Nils Herzberg aus Stuttgart Mit ganzem Herzen auf dem Squash-Court

Voller Fokus auf den Ball: Nils Herzberg beim Training im Pink Power in Böblingen Foto: Baumann/Alexander Keppler

Der 17-jährige Nachwuchsspieler betreibt einen enormen Aufwand für eine Sportart, deren Hochzeit Jahrzehnte zurückliegt. Warum? Und wie sind die Aussichten?

Auto-Team: Rouven Spindler (rsp)

Wenn sich Jens Herzberg und sein Sohn Nils gegenübersitzen und über Squash sprechen, dann kommen einige Themen auf, die sie mit dem Sport verbinden. Anekdoten, die Konkurrenz, bekannte Namen der Szene, Turniere und vieles mehr. Rauszuhören ist dabei die große Squash-Begeisterung – die bei den Herzbergs mit großem Aufwand verbunden ist.

 

Sechsmal pro Woche zieht es den 17-jährigen Nils mittlerweile ins Squash-Training, dreimal ins Fitnessstudio. Die ersten Versuche in der von Wänden umgebenen Spielfläche liegen rund zehn Jahre zurück. „Wir haben ihn schon als Baby mit in die Anlage genommen. Irgendwann hat er es ausprobiert. Er hat sich auch noch geschickt angestellt, und dann hat es ihm Spaß gemacht“, erinnert sich Vater Jens Herzberg, seit rund 40 Jahren Squash-Spieler und einer der Trainer seines Sohnes.

Nils Herzberg: „Ich opfere sehr gerne meine Zeit dafür“

Der ist 2021 von den in Gerlingen beheimateten Squash Devils zur Sport-Insel Stuttgart zurückgekehrt. Mit deren drittem Team beendete er die Oberliga-Saison im Mai auf Platz zwei. In der Bundesliga greift er künftig nicht mehr für die Sport-Insel, sondern für den niedersächsischen SC Hasbergen zum Schläger. „Da hat er insgesamt bessere Chancen, eingesetzt zu werden, weil sie nicht auf die deutsche Meisterschaft schielen“, begründet Jens Herzberg, der mit seiner Familie im Süden der Landeshauptstadt lebt, den Mannschaftswechsel. Seit 2022 läuft sein Sohn zudem in der Schweiz für den SC Vaduz aus Liechtenstein auf.

Schon diese Mehrfachbelastung zeigt den immensen Aufwand, den Nils Herzberg betreibt. „Ich opfere sehr gerne meine Zeit dafür“, versichert der Stuttgarter, „ich glaube, wenn ich das nicht machen würde, wäre mein Leben echt langweilig. Ich freue mich mittlerweile sehr auf das Training. Früher war das vielleicht nicht so, aber jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, an dem es mir sehr viel bedeutet zu trainieren.“ Zudem weiß er mittlerweile: „Um gut zu sein, reicht es nicht, nur ein bisschen Squash zu spielen. Man muss noch ganz viele andere Sachen machen.“

Die Sportart fordert vollen Körpereinsatz. Es gilt – meist im Eins-gegen-eins –, den Ball mit dem Schläger abwechselnd gegen die Frontwand zu spielen. Bestenfalls so, dass dieser zweimal auf dem Boden aufkommt, bevor der Gegner zum Zug kommt.

Das gelingt Nils Herzberg schon seit Jahren. Die Nummer 22 der Herren-Rangliste des Deutschen Squash-Verbands (DSQV) erreichte vor einigen Wochen den Rang fünf bei der U19-Meisterschaft, wenig später wurden es Platz elf beim Ranglistenturnier in Karlsruhe sowie Platz fünf im PSA-Closed-Satellite-Turnier im schweizerischen Uster. Von diesem Donnerstag an tritt Nils Herzberg bei dem Italian Junior Open in Riccione an. Der engeren Auswahl des deutschen Nationalkaders gehört er seit der U17 an. Und selbst die unfreiwillige Coronapause konnte ihn nicht stoppen.

Wenn die Not erfinderisch macht

Die hatte dem Teenager irgendwann zu lange gedauert, sodass er zusammen mit seinem Vater einen improvisierten Court kreierte. Mit Kreide zeichneten sie die Markierungen ein, eine Mauer vervollständigte die Spielfläche. Das Problem bei den damals winterlichen Temperaturen: Die Bälle wurden nicht weich und flogen regelmäßig ins Gebüsch statt an die Wand. Doch auch hier gab es Abhilfe in Form von vielen neuen Bällen – Patrick Gässler hatte den Vorrat vorbeigebracht.

Der ist neben seinem Vater und dem Weltklasseathleten Mostafa Asal nicht nur ein weiteres Vorbild von Nils Herzberg, sondern war auch der zentrale Förderer der noch jungen Karriere. Der Ex-Spieler aus Leonberg, der national und international Erfolge sammelte, ist als Trainer tätig und erkannte damals bei den Squash Devils das Potenzial, das in Nils Herzberg steckt. Im Einzeltraining formte der heute 38-Jährige das Talent über Jahre. „Er hat mich zu dem gemacht, der ich jetzt bin“, drückt der Zwölftklässler der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule, der im kommenden Jahr sein Abitur schreiben wird, seine Dankbarkeit aus.

Schwieriger Weg nach vorne in der Weltrangliste

In dieser Zeit hat er auch eine Entwicklung seines Spielstils beobachten können: „Seit drei, vier Jahren bin ich eher der ruhige Typ. Früher war ich schon eher exzentrisch“, so der U19-Akteur, der mittlerweile einen Mentalcoach und mit dem Landestrainer und Nationalspieler Valentin Rapp auch einen neuen Einzeltrainer an seiner Seite hat. Diese Neuaufstellung zeigt, wie professionell Nils Herzberg seinen Sport betreibt. Als alleiniges Standbein sieht er ihn aber auch in Zukunft nicht.

„Das finde ich nicht sinnvoll“, sagt der Schüler, der weiß, dass es aus finanzieller Sicht allein mit dem Squash schwer werden würde. „Ich glaube, um ganz nach oben zu kommen, müssten die Bemühungen und der Einsatz noch viel höher sein, als sie es jetzt schon sind“, ergänzt sein Vater.

Das Problem sei die Weltrangliste der Professional Squash Association (PSA), in der Nils Herzberg derzeit 464. ist. In viele Turniere, durch die Spieler ihre dortige Platzierung verbessern können, „kommst du aufgrund der schlechten Position nicht rein. Das ist eine Katze, die sich in den Schwanz beißt. Du müsstest irgendwo hingehen, wo du reinkommst. Das ist dann nicht in Deutschland“, sagt der 57-Jährige. Optimistisch in die Squash-Zukunft zu blicken ist also nicht gerade einfach.

Konkurrenzsportarten wie Padel-Tennis oder Pickleball kommen auf – und das Regelwerk sei „ein Hemmnis für die Popularität“, so Jens Herzberg. Zudem ist Squash noch immer nicht olympisch, wodurch Fördergelder fehlen. Für die Aufnahme zum übernächsten Turnier 2028 besteht bei dem langjährigen Spieler zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer – und für seinen Sohn lebt der Traum von einer Teilnahme.

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