Nils Schmid Der Zuhörminister und das „Elterngeschrei“

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Der Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid spricht immer mal wieder von „Elterngeschrei“. So nennt er die Proteste gegen Kürzungen im Schulbereich. Die Wortwahl hat bisher niemand gestört. Doch jetzt ist auf einmal alles anders.

Die Elternverbände sind sauer auf „Superminister“ Schmid – wegen dessen Wortwahl im Streit um Lehrerstellen. Foto: Michael Steinert
Die Elternverbände sind sauer auf „Superminister“ Schmid – wegen dessen Wortwahl im Streit um Lehrerstellen. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Eigentlich sollte Nils Schmid (SPD) nur ein Grußwort halten kürzlich beim Jahresempfang der Deutschen Bank in Stuttgart. Doch der Finanz- und Wirtschaftsminister unternahm einen 45-minütigen Streifzug quer durch die Landespolitik. Irgendwann kam er auch zum Bildungswesen und schilderte dem Publikum seinen Kummer: Da lasse man trotz Schülerrückgang Tausende von Lehrerstellen im System, doch das „Elterngeschrei“ wegen der Unterrichtsausfälle sei so groß wie früher. Dreimal fiel der Ausdruck insgesamt, auch in der Version „Geschrei der Eltern“.

Die Proteste besorgter Mütter und Väter – bloß Geschrei, also übertriebene Aufregung? Abfällig sei das nicht gemeint gewesen, versicherte Schmid der StZ. Die Kritik der Eltern sei ja berechtigt, man nehme sie durchaus ernst. An der Lösung des Problems, einem effizienteren Personaleinsatz, werde gearbeitet.

Abfällig oder wertschätzend oder umgangssprachlich?

Landauf, landab verwende er den „Geschrei“-Passus in seinen Reden, berichtete der Minister, aber noch nie habe jemand daran Anstoß genommen. Nun aber erntet er ein überaus kritisches Echo. „Ich bin bestürzt über diese Ausdrucksweise“, sagt Theo Keck, der Vorsitzende des Landeselternbeirates. Ausgerechnet die Landesregierung, die eine „Politik des Zuhörens“ propagiere, tue berechtigte Elternbeschwerden als „Geschrei“ ab? Das lasse Zweifel aufkommen, ob sie das Problem an den Schulen wirklich erkannt habe. Wenn Schmid es nicht abfällig gemeint habe, spöttelt Keck, möge man ihm bitte erklären, was an dem Begriff „wertschätzend“ sein solle.

Auch der neue Kultusminister Andreas Stoch (SPD) geht vorsichtig auf Distanz zu seinem Parteichef. Äußerungen von Kabinettskollegen kommentiere er grundsätzlich nicht, ließ Stoch seinen Sprecher ausrichten. Doch der dann folgende Satz war auch eine Art Kommentar: „Die Eltern, denen ja die Zukunft des Landes besonders am Herzen liegt, sind besonders wichtige Ansprechpartner für das Kultusministerium.“ Ob er selbst von Geschrei sprechen würde? Diese Frage ließ der Ressortchef unbeantwortet. Der „Superminister“ Schmid gibt sich derweil einsichtig. Vielleicht sei „Geschrei“ ja wirklich etwas „umgangssprachlich“. Wenn der Ausdruck als unpassend empfunden werde, wolle er künftig darauf verzichten.

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