Nina Warken in Waldenbuch Hoffen auf Kompromisse in der Gesundheitspolitik
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat das Pflegeheim „Haus an der Aich“ in Waldenbuch besucht und sich über das Pflegesystem ausgetauscht.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat das Pflegeheim „Haus an der Aich“ in Waldenbuch besucht und sich über das Pflegesystem ausgetauscht.
„Sie weiß, was sie tut, kennt das von ihrem früheren Beruf, sie war Lehrerin!“ Fröhlich zwinkernd kommentiert die ältere Dame, was ihre Nachbarin da auf das Papier zaubert: roter Punkt um roten Punkt verwandeln sich die zuvor angelegten grünen Striche zu einer abstrahierten Blumenwiese. Andere, die neben ihr um den langen Tisch sitzen, arrangieren Papierschnüre auf Bildträgern oder formen nestartige Gebilde. „Ostern kommt bald!“
Ramona Neidlein schmunzelt. „Willkommen in unserem Atelier“, sagt die Direktorin des „Hauses an der Aich“ in Waldenbuch. Sie führt Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und CDU-Landtagskandidatin Regina Dvořák-Vučetić samt Team sowie Bürgermeister Chris Nathan (CDU) durch das Pflegeheim.
Es gehört zur Evangelischen Heimstiftung, einer der größten Anbieter sozialer Dienstleistungen in Baden-Württemberg: Dort betreuen 11 350 Mitarbeitende fast 16 000 Menschen in 170 Einrichtungen. „Die Besonderheit im Haus an der Aich ist unser Schwerpunkt Kunst und unsere fest angestellte Kunsttherapeutin“, sagt Neidlein, auf die Wände der Gänge und Treppenhäuser verweisend. Sie zieren Bilder in verschiedenen Techniken und Stilen. „Werke unserer Bewohnerinnen!“ Warken schmunzelt: „Die Männer machen das wohl nicht so gerne.“ Tatsächlich sitzen am Kunsttisch ausschließlich Seniorinnen. Einige Senioren finden sich in „mixed teams“ im Ess- und Aufenthaltsbereich samt Kochecke. Sie spielen „Mensch ärgere dich nicht“ oder üben mit einem Luftballon Fangen und Werfen, angeleitet von Alltagsbegleiterinnen. Auf dem Herd duftet derweil die Gemüsesuppe, „auch um die Sinne anzuregen“.
Warken ist beeindruckt von dem familiären Heim mit 48 Plätzen, das eingerichtet ist für Menschen bis Pflegestufe vier und für von Demenz Betroffene ohne Hinlauftendenz. Die Nachfrage ist groß – und wird steigen. Die Pflegevorausberechnung des statistischen Bundesamts stellte 2023 fest, die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland würde durch die zunehmende Alterung bis 2055 um 37 Prozent auf etwa 6,8 Millionen steigen. Das will bezahlt werden.
„Die Besonderheit im Haus an der Aich ist unser Schwerpunkt Kunst und unsere fest angestellte Kunsttherapeutin.“
Ramona Neidlein, Direktorin des „Hauses an der Aich“
Und so ging es bei Warkens Besuch denn auch um die Zukunft des Pflegesystems. Elke Eckardt, Vorsitzende der Geschäftsführung der gemeinnützigen Evangelischen Heimstiftung, formulierte so charmant wie konkret Wünsche an die Politik. Nach einem Plädoyer für das persönliche Budget lobte sie, dass die Debatte um Pflegegrad eins abgeflacht sei. „Denn das ist ein Entlastungsbetrag für Betroffene, um sich Hilfe für Einkäufe oder Putzen zu holen.“
Da gehe es auch um Prävention, schließlich wolle man, dass Menschen in der Häuslichkeit bleiben können. Gemäß Statistischem Bundesamt werden rund 86 Prozent zuhause gepflegt, 14 Prozent in Heimen betreut. Das Ministerium rechne hier mit 70 Prozent, einer falschen Zahl, so Eckardt.
Auch das im Dezember 2025 verabschiedete Gesetz zur Befugnis-Erweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) sprach sie an. Das bleibe deutlich hinter seinen Möglichkeiten. Ob Notfall-Kurzzeitpflegeplätze oder rehabilitative Pflege, die Refinanzierung müsse gesichert sein. „Hier haben wir bereits gute Modellprojekte, das muss Regel werden.“ Zudem müsse der Eigenanteil für Pflegeheimkosten begrenzt werden. Das sah auch Bundesgesundheitsministerin Warken, betonte aber die finanzielle Lage der Pflegekassen. „Entweder kommt mehr rein oder Ausgaben müssen gekürzt werden.“
Eckardt schlug vor, etwa private Krankenkassen aufzulösen. „Darüber spricht man ungern in der Politik.“ Auch solle man die Renditen privater Pflegeanbieter auf fünf Prozent begrenzen. „Dann kann man noch gut wirtschaften.“ Auf Warkens Hinweis, dies müsse in der eigenen Partei und mit dem Koalitionspartner diskutiert werden – „gesundheitspolitische Debatten sind schwierig“ –, entgegnete sie: „Ich bin hoffnungsstur und lösungsfinderisch, dass am Ende ein Kompromiss herauskommt!“