Schon in den Preisverfahren der Landesverbände siegreich
Der BDA vergibt seinen höchsten Architekturpreis Nike, benannt nach der antiken griechischen Siegesgöttin, alle drei Jahre und würdigt Architekten und Bauherren für herausragende Beiträge zu Architektur und Städtebau. Nominiert werden hierfür Bauten, die zuvor in Preisverfahren der BDA-Landesverbände erfolgreich waren, weshalb die Nike auch gern als „Preis der Sieger“ oder „Architektur-Oscar“ bezeichnet wird. Beim letzten Nike-Architekturpreis 2019 konnten weder Stuttgart noch das Land Baden-Württemberg eine Auszeichnung ergattern.
Geschickte Kombi aus Bestands- und Neubau
Beim diesjährigen Auszeichnungsverfahren standen 22 Bauten auf der Shortlist. Vergeben werden Niken in den Kategorien Symbolik, Atmosphäre, Fügung, Komposition, soziales Engagement und Neuerung. Ein Bauwerk, das allen Preiskategorien in besonderer Weise gerecht wird, erhält die Große Nike, eine Plastik des Bildhauers Wieland Förster. Das 2022 mit dem Hauptpreis bedachte Jüdische Museum in Frankfurt umfasst neben der Erweiterung des bisherigen Museums auch die Sanierung des historischen Palais. Das Projekt inszeniere mit „einer geschickten Kombination aus Bestands- und Neubau“ gleichzeitig eine „ öffentliche wie intime urbane Bühne“, heißt es in einer Mitteilung des BDA.
„Das im historischen Palais am Main untergebrachte Jüdische Museum hat mit seinem Erweiterungsbau eine verblüffende und selbstverständlich wirkende städtebauliche Neuorientierung erfahren. Das Jüdische Museum steht für den Wunsch, trotz aller Schwierigkeiten in einer noch immer interkulturell mit sich hadernden Gesellschaft möglichst unbeschwerten Raum für Begegnung zu schaffen“, urteilte die Jury unter dem Vorsitz der Architektin Marika Schmidt.
Souveräne, stimmige Komposition
Eine ebenfalls überaus gelungene „Sorge um den Bestand“ kennzeichnet in den Augen der Jury das Museums- und Kulturforum Südwestfalen in Arnsberg – Bez + Kock Architekten können sich deshalb über die Nike für Komposition freuen. Der „hochskulpturale Erweiterungsbau“ eines barocken Palais setze „ein klares architektonisches Zeichen der Gegenwart, ohne Bedeutung und Dominanz des Bestandsbaus in der Stadtsilhouette in Frage zu stellen“. In der „ sehr souveränen, stimmigen Komposition des Ensembles“ erkannte die Jury zudem „großes Kino der zeitgenössischen Architektur“.
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Die vom Münchner Büro Burger Rudacs Architekten entworfene John-Cranko-Schule erhielt die Nike für Atmosphäre und wurde von der Jury als eine „gebaute Bühne für den Menschen gewürdigt. Der Entwurf entwickle sich ganz aus der Topografie; neben der „Baukörperlichkeit“ besteche „die klare Materialästhetik, die das Gebäude nicht nur zusammenhält, sondern auch atmosphärische An-, Aus- und Aufblicke“ schaffe, so die Jury. Und weiter: „Die Klarheit des Außenbaus setzt sich innenräumlich nahtlos fort und sorgt dort für reiche und sinnliche architektonische Qualitäten.“ Die John-Cranko-Schule gehörte zu den zehn Siegerbauten des Hugo-Häring-Landespreises 2021.
Die Nike für Neuerung ging an die Forschungshäuser Bad Aibling von Florian Nagler Architekten aus München; das Verwaltungsgebäude mit Dachgewächshaus in Oberhausen von Kuehn Malvezzi aus Berlin erhielt die Nike für Symbolik. Mit dem Projekt San Riemo von Summacumfemmer und Büro Juliane Greb aus Leipzig, das bereits mit dem DAM-Preis 2022 ausgezeichnet worden war, gewann ein „beispielhaftes Wohnexperiment“ die Nike für Soziales Engagement. Mit der Nike für Fügung wurde die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin geehrt, der Entwurf stammt vom Büro Ortner & Ortner Baukunst aus Berlin. Der Sonderpreis „Klassik-Nike“ bescheinigt der Wohnanlage Genter Straße 13 in München (1969-72 von Otto Steidle mit Doris und Ralph Thut), sich über Jahrzehnte in der Nutzung bewährt zu haben.
Nicht zu Nike-Preisehren kam die Bücherei in Kressbronn am Bodensee vom Stuttgarter Büro Steimle Architekten, die in der Kategorie Symbolik den Sprung auf die Shortlist geschafft hatte.