Stuttgart - Sie sorgen für Ärger, etwa Wildgänse wie die Nilgans, die in Parks und Freibädern Kot hinterlassen. Oder sie verdrängen heimische Tierarten, wie beispielsweise die sogenannten Killerkrebse die einheimischen Krebse. Manche können bisher unbekannte exotische Krankheit übertragen, wie die Tigermücke das Dengue-Fieber. Oder sie richten massive wirtschaftliche Schäden an, etwa die Quaggamuschel, die im Bodensee die Wasserwerke bedroht. Sie können aber auch ganz einfach die Natur und Städte bereichern, wie es die Gelbkopfamazonen in Stuttgart tun.
Keine Frage: Wenn neue Tierarten – von den Zoologen Neozoen genannt – in eine Region einwandern, dann müssen sie sich dort einen Platz erkämpfen. Und das geht oft wenig friedlich ab, schließlich besiedeln sie ja keinen leeren Raum. Manche der tierischen Migranten profitieren von Veränderungen, etwa vom Klimawandel. Andere nutzen menschliche Transporte als willkommenes Taxi, um in Regionen vorzudringen, die sie aus eigener Kraft nie erreichen würden. Wieder andere sind absichtlich oder versehentlich von Menschen ausgesetzt worden oder aus der Gefangenschaft entkommen und vermehren sich nun in freier Wildbahn.
Menschen spielen bei der tierischen Migration eine Rolle
Tierische Migranten hat es schon immer gegeben – das ist genauso natürlich wie nützlich: So können etwa Gebiete nach einer Naturkatastrophe neu besiedelt werden. Doch inzwischen spielt der Mensch eine immer größere Rolle. Definitionsgemäß handelt es sich bei Neozoen um Tierarten, die nach der Entdeckung Amerikas 1492 in neue Regionen gelangten. Handel und Transport spielen dabei eine überragende Rolle.
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Die allermeisten Arten, die auf diese Weise zu uns gekommen sind, verhalten sich hierzulande unauffällig und integrieren sich gut in die bestehenden Ökosysteme. Und sie bereichern die Artenvielfalt. Doch es gibt auch sogenannte invasive Arten – also Tiere, die nicht nur lästig sind, sondern auch unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben. Zudem können sie wirtschaftlichen Schaden anrichten oder die Gesundheit gefährden. Um sie ging es beim diesjährigen baden-württembergischen Landesbiologentag, der kürzlich coronabedingt online abgehalten wurde.
Die wenigsten Neuankömmlinge sind wirklich schädlich
Dabei wurde aber auch klar, dass die wenigsten Neuankömmlinge wirklich schädlich sind: In Deutschland gelten nur etwa 14 Prozent der 146 etablierten wild lebenden Wirbeltierarten als invasiv. Wirkungsvolle Handlungskonzepte können die damit verbundenen Gefahren verringern.
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Doch Experten wie Ingo Kowarik von der Technischen Uni Berlin warnen vor Panik und Aktionismus: „Es ist besser, sich auf diejenigen Fälle zu konzentrieren, bei denen man wirklich etwas erreichen kann.“ Bei den Krebsen etwa geben die Biologen den Kampf noch nicht verloren. Massive Sperren und andere Maßnahmen sollen verhindern, dass die Killerkrebse – Kalikokrebse – in die Rückzugs-Biotope der hiesigen Krebsarten eindringen.
Welche Tiere hier in den vergangenen Jahren eingewandert sind und wie gefährlich oder harmlos sie sind, erfahren Sie in unserer Bildergalerie.