Nierenspende Ein Teil von ihr

Simone Bürkle Foto: Michael Steinert
Simone Bürkle Foto: Michael Steinert

Die StZ-Mitarbeiterin Simone Bürkle hat ihrem Mann Reiner eine Niere gespendet. Wie geht es dem Ehepaar zehn Wochen nach der Operation?

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)
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Leinfelden-Echterdingen - Die Niere ist weg. Kein Tag, an dem Simone Bürkle nicht daran denkt. Es ist ja noch kein Vierteljahr her. Jetzt sitzt sie mit ihrem Mann Rainer auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer in Echterdingen. Wenn sie das T-Shirt hochschiebt, ist eine Narbe zu sehen. Der Schnitt der Chirurgen zieht sich oberhalb der linken Hüfte entlang. Sie ziept ab und zu.

Nach der Operation kam die Traurigkeit. Es gab Momente, in denen sie um die Niere weinte. Momente, in denen sie es bereute. Heute sagt die 37-Jährige: „Es war die beste Entscheidung.“

Ein Blick zurück. Anfang Mai sitzen die Bürkles ebenfalls auf ihrem Sofa und halten Händchen. Das gleiche Bild – bis auf einen unsichtbaren Unterschied. Simone Bürkle hat noch beide Nieren, und ihr Mann hat keine. An der rechten ist ihm ein Tumor gewachsen, an der linken eine Zyste. Die Ärzte mussten beide entfernen. Seit September 2012 lebt er ohne Niere. Das geht, aber nicht für immer und ewig. Deshalb wird seine Frau ihm eine ihrer Nieren schenken.

Rainer Bürkle kann es kaum abwarten, malt sich schon aus, wie es sein wird, wenn in seinem Körper wieder eine Niere arbeitet. Der 39-Jährige wirkt aufgekratzt und vorfreudig. Seine Frau ist stiller, nachdenklicher. Eine Transplantation ist ein elementarer Eingriff. „Für mich bringt sie keine Verbesserung“, sagt sie. Aber für ihn. Lebensqualität ist während der vergangenen Monate mehr und mehr zum Fremdwort verkommen. Das wollen sie ändern.

Die Bürkles haben sich 1995 kennengelernt, 2002 geheiratet. Sie sagen, sie würden alles für einander tun. Irgendwie finden sie den bevorstehenden Organtausch sogar romantisch. Die Entscheidung, ihm eine Niere zu spenden, hat sie trotzdem nicht von heute auf morgen gefällt. Zumal sie ja zwei kleine Kinder haben, David und Carolina. Allein ihretwegen ist eine Transplantation von Mama zu Papa nicht ohne.

Seltene Stoffwechselkrankheit

Rainer Bürkle hat Morbus Fabry, eine seltene Stoffwechselkrankheit. Das wissen sie seit 2003 und haben es zunächst einfach zur Kenntnis genommen. „Wir haben die Krankheit total unterschätzt“ , sagt Simone Bürkle. Doch ihrem Mann geht sie an die Nieren. Morbus Fabry ist eine Erbkrankheit, das Krebsrisiko und die Wahrscheinlichkeit für Schrumpfnieren steigen. Rainer Bürkle hat außerdem einen Herzschrittmacher. Seit Februar 2011 ist der Installateur erwerbsunfähig.

In der Familie von Rainer Bürkle hat es mehrere erwischt. Seine Mutter ist an den Folgen von Morbus Fabry gestorben. Seine fünfjährige Tochter Carolina hat es auch, doch dank der frühen Diagnose können Medikamente verhindern, dass die Krankheit Probleme macht. Simone Bürkle hatte auch ihre Tochter im Kopf, als sie über die Organspende nachdachte. Sollte sie die Niere nicht lieber für sie aufbewahren? „Das sind Fragen, da zieht’s dir echt die Schuhe aus“, sagt sie.

Die Eltern gehen offen mit dem Problem um. Die Kinder wissen, dass ihr Vater krank ist. Sein Nierenschaden und die Transplantation sind überall im Hause Bürkle. Beim Abendbrot stehen die Tabletten neben dem Babybel-Käse. Auf dem Telefonschränkchen liegt der neueste Transplantationsreport der Uniklinik Tübingen. Als Simone Bürkle die Kinder ins Bett bringt, sagt sie: „Heute ist Dialysetag.“ Für den sechsjährigen David bedeutet das, dass er die Gute-Nacht-Geschichte aussuchen darf.




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