Niko Kappel vom VfB Stuttgart Verschnupft zum WM-Titel

Jubelsprünge in Japan: Niko Kappel nach seinem Gold-Coup bei der WM in Kobe. Foto: Imago/Marcus Hartmann

Der kleinwüchsige Kugelstoßer aus Welzheim gewinnt bei der Para-WM erstmals seit 2017 wieder die Goldmedaille. Zwei seiner drei großen Ziele für diese Saison hat Niko Kappel damit erreicht – nun geht es zu den Paralympics nach Paris.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Zur Weltspitze gehört Niko Kappel (29) nun ein Jahrzehnt lang, die ganz großen Siege feierten in der jüngeren Vergangenheit aber eher andere. Weshalb der kleinwüchsige Kugelstoßer vom VfB Stuttgart fest entschlossen ist, 2024 zu seiner Saison zu machen. Bisher geht dieser Plan perfekt auf. Vor eineinhalb Wochen übertraf Niko Kappel in Hechingen erstmals die 15-Meter-Marke, und nun darf sich der Weltrekordler (15,07 Meter) auch wieder Weltmeister nennen: An diesem Montag holte sich der Welzheimer bei der Para-WM im japanischen Kobe die Goldmedaille. „Nach sieben Jahren endlich erneut ein Titel“, jubelte Kappel, der letztmals bei der WM 2017 in London triumphiert hatte, „ich bin so erleichtert.“ Nun bleibt ihm noch ein großes Ziel – die Paralympics im September in Paris.

 

Auf diesen letzten Höhepunkt im Sommer 2024 wird sich Kappel in den nächsten Wochen vorbereiten. Erst einmal gilt es aber zu verarbeiten, was in Japan passiert ist. Schließlich hatte der Wettkampf zwar das erhoffte Ende, optimal gelaufen ist er allerdings nicht.

Auf dem Flug nach Fernost hatte sich Niko Kappel erstmals einen Platz in der Businessklasse gegönnt, um möglichst gut erholt anzukommen. Das funktionierte jedoch nicht wie vorgesehen: Der WM-Favorit erkältete sich auf der Reise, er ging stark verschnupft und heiser an den Start. Im Kugelstoßring tat er sich dann entsprechend schwer, auf Temperatur zu kommen.

Niko Kappel: „Nur der Titel zählt.“

Bei idealen äußeren Bedingungen begann Kappel den Wettkampf in der Klasse F 41 der Kleinwüchsigen mit einem Stoß auf 13,30 Meter. Sein größter Konkurrent, der Titelverteidiger Bobirjon Omonov (Usbekistan), kam im ersten Versuch lediglich auf 12,81 Meter, Sicherheit gab dies allerdings nicht. Im zweiten und dritten Durchgang steigerte sich Kappel zwar auf 13,71 Meter und 13,77 Meter, verlor jedoch die Führung an Omonov: Die Kugel des Paralympics-Siegers von 2021 landete im dritten Versuch bei 14,11 Meter. Doch Niko Kappel hatte die passende Antwort: Im vierten Versuch flog seine Kugel auf 14,23 Meter. Omonov versuchte zwar, noch einmal zu kontern, das gelang dem Usbeken aber nicht – woraufhin sich der VfB-Athlet eine Deutschland-Fahne schnappte und jubelnd durch das Stadion von Kobe hüpfte, allerdings ohne allzu laute Siegesschreie. „Die Nase ist zu, die Stimme weg“, sagte Kappel, nachdem er zum zweiten Mal nach 2017 WM-Gold gewonnen hatte, „ich habe lange gebraucht, bis ich in den Wettkampf reingekommen bin. Mit meiner Leistung bin ich nicht zufrieden, denn durch den Weltrekord vor wenigen Tagen weiß ich, dass ich mehr draufhabe. Aber bei Meisterschaften zählt nur der Titel.“

Nicht ganz so gut lief es für Jannis Fischer, den zweiten kleinwüchsigen Kugelstoßer vom VfB Stuttgart. Dem Weltmeister von 2023 (Startklasse F 40) gelang es nicht, diesen Coup zu wiederholen. Nach einem schwierigen Winter, in dem er wegen einer Rückenverletzung nicht wie erhofft trainieren konnte, ist er von seinem damaligen Niveau noch ein Stück entfernt. Yannis Fischer gelang zwar im sechsten und letzten Versuch eine persönliche Saisonbestleistung, letztlich verfehlte er als Viertplatzierter mit 10,42 Metern das Treppchen aber um 40 Zentimeter. Gold holte der unter neutraler Flagge startende Russe Denis Gnezdilov mit 11,36 Metern.

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