Nnedi Okorafor bei Dragon Days in Stuttgart Fantasy statt Insektenforschung

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Nnedi Okorafor, die ursprünglich einmal Insektenforscherin werden wollte, ­bevor sie an der Uni das Schreiben für sich entdeckte, ist in vielerlei Hinsicht ein gutes Beispiel fürs dünkelfreie Flottieren der Ideen und Erzähllust zwischen den diversen Medien und Nischen in der Fantastik. Die Buchautorin entwickelt nebenbei auch Superheldencomics mit schwarzen Hauptfiguren und gibt zu, zum Roman „Lagune“ von einem weißen Kinofilm inspiriert worden zu sein.

Der hochgelobte „District 9“ von Neill Blomkamp aus dem Jahr 2009, eine südafrikanische Produktion, gilt als Wegmarke des afrikanischen Kinos, nimmt er es doch mit den effektsatten SF-Produktionen Hollywoods auf. Aber die Freude darüber wurde für Okorafor gründlich ­getrübt vom Ärger über etwas anderes: „Dieser Film hat die Nigerianer ganz furchtbar dargestellt, als Kannibalen, Kriminelle und Prostituierte. Ohne jeden Grund hat der Film Nigerianer fertig ­gemacht. Ich war extrem wütend.“

Fantastik rückt ins Zentrum

Lange galt Literatur wie die von Nnedi Okorafor, auch und gerade wenn sie erfolgreich war, als Kommerzware für weniger Gereifte. Dass man die im Werden befindliche „Akata“-Buchreihe um Halbwüchsige, die besondere Talente an sich entdecken und damit die Zugehörigkeit zu einer ­geheimen Gesellschaft der spirituell und magisch Begabten, gern als afrikanische Variante von „Harry Potter“ einordnet, ­bestätigt solche alten Herablassungen eher.

Aber im Umgang mit Fantastik ändert sich gerade etwas ganz gewaltig, auch wenn die Herolde der literarischen Trendverkündung bislang versäumt haben, in ihre Trompeten zu stoßen. Viele Bücher der literarischen Bestenlisten der letzten Jahre enthalten fantastische Elemente. Und der diesjährige Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro nutzt ebenso Genremittel wie die Kanadierin Margaret Atwood, die gerade den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hat. Passend zur Rückkehr der Fantastik ins Zentrum der Literatur gibt es jetzt auch in Deutschland eine neue, aus Kritikervoten ermittelte Fantastik-Bestenliste, die monatlich zehn herausragende Titel empfehlen will. Spitzenreiter der Debütausgabe im Oktober: Nnedi Okorafors „Lagune“.




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