Ein Nistkasten schenkt heimischen Vögeln in Zeiten knapper natürlicher Höhlen einen lebenswichtigen Schutzraum – für Brut, Nachwuchs und kalte Winternächte. Wie man einen Nistkasten optimal einsetzt.

Drei von vier Gartenvögeln sind der Statistik nach Höhlenbrüter. Doch in städtischen Gebieten fehlt es den heimischen Vögeln an geeigneten Bruthöhlen. Für ihren Nachwuchs brauchen Vögel sichere Bruthöhlen und auch in den kalten Wintermonaten brauchen Vögel geschützte Orte.

 

Der NABU Stuttgart betreut um die 650 Nistkästen in Stuttgart, die sich im Rosensteinpark, in den Schlossgärten, am Killesberg, auf dem Waldfriedhof und am Eichenhain befinden.

Wer selbst einen Nistkasten aufhängen will, sollte nicht bis zum Frühjahr warten. Viele Vögel, die auch den Winter bei uns verbringen, suchen in kalten Nächten nach einem sicheren Unterschlupf. Denn die gefiederten Tiere müssen eine höhere Körpertemperatur halten als Säugetiere, weshalb sie in der kalten Jahreszeit viel Energie verbrauchen.

Der ideale Nistkasten und wo man ihn kaufen kann

Vogelnistkästen sollten aus nachhaltigem, giftfreiem und stabilem Material bestehen. Ideal sind Holz oder Holzbeton. Geeignete Modelle findet man im Shop des NABU oder im Gartenfachhandel. Bei Pflanzen Kölle oder Dehner findet man in Stuttgart zahlreiche Nistkästen, die den NABU-Empfehlungen entsprechen.

DIY: Nistkasten selbst bauen

Wer selbst handwerklich aktiv werden möchte, findet online zahlreiche Anleitungen zum Bau eines Nistkastens. Je nach Größe des Einfluglochs ist der Nistkasten für verschiedene Vogelarten geeignet:

Ein kleiner Meisenkasten benötigt ein 26 bis 28 Millimeter großes Loch. Ein großer Meisenkasten hat ein Loch mit einem Durchmesser von 32 Millimeter. Baut man einen Nistkasten für Spatzen, sollte man ihn als Mehrkammer-Nistkasten anlegen, da diese gerne in Kolonien brüten. Das Einflugloch sollte hier 35 Millimeter Durchmesser haben. Ein Starenkasten benötigt ein Einflugloch von einem Durchmesser von 45 Millimeter. Vor dem Einflugloch sollte keine Sitzstange angebracht werden, damit man Räubern keine Chance bietet.

Ein Halbhöhlen-Nistkasten eignet sich für Nischenbrüter wie Hausrotschwanz oder Rotkehlchen. Da sie offene Nistplätze bevorzugen, bieten sich hier halboffene Nistkästen an. Wer viele Gartenrotschwänze in der Umgebung hat, kann Nistkästen für diese Vogelart anbringen. Sie verfügen über ein ovales Einflugloch und sind somit speziell auf Gartenrotschwänze angepasst.

Wie sollte man Nistkästen aufhängen?

Ein geeigneter Platz einen Nistkasten aufzuhängen, ist schnell gefunden. Ob im Garten, auf dem Balkon oder an der Hausfassade: der Nistkasten sollte mindestens auf Augenhöhe und sicher vor möglichen Fressfeinden wie Katze, Marder oder Waschbär angebracht werden.

Das Einflugloch sollte möglichst wettergeschützt sein und in Richtung Morgensonne zeigen. Je nach Vogelart, die Zuflucht finden soll, sollte das Loch einen Durchmesser von 26 bis 32 Millimeter haben.

Bringt man den Nistkasten im Garten an einem Baum an, sollte man darauf achten, dass man ihn an einem dicken Ast anbringt in etwa zwei bis vier Metern Höhe. Damit der Kasten vor Sturm geschützt ist, sollte man es in Ost-/Südost-Ausrichtung anbringen. Zwischen Kästen für verschiedene Vogelarten sollte man fünf bis zehn Meter Abstand halten.

Wie lange bleiben Vögel im Nistkasten und wann brüten sie?

Verschiedene Vögel haben verschiedene Paarungs- und Brutzeiten. Wann die Vögel brüten und wie lang sie etwa im Nistkasten bleiben, gibt es hier im Überblick:

Brutzeit-Tabelle
Vogel Brutzeit Brutdauer
Amsel März bis August etwa 14 Tage
Blaumeise April bis Juni etwa 14 Tage
Buchfink April bis Juli etwa 10 bis 16 Tage
Buntspecht April bis Juni  11 bis 13 Tage
Grünling April bis August etwa 14 Tage
Haussperling April bis August 12 bis 14 Tage
Kohlmeise April bis Juni etwa 14 Tage
Mauersegler Mai bis Juni 24 Tage
Rauchschwalbe April bis Juni 12 bis 28 Tage
Rotkehlchen April bis Juli 12 bis 15 Tage
Stieglitz Mai bis August 12 bis 14 Tage
Waldkauz März bis Juli 28 bis 29 Tage
Zaunkönig April bis Juli 14 bis 18 Tage

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

Nistkästen richtig säubern

Damit Nistkästen keine Brutstätten für Krankheitserreger und Parasiten werden, sollte man sie zwischendurch reinigen. Der ideale Zeitraum dafür ist in der Regel der September. Dann können alle Nester entfernt und der Nistkasten besenrein ausgefegt werden. Hat man den Spätsommer zum Reinigen jedoch verpasst, sollte man das nicht zu einem späteren Zeitpunkt nachholen, denn dann könnten bereits neue Bewohner eingezogen sein.

Wieso gehen die Vögel nicht in den Nistkasten?

Wird der Nistkasten von Vögeln gemieden, kann es dafür verschiedene Gründe geben. Die falsche Ausrichtung kann ein Grund sein, weshalb Vögel den Nistkasten nicht annehmen. Zeigt das Einflugloch nach Westen oder Osten, zieht Wind in den Nistkasten und Regen und Kälte dringen ein. Versperren Äste oder Buchen die Einflugschneise, kann der Nistkasten leer bleiben. Vögel brauchen ein freies Sichtfeld von mindestens ein bis zwei Metern. Ist der Nistkasten zu tief aufgehängt, nehmen ihn Vögel auch nicht gut an.

Das falsche Material kann auch ein Grund sein, weshalb keine Vögel im Nistkasten sind. Verwendet man behandeltes Holz, Sperrplatten oder ähnliches, neigen Vögel dazu, den Nistkasten nicht anzunehmen.

Bleibt ein Nistkasten leer, sollte man die Bedingungen überprüfen und checken, ob die Materialien und Einfluglöcher passen und der Kasten richtig angebracht ist.