in den Keller führte. Dort hätten der Mann und die jungen Leute gehaust.

In Österreich weckt der Fall Erinnerungen an den Fall Josef Fritzl, der vor elf Jahren aufflog. Der Mann hatte 24 Jahre lang seine Tochter in einen Keller im Bundesland Niederösterreich gesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Er wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Lesen Sie hier: Spurlos verschwundene Kinder und Jugendliche – Die vermissten Kinder

Spektakuläre Vermisstenfälle

August 2009

Die argentinische Polizei nimmt in der Provinz Corrientes einen 74-Jährigen fest, der seine drei Töchter und drei der sieben Inzestkinder, die er mit der heute 29-jährigen Tochter hatte, über mehr als 15 Jahre sexuell missbraucht haben soll. In den Medien erhält der Mann den Beinamen „Schakal von Corrientes“.

März 2009

In Turin in Italien wird eine 34-Jährige nach 22 Jahren Gefangenschaft befreit. Die Frau wurde 25 Jahre lang von ihrem Vater und ihrem Bruder vergewaltigt, mit zwölf Jahren sperrten diese das Opfer in eine dunkle Kammer und missbrauchten das Mädchen immer wieder. Das Opfer durfte das Zimmer zwar verlassen, war laut Staatsanwaltschaft aber psychisch vom Vater abhängig. Der 41-jährige Bruder soll auch seine eigenen vier Töchter vergewaltigt und misshandelt haben.

Januar 2009

Bei der Entbindung im Krankenhaus fliegt auf, dass eine 15-Jährige aus Ptuj (Pettau) in Slowenien von ihrem Vater geschwängert und jahrelang sexuell missbraucht worden ist. Der Mann sperrte das schwangere Mädchen im Haus ein.

September 2008

Eine 21-Jährige in Polen zeigt ihren Vater an, der sie sechs Jahre lang eingesperrt, missbraucht und zweimal geschwängert haben soll. Der 45-Jährige hielt seine Tochter offenbar jahrelang in einem Raum ohne Türklinke gefangen. Die Kinder brachte die Frau im Spital zur Welt, sie wurden zur Adoption freigegeben.

Mai 2008

In Argentinien überführt die Polizei einen 69-Jährigen wegen jahrelangem Missbrauch an einer seiner Töchter. Der argentinische Sexualtäter, der in den Medien als „Monster von Mendoza“ bezeichnet wird, sperrte seine Tochter zwischen deren elftem und 22. Lebensjahr in seinem Haus ein und zeugte mit ihr zwei Kinder.

April 2008

Ein Inzestfall in Amstetten in Österreich sorgt weltweit für Aufsehen: Eine 42-jährige Frau wird nach 24 Jahren Gefangenschaft im winzigen Keller ihres Vaters Josef Fritzl befreit. Der 74-Jährige misshandelte und vergewaltigte seine Tochter jahrelang und zeugte mit ihr sieben Kinder. Diese brachte die Frau ohne ärztliche Hilfe im Verlies zur Welt, drei davon lebten mit ihm und seiner Ehefrau in Freiheit, drei mit der Mutter in Gefangenschaft, ein Baby starb.

Fritzl wurde wegen Mordes, Vergewaltigung, Freiheitsentzug, schwerer Nötigung, Sklavenhandels, und Inzest angeklagt. Das Landgericht St. Pölten verurteilte ihn zu lebenslanger Haft mit anschließender Verwahrung in einer Anstalt für „geistig abnorme Rechtsbrechee“.

März 2007

Die südafrikanische Polizei befreit zwei Mädchen aus einem Erdloch, von denen eines mehr als zwei Jahre in der Gewalt ihres Peinigers war. Nach Angaben der Ermittler waren die beiden Kinder im Alter von vier und 14 Jahren Opfer eines Serientriebtäters. Der Mann hat behauptet, er sei der Vater der Mädchen.

September 2006

In Ungarn wird der Fall einer 27-Jährigen bekannt, die 13 Jahre lang von ihrem Vater, einem Gefängniswärter, gefangen gehalten und sexuell missbraucht wurde. Vor den Augen ihrer schwer kranken Mutter hatte der Vater sie regelmäßig vergewaltigt. Erst als der Mann starb, endete das Martyrium der Frau aus Budapest.

August 2006

Die 18 Jahre alte Wienerin Natascha Kampusch taucht nach acht Jahren wieder auf. Das Mädchen war im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg entführt und in einem Verlies unter der Garage seines Kidnappers Wolfgang Priklopil in Strasshof in Niederösterreich eingesperrt worden. Kampusch gelang in einem unbeobachteten Moment die Flucht, der Täter nahm sich am selben Tag das Leben.

Juni 2001

Ein achtjähriges Mädchen wird im US-Bundesstaat Texas vier Jahre lang von den Eltern in einem Kasten eingesperrt. Die Polizei findet das halb verhungerte Kind in einem rund 180 mal 80 Zentimeter großen Möbelstück in ihrem Elternhauses bei Dallas gefunden. Das Mädchen wiegt nur 12,5 Kilogramm, ist von Läusen übersät und liegt inmitten von Unrat, Urin und Kot.

Februar 2001

Eine 27-jährige Österreicherin, die als 18-Jährige in Linz von einer Pflegefamilie aufgenommen worden war, wird nach neun Jahren Gefangenschaft und Missbrauch durch ihren Pflegevater befreit. Sie lebte in einem Besenkammerl ohne Bett. Die junge Frau muss Zeitungen austragen, den Lohn dafür kassiert die Pflegefamilie.

August 1996

80 Tage lang wird Sabine Dardenne im Keller des Hauses von Marc Dutroux in Marcinelle gefangen gehalten, bis die Polizei ihr Martyrium beendet. Die damals Zwölfjährige war auf dem Weg zur Schule gewesen, als sie der belgische Kinderschänder zusammen mit einem Komplizen vom Fahrrad riss.

Juli 1996

Der Fall „Maria K.“ wird bekannt: Ein Wiener Ehepaar hielt ihre geistig etwas zurückgebliebene 23-jährige Adoptivtochter „wie ein Tier“ in einer sargähnlichen Holzkiste in einem nicht beheizten Abstellraum. Schon im Alter von 15 wird das Mädchen mit mehreren unbehandelten Knochenbrüchen und Erfrierungen ins Spital eingeliefert. Maria K. muss das gesamte Jahr im Garten leben.