Niedrigwasser im Rems-Murr-Kreis Zu trocken: Landkreis ruft zum Wassersparen auf
Wenig Regen, sinkende Pegel und ungewöhnlich warme Gewässer setzen Flüsse, Bäche und Grundwasser unter Druck. Das Landratsamt bittet die Bürger um Vorsorge.
Wenig Regen, sinkende Pegel und ungewöhnlich warme Gewässer setzen Flüsse, Bäche und Grundwasser unter Druck. Das Landratsamt bittet die Bürger um Vorsorge.
Trotz des Regens am Wochenende bleibt die Wasserlage im Landkreis angespannt. Das Landratsamt warnt vor einer zunehmenden Niedrigwasserlage und ruft die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sparsam mit Wasser umzugehen. Hintergrund sind die seit dem Winterhalbjahr ausbleibenden Niederschläge, sinkende Pegelstände in Flüssen und Bächen sowie steigende Wassertemperaturen, heißt es in einer Mitteilung der Behörde.
Nach Angaben des Niedrigwasser-Informationszentrums Baden-Württemberg verzeichnen landesweit derzeit 17 Prozent der Messstellen sehr niedrige Wasserstände. Weitere sieben Prozent liegen sogar im Bereich extrem niedriger Wasserstände. Besonders betroffen ist aktuell der Südosten Baden-Württembergs.
Am Neckar werden derzeit moderat niedrige Abflüsse gemessen. Deutlichere Defizite zeigen sich bereits an den Zuflüssen der Donau sowie in südöstlich angrenzenden Einzugsgebieten. Hält die trockene Wetterlage an, könnte sich die Situation auch in den nördlichen Landesteilen verschärfen.
Selbst Niederschläge in den kommenden Tagen würden die Lage voraussichtlich nur kurzfristig entspannen. Wegen des trockenen Winterhalbjahrs steigen die Wasserstände zwar vorübergehend an, sinken bei ausbleibendem Regen aber rasch wieder auf ein niedriges Niveau.
Auch das aktuelle hydrologische Jahr, das vom 1. November 2025 bis zum 31. Oktober 2026 läuft, fällt bislang deutlich zu trocken aus. Bis Ende April wurden 305 Millimeter Niederschlag gemessen. Das langjährige Mittel liegt bei 431 Millimetern.
Besonders deutlich zeigt sich das Defizit im April. In diesem Monat fielen lediglich 18 Millimeter Regen. Das entspricht rund 77 Prozent weniger als dem Monatsmittel von 76 Millimetern. Der April 2026 zählt damit zu den trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch der Mai blieb bislang mit 50 Millimetern deutlich unter dem üblichen Wert von rund 96 Millimetern.
Zusätzlich belastet werden die Gewässer laut der Behörde durch ungewöhnlich hohe Temperaturen. Ende Mai liegen die Wassertemperaturen an allen Gütemessstationen im Land über dem Durchschnitt. Teilweise wurden bereits neue Rekordwerte erreicht, unter anderem an der Murr, am Kocher und an der Donau.
Für die Gewässerökologie ist diese Kombination problematisch: Geringe Abflüsse bedeuten weniger Wasser im Flussbett, hohe Temperaturen verringern zusätzlich die Belastbarkeit der Gewässer. Pflanzen und Tiere in Bächen und Flüssen geraten dadurch stärker unter Druck.
Ein weiterer Hinweis auf die angespannte Lage ist die klimatische Wasserbilanz. Sie setzt Niederschlag und potenzielle Verdunstung ins Verhältnis und zeigt damit, wie viel Wasser in einem Gebiet zur Verfügung steht. Von November bis April beträgt dieser Wert im laufenden hydrologischen Jahr nur rund 119 Millimeter. Der Durchschnitt liegt bei 277 Millimetern.
Im Bezugszeitraum von 1991 bis 2026 war die klimatische Wasserbilanz bis Ende April noch nie so niedrig.
Auch beim Grundwasser zeigt sich die Trockenheit. Die Grundwasserstände und Quellschüttungen lagen im April 2026 landesweit auf mittlerem bis leicht unterdurchschnittlichem Niveau. Seit März gehen die Werte zurück, in der zweiten Aprilhälfte hat sich dieser Rückgang vielerorts deutlich verstärkt.
Die Sickerwasserraten nahmen ab, die Grundwasserneubildung blieb unter dem langjährigen Durchschnitt. Während der Oberboden im April zunehmend austrocknete, verfügten tiefere Bodenschichten Anfang Mai noch über Reserven. Beispielhaft nennt das Landratsamt sinkende Grundwasserstände um 1,55 Meter in der Heilbronner Mulde und um 2,26 Meter in den Ellwanger Bergen.
Die öffentliche Wasserversorgung gilt derzeit als gesichert. Dennoch weist das Landratsamt darauf hin, dass geringe Niederschläge, fallende Grundwasserstände und steigende Wassertemperaturen die Anfälligkeit für sommerliche Trockenphasen erhöhen.
Sollte sich die Situation weiter verschlechtern, könnte das Landratsamt auch in diesem Jahr die Wasserentnahme einschränken. Darüber werde zu einem späteren Zeitpunkt informiert.
Informationen zur landesweiten Niedrigwasserlage stellt das Niedrigwasser-Informationszentrum der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg unter der Adresse https://niz.baden-wuerttemberg.de bereit.