Nina Gnädig in „Tschappel“ „Vieles kann man so nur auf Schwäbisch sagen“

Nina Gnädig lässt sich als Tante Gabi in „Tschappel“ nichts gefallen. Foto: ZDF/Conrad Lobst

Schauspielerin Nina Gnädig ist auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen und hat bei „Soko Stuttgart“ mitgespielt. In der ZDF-Serie „Tschappel“ darf sie zum ersten Mal schwäbeln.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Carolin Klinger (klic)

Tante Gabi wohnt bei ihrem Bruder, tanzt betrunken auf der Abifeier ihres Neffen und lässt sich von einem ehemaligen Liebhaber Unterhalt für ein Kind bezahlen, das es gar nicht gibt. Als ihr Neffe sie mit dem Auto nach Hause fahren will, muss sie sich zunächst übergeben. „Bloß ein kleiner TZK“, kommentiert sie fröhlich. Was so viel heißt wie: Taktischer Zwischen-Kotzer. Kurz: Tante Gabi ist nicht gerade das, was man als Vorbild bezeichnen würde. Und doch sagt Schauspielerin Nina Gnädig: „Ich würde uns allen mehr Tante Gabis wünschen. Im Fernsehen, aber auch im echten Leben.“ Für die Schauspielerin ist ihre Rolle in der ZDF-Serie „Tschappel“ ein Geschenk: „Es ist eine Figur, wie man sie sich nur wünschen kann: in der ich alles ausprobieren, alles, was ich je gelernt habe, einbringen kann.“

 

Allem voran den schwäbischen Dialekt, den Nina Gnädig perfekt beherrscht, wuchs sie doch auf der Schwäbischen Alb auf. Zum ersten Mal in ihrer Karriere durfte sie in einer Rolle schwäbeln. Denn eine der Besonderheiten der Serie ist, dass die meisten Darstellenden im oberschwäbischen Dialekt – passend zum fiktiven Ort Hintervorderbach, in dem „Tschappel“ spielt – sprechen. „Es gibt vieles, was man nur auf Schwäbisch so sagen kann. Und man gibt einer Person durch einen Dialekt eine bestimmte Haltung. Tante Gabi auf Hochdeutsch wäre jemand anderes“, betont die Schauspielerin.

Nina Gnädig in „Tschappel“ mit Hauptdarsteller Jeremias Meyer Foto: ZDF/Conrad Lobst

Das Lebensgefühl, das die Serie transportiert, kennt Nina Gnädig nur zu gut – wie so viele andere Zuschauer der Serie auch. Es geht um den Abiturienten Carlo, der eigentlich wie sein Schwarm Pia nach der Schule durch Australien reisen will, dank eines Unfalls mit dem geliebten Oldtimer seines Vaters jedoch in dessen Gasthof im Oberschwäbischen den Schaden abarbeiten muss. An seiner Seite sind seine zwei besten Kumpel und – seine Tante Gabi. Sie alle sind wohl „Tschappel“ – ein Wort, das bisher im Schwäbischen noch nicht existierte, das jedoch irgendwie treffend jemanden beschreibt, der sich redlich bemüht und doch permanent in die falsche Richtung abbiegt. „Und wenn er dann metertief in der Sackgasse drin ist und nicht weiß, wie er wieder rauskommen soll, kommt das Glück durch die Hintertür, weil ein Tschappel ein Herz aus Gold hat“, erklärt Nina Gnädig.

Nina Gnädig bei „ Soko Stuttgart“. Foto: Lichtgut

Auch wenn ihr Lebensmittelpunkt schon seit vielen Jahren in Berlin liegt, beschreibt sie sich selbst als Landei. „Ich konnte barfuß über die Stoppelfelder rennen am Ende des Sommers“, erzählt sie. Ihre Heimat habe ihr die Wurzeln gegeben, Berlin gebe ihr nun die Flügel. Doch nach wie vor besucht sie häufig ihre Familie in Süddeutschland. „Meine Mama lacht immer, weil ich als erstes nach meiner Ankunft die Hände tief in die Erde stecke und daran rieche.“

Ihre Kindheit sei erfüllend gewesen, obwohl oder gerade weil etwas abgeschnitten vom Rest der Welt – auch ohne viel Fernsehen. Und so wusste sie zwar, wann der Weizen abgeerntet wird, hatte aber keine Ahnung davon, wie man eigentlich Schauspielerin werden könnte. Erst als sie nach einem Auslandsaufenthalt in Paris, wo sie all die kulturellen Angebote in sich aufsog, nach Berlin kam, erfuhr Nina Gnädig zufällig, dass man Schauspielerei auch studieren kann. Sie kleidete sich mit einem schwarzen, langen Rock, band sich die Haare zum Pferdeschwanz, lernte zwei, drei Texte und sprach auf der Bühne vor – und wurde an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig aufgenommen.

Einem breiten Publikum wurde sie zunächst in der Sat-1-Telenovela „Verliebt in Berlin“ als intrigantes Biest bekannt. 2009 kam sie dann nach Stuttgart, wo sie bis zur vierten Staffel in der ZDF-Serie „Soko Stuttgart“ die Kriminalkommissarin Anna Badosi verkörperte. Der Serie kehrte sie den Rücken, um viele andere Rollen wahrnehmen zu können. „Wir haben 365 Leben als Schauspieler.“ Sie sei bereits mehrfach eine Mörderin gewesen, wisse aber auch, wie sie als Leiche aussehe. „Ich durfte so oft schon die Seiten wechseln und danach wieder in meine Joggingbuchse steigen und nach Hause gehen“, sagt sie. Anschließend entscheide sie, was für Erfahrungen sie für sich bewahren möchte und was sie hinter sich lässt: „Dann wasche ich meine Seele rein und bin wieder ich.“ Doch eine Figur wie Tante Gabi hat sie bisher noch nicht gespielt und auch noch nicht gesehen im deutschen Fernsehen: „Sie ist die Königin des Augenblicks.“

Von „Verliebt in Berlin“ bis nach Oberschwaben

Schauspielerin
Nina Gnädig wurde 1977 in Nürnberg geboren und zog mit ihrer Familie auf die Schwäbische Alb in den Heidenheimer Ortsteil Oggenhausen. Ihre Ausbildung zur Diplom-Schauspielerin machte sie an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Ihre erste Kinorolle spielte sie 2005 in Dominik Grafs „Der Rote Kakadu“, im selben Jahr übernahm Gnädig in der Sat-1-Telenovela „Verliebt in Berlin“ die Rolle der Sabrina Hofmann. Seither spielt sie in zahlreichen Fernsehproduktionen mit.

„Tschappel“
Marius Beck schrieb zusammen mit Marc Philip Ginolas die Drehbücher und ist auch einer der Produzenten der Serie. Gedreht wurde in Zußdorf, wo Marius Beck und sein Cousin Paul Beck, der ebenfalls Produzent der Serie ist, aufgewachsen sind. Hauptdarsteller Jeremias Meyer musste für seine Rolle erst Schwäbisch lernen. Die erste Staffel von „Tschappel“ ist in der ZDF Mediathek zu sehen.

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